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Energiepolitik

8 Cent für Sektorkopplung? EWG schlägt neues Gesetz vor

Mit fester Vergütung für Kombikraftwerke will die Energy Watch Group die Sektorenkopplung in Schwung bringen. Auch Altanlagen könnten profitieren.

Inhaltsverzeichnis

Katharina Wolf

Dass die Erneuerbaren Systemverantwortung übernehmen müssen und können, ist klar. Immerhin sollen sie bis 2050 die Hauptlast an der Stromversorgung stemmen. Experten sind der Ansicht, dass die technische Lösungen vorhanden sind, um Dunkelflauten zu überbrücken.

Bislang jedoch gibt es keinen Markt für Sektorenkopplung, im Gegenteil - zu viel produzierter Strom bei Sonne oder Starkwind muss abgeregelt oder an der Börse verramscht werden.

Marktprämie für große, fixe Einspeisevergütung für kleine Anlagen

Die Energy Watch Group (EWG), ein Zusammenschluss unabhängiger Wissenschaftler und Politiker, hat nun einen Vorschlag für ein Gesetz vorgelegt, der dieses Problem lösen soll. Mit einer sogenannten Kombikraftwerksvergütung sollen systemdienliche Investitionen angeregt werden. Sie soll den Erneuerbaren ermöglichen, die Verantwortung für die Systemsicherheit der Stromversorgung zu liefern. Ausreichen würde laut Berechnungen der EWG ein fester Vergütungssatz von 8 Cent/kWh mit Hilfe einer marktwirtschaftlichen gleitenden Marktprämie. Unterschieden wird dabei zwischen zwei verschiedenen Instrumenten je nach Größe der entsprechenden Anlage:

  1. Kleinanlagen (Einzelinvestitionen bis 500kW bzw. bei Wind bis 3 MW) erhalten eine feste Einspeisevergütung pro eingespeister kWh.
  2. Größere Objekte müssen sich entsprechend den EU-Vorgaben am vorhandenen Markt orientieren. Hierzu erhalten sie eine gleitende Marktprämie und nehmen damit über Direktvermarktung am Stromwettbewerb teil.

Das neue Gesetz solle dabei eigenständig eingesetzt werden und nicht „den weiterhin hohen Novellierungsbedarf im bestehenden EEG ersetzen“, betont die EWG. Es solle lediglich den notwendigen Marktanschub schaffen, damit eErneuerbare Energien in zunehmendem Maße Systemverantwortung übernehmen. Eine EU-rechtliche Prüfung des Gesetzesentwurfs zeige, dass die EU-Vorgaben eine Garantievergütung ermöglichen.

Fell: Anstoß zur Überwindung der Corona- und der Klimakrise

„Das neu vorgeschlagene Sektorenkopplungs- und Innovationsgesetz für erneuerbare Energien soll ein großer Anstoß werden, um die aktuellen Herausforderungen zur Überwindung der Corona-Wirtschaftskrise und der Klimakrise zu bewältigen. Dazu braucht es unbedingt Lösungsansätze, die sowohl die Wirtschaft stimulieren als auch das Klima schützen“, sagt Hans-Josef Fell, der als EWG-Präsident die neue Gesetzesinitiative federführend ausarbeitete.

Die EEG-Umlage würde wegen des niedrigen Vergütungssatzes kaum belastet, dafür würde das Gesetz aber den tausenden Start-ups einen Markt schaffen, die mit innovativen Systementwicklungen für Speicher, digitale Steuerungen, Ökostromerzeugung und Sektorenkopplung in den Startlöchern stehen, jedoch kein echtes Marktumfeld haben, um großflächig privat finanzierte Investitionen zu generieren.

Markt für den Weiterbetrieb von Altanlagen?

Dem Nachrichtenmagazin Spiegel sagte Fell, das Gesetz würde die Lage am Markt verändern. Versorger, die zu jeder Stunde des Jahres bedarfsgerecht und systemdienlich Ökostrom einspeisen, hätten plötzlich einen finanziellen Vorteil. Das würde nach Fells Einschätzung auch dazu führen, dass bereits vorhandene Ökostromanlagen in Kombikraftwerke integriert werden. Gerade für die bis zu 15.000 älteren Anlagen in Deutschland, die bald aus der regulären EEG-Förderung fallen, wäre dies eine attraktive Perspektive.

„Die Vorteile der günstigen Energieerzeugungspreise können nun mit denen für Klimaschutz und Versorgungssicherheit zusammen ausgeschöpft werden, insbesondere wenn die Integration von der regionalen Ebene kommt und nicht nur von der Übertragungsnetzebene. Wenn die erforderlichen Technologien wie Batterien, Wasserstoff, Wärmepumpen und Wärmespeicher in Verbindung mit Solar- und Windenergie bedarfsgerecht und dezentral hochgefahren werden, können sich zusätzlich Innovationen und Wachstumsmärkte entwickeln.“ erklärt Thure Traber, wissenschaftlicher Leiter der EWG und Co-Autor des Gesetzvorschlags.

BDEW signalisiert Unterstützung

Der Vorschlag soll bald den Fraktionen im Bundestag präsentiert werden.

Kerstin Andreae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) signalisiert Unterstützung: „Die Energy Watch Group hat einen diskussionswürdigen Gesetzesvorschlag auf den Tisch gelegt. Ziel muss es sein, den innovativsten und effizientesten Weg für eine Energieversorgung durch erneuerbare Energien zu finden.“

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