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30.05.2013

EU-Forschungsprojekt

Strom aus Milchabfällen

Die Reinigung von Molkereiabwasser ist aufwändig, teuer und benötigt eine Reihe chemischer Zusätze. Das will ein internationales Forschungskonsortium ändern: Mit ihrer elektrochemischen Reinigung lässt sich sogar noch Strom aus dem Abwasser gewinnen.

Milch
Kuh
Milch - Deutschlands Kühe produzieren jährlich 30 Millionen Liter Milch. Die Reinigung der anfallenden Abwässer könnte der Stromproduktion dienen.
Deutschlands Kühe produzieren jährlich 30 Millionen Liter Milch. Die Reinigung der anfallenden Abwässer könnte der Stromproduktion dienen.
Foto: uschi dreiucker / pixelio.de

Wer Milch produziert, produziert auch Abwasser. Bis zu zwei Liter pro Liter Milch. In Deutschland kommen dadurch jährlich zwischen 30 und 60 Millionen Liter Abwasser zustande. Da die Reinigung des Wassers auf natürlichem Weg enorm viel Sauerstoff verzehrt, müssen die Molkereibetriebe es aufbereiten. Die Technik dafür ist teuer und für mittelständische Betriebe kaum bezahlbar.

Das Fraunhofer Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik, IGB, entwickelt nun im Projekt REWAGEN mit neun Partnern ein elektrochemisches Verfahren zur Abwasserreinigung. Es kommt ohne chemikalische Zusätze aus. Modular aufgebaut soll es auch den Bedürfnissen kleiner Betriebe gerecht werden.

Das Konzept setzt auf vier Verfahrensschritte, die einen geschlossenen Prozess bilden sollen. Sehr vereinfacht gesagt, wird das Abwasser in den einzelnen Verfahren unter Strom gesetzt, dafür braucht es einen Pluspol, einen Minuspol und eine Spannungsquelle. Sie verursachen im harmonischen Abwasser ein Ungleichgewicht. Nach und nach werden dadurch Öle, organische Bestandteile und Salze aus dem Abwasser entfernt.

Wasserstoff aus dem Abwasser

Positiver Nebeneffekt: Bei der elektrochemischen Behandlung des Wasser entsteht Wasserstoff. Ihn wollen die Forscher mit einer integrierten Brennstoffzelle in Strom wandeln, um beispielsweise die Stromversorgung des Systems zu unterstützen.

Der EU ist diese Entwicklung 4,6 Millionen Euro Förderung wert. Geforscht wird noch bis Sommer 2016. (Denny Gille)