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Arbeitssicherheit

Seenotzentrum für Meereswindenergie

Mit dem Ausbau der Offshore-Windenergie fernab der deutschen Küste wächst auch der Bedarf an neuen Sicherheits- und Seenotrettungskonzepten für die Arbeiter auf See. In Bremen soll dazu nun ein Kompetenzzentrum entstehen, das nach Angaben der Verantwortlichen im nordeuropäischen Raum einzigartig ist: das „European Offshore HSSE (Health, Safety, Security and Environment) Center“.

Sicherheitszentrum Bremen
 - Ihre Pläne für ein neues Offshore-Sicherheitszentrum präsentierten (v.l.) Hans-Werner Monsees (Leiter des Havariekommandos), Bremens Wirtschaftssenator Martin Günthner sowie Kapitän Udo Helge Fox, Mitglied der Geschäftsführung der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger sowie der kürzlich gegründeten Gesellschaft für Maritimes Notfallmanagement.
Ihre Pläne für ein neues Offshore-Sicherheitszentrum präsentierten (v.l.) Hans-Werner Monsees (Leiter des Havariekommandos), Bremens Wirtschaftssenator Martin Günthner sowie Kapitän Udo Helge Fox, Mitglied der Geschäftsführung der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger sowie der kürzlich gegründeten Gesellschaft für Maritimes Notfallmanagement.
Foto: Anne-Katrin Wehrmann

Den ersten Mietvertrag hat die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) unterschrieben. Sie will in dem Zentrum ihre Notfall-Leitstelle für Offshore-Windparks betreiben. Das Gebäude des Zentrums, also das HSEE, ist als Standort vorgesehen für die zentrale Ansiedlung mehrerer mit dem Thema Arbeitssicherheit beschäftigter Unternehmen oder Organisationen an einem Ort.

Anfang des Jahres hatte die DGzRS den Betreibern von Offshore-Windparks angeboten, bei Notfällen als zentrale Ansprechpartnerin bereitzustehen und die Koordinierung der Rettungsmaßnahmen zu übernehmen. Mittlerweile haben die Seenotretter, die ihre Arbeit nach wie vor ausschließlich durch freiwillige Zuwendungen finanzieren, eine Tochter mit dem Titel Gesellschaft für Maritimes Notfallmanagement mbH gegründet, um ihre gemeinnützigen Kernaufgaben sauber von dem kommenden zusätzlichen Arbeitsfeld zu trennen. Denn eins steht für Kapitän Udo Helge Fox, Mitglied der Geschäftsführung beider Gesellschaften, fest: "Wir werden dafür keine Spendengelder einsetzen, das kann ich garantieren."

Parkbetreiber sollen Notfall-Leitstelle finanzieren

Bezahlt werden soll die neue Notfall-Leitstelle der DGzRS von den Betreibern der Windparks, die andernfalls ihre eigenen Sicherheitskonzepte umsetzen müssten. Mit ihnen würden aktuell Detailgespräche über die konkrete Umsetzung geführt, berichtete Fox jetzt bei der offiziellen Vorstellung der Pläne. Man sei auf einem guten Weg und habe schon mehrere mündliche Zusagen erhalten. Er hoffe, dass es in wenigen Wochen die ersten schriftlichen Absichtserklärungen geben werde: "Sobald wir Rechtssicherheit haben, können wir die Leitstelle innerhalb von 18 Monaten komplett aufbauen."

Bis dahin wird die DGzRS in Vorleistung treten und der Windbranche übergangsweise ihre Bremer Seenotleitung zur Verfügung stellen, sollte es in einem Meereswindpark zu einem Unfall kommen. Später soll die Seenotleitung mit der neuen Offshore-Leitstelle im European Offshore HSSE Center zusammenziehen und um weitere Mitarbeiter ergänzt werden. Auch die Aufstockung des Seesicherheitspersonals sowie zusätzlicher technischer Aufwand müssen indes die Betreiber finanzieren. Er gehe davon aus, das die Leitstelle künftig in dem Maße wachsen werde, in dem auch die Offshore-Industrie expandiere, sagte DGzRS-Mann Fox.

Weiterhin eng zusammenarbeiten wird die DGzRS mit dem Havariekommando, das seinen Sitz in Cuxhaven hat und unterstützend eingreifen soll, wenn es zu so genannten komplexen Rettungssituationen kommt. Als Verantwortlicher für die staatliche Notfallvorsorge begrüße er es sehr, dass es nun eine zentrale Anlaufstelle gebe, betonte dessen Leiter Hans-Werner Monsees. "Wichtig sind kurze, abgestimmte und eindeutige Meldewege", so Monsees. Im Moment hätten die Arbeiter in den Windparks noch mehrere Telefonnummern in der Tasche. "Was wir uns im Notfall überhaupt nicht leisten können, ist ein weiterer und unnötiger Zeitverlust."

Verschiedene Kompetenzen unter einem Dach

Entwickelt wird das neue Offshore-Sicherheitszentrum, das in der Nähe des Bremer Flughafens beheimatet sein wird, von der Wirtschaftsförderung Bremen und einer Immobiliengruppe. Angesprochen sind sowohl Betreiber von Offshore-Windparks als auch Außenbüros von Errichterfirmen, Helikopterservices und Dienstleistungsunternehmen aus den Bereichen Projektierung, Finanzierung und Versicherung.

(Anne-Katrin Wehrmann)