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Batteriekraftwerke

Stromspeicher als Geschäftsmodell für den Regelenergiemarkt

Praxisbeispiele zeigen, dass der Betrieb eines Batteriekraftwerkes für Kommunen oder Bürgerenergiegenossenschaften schon jetzt ein lohnendes Geschäftsmodell sein kann.

Batteriespeicher Wemag Grafik
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Grafik: WEMAG/Younicos

Im Rahmen des vom Land Baden-Württemberg geförderten Forschungsprojektes „Betreibermodelle für Stromspeicher“ (Store2Win) fanden sich bei einem Workshop zu lokalen Stromspeichern in Stuttgart rund 40 Teilnehmer aus Wissenschaft und Praxis zusammen. Eingeladen hatten in Kooperation mit dem Verband der Bürgerenergiegenossenschaften in Baden-Württemberg das Fraunhofer ISE, das Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (IER) der Universität Stuttgart sowie die Compare Consulting.

Auf dem Workshop wurden drei Pilotprojekte vorgestellt: Franziska Heidecke von Netze BW berichtete vom „Netzlabor Sonderbuch“, Volker Dietrich von Kaco New Energy präsentierte den „Quartiersspeicher Weinsberg“ und Markus Arnold vom Fraunhofer ISE stellte sein Konzept eines Betreibermodells für einen von einer Wohnungsbaugenossenschaft betriebenen Quartiersspeicher vor. Anschließend loteten die Teilnehmer des Workshops in Gruppenarbeit mit den Referenten mehr oder weniger erfolgreich mögliche konkrete Projekte mit besonderem Fokus auf Geschäftsmodelle für Energiegenossenschaften aus.

Bürgerenergiegenossenschafts-Konzept

Installation Akkus Grossspeicher bei der Wemag.
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WEMAG AG

Am Rande ging es auch um ein Bürgerenergiegenossenschafts-Konzept für ein Batteriespeicherkraftwerk zur Bereitstellung von Regelenergie: Schon vor einem Jahr hat die Bürgerenergieinitiative „Energie im ZAK“ ihr Konzept im Umweltministerium Baden-Württemberg vorgestellt und sucht seither nach Partnern und einem geeigneten Standort. Zur Lieferung der Primärenergie genüge es, irgendwo ans Mittelspannungsnetz angeschlossen zu werden, so das Konzept. Darüber hinaus solle der Speicher für eine Sekundärnutzung als Notstromaggregat für einen Großverbraucher dienen, wie etwa ein Rechenzentrum, Kranken- oder Kühlhaus. Für einen Fünf-Megawatt-Batteriespeicher mit zwei Megawattstunden Output müssen demnach rund fünf Millionen Euro investiert werden.

„Wir sind nach wie vor überzeugt, dass so ein Projekt wirtschaftlich zu betreiben ist und wollen dies möglichst ohne Banken und Fördergelder und stattdessen mit einer Reihe von Investoren aus dem BEG-Umfeld zusammen umsetzten“, sagt Almut Petersen von Regionalgenial Zollernalb. Als Gesellschaftsform solle eine GmbH dienen - mit Bürgerenergiegenossenschaften aus den Bereichen Solar und Wind zur Risikoaufteilung mit jeweils 100.000 Euro Beteiligung. Als Blaupause für das ZAK-Konzept dient das Fünf-MW-Speicherkraftwerk der Wemag AG zusammen mit Reevolt in Schwerin.

„Ein sehr spannender Ansatz, wenn er als Genossenschaft realisiert wird“, bewertet auch Burghard Flieger von der Freiburger Solargenossenschaft das ZAK-Konzept. „Sollten sie das schaffen, so wäre das sicher zukunftsweisend.“ Die Solargenossenschaft befinde sich ihrerseits aktuell in Gesprächen mit dem Fraunhofer ISE zu einem ähnlichen Förderprojekt für Energiegenossenschaften.

Batteriekraftwerke und Notstromtechnik

„Die Kombination aus Batteriekraftwerken und der Notstromtechnik von Rechenzentren könnte ökonomisch und ökologisch durchaus sinnvoll sein“, urteilt auch Marc Wilkens, Senior Consultant bei der Pro RZ Rechenzentrumsbau GmbH, einem erfahrenen Planungsbüro für Rechenzentren (RZ) im siegerländischen Betzdorf. Die Nutzung einer unabhängigen Stromanbindung an ein Batteriekraftwerk könne die Investitions- und Betriebskosten für eigene Netzersatzanlagen (zum Beispiel Dieselgeneratoren) sogar komplett überflüssig machen. Auch eine Ergänzung mit den bisher üblichen USV-Konzepten in RZ wäre denkbar. Wilkens: „Batteriekraftwerke könnten so einen Teil der USV-Anlage ersetzen und gleichzeitig die Notstromversorgung sicherstellen.“ Gerade bei RZ müsse aber ein solches Outsourcing von Teilen der Notstromversorgung vertraglich genauestens geregelt sein, damit die RZ-Verfügbarkeit bzw. die Service Level Agreements jederzeit gewährleistet werden.

Belectric-Speicher nach fünf Jahren amortisiert

 - Im Innern des Pufferspeichers. Fast 1.000 Batteriezellen sind hier vereint.
Im Innern des Pufferspeichers. Fast 1.000 Batteriezellen sind hier vereint.
Foto: Belectric

Soll ein Batteriespeicherkraftwerk ans Netz gehen, muss das System per 'Präqualifikation' nachweisen, dass es die Anforderungen des Übertragungsnetzbetreibers (ÜNB) an die Systemsicherheit des Energienetzes erfüllt. Im Mai sind zwei sogenannte „Energy Buffer Units (EBU)“ des Herstellers Belectric im brandenburgischen Alt Daber von Vattenfall erfolgreich für 1,3 MW Primärregelleistung präqualifiziert worden. Dabei wurde unter anderem zusammen mit Netzbetreiber ein spezielles Nachladekonzept entwickelt und anschließend von ihm abgenommen. Das System stellt sicher, dass der Speicher jederzeit verfügbar ist.

„Wir agieren hier in einem sehr jungen Markt mit vielen Möglichkeiten. Die Energiespeicherlösungen sind daher auch noch sehr individuell“, erklärt dazu Wolfgang Conrad, Leiter des Bereichs Hybridkraftwerke und Energiespeicher bei Belectric. Der Aufwand lohnt sich jedoch. Die Betreiber kalkulieren das System mit den Einnahmen am Primärregelleistungsmarkt, die im vergangenen Jahr erneut angestiegen seien. Conrad: „Durch das effiziente Systemdesign der EBU mit dem Einsatz von hochbelastbaren Blei-Säure-Batterien und einem speziell entwickelten Pool-System ist eine Amortisation der Anlage nach fünf Jahren möglich.“

Mit privaten Speichern über Schwarmkonzepte mit einsteigen

Aber auch im kleineren Maßstab können Besitzer von Stromspeichern über Schwarm-Konzepte am Regelenergiemarkt teilnehmen. Ende Juli 2015 wurde erstmals ein Verbund privat genutzter Solarstromspeicher für die Erbringung von Primärregelleistung von der Tennet TSO GmbH in Abstimmung mit allen deutschen Übertragungsnetzbetreibern präqualifiziert. 65 Energie-Speicher-Systeme (ESS) des Pilotprojekts Swarm tragen damit nun zur Stabilisierung des Stromnetzes bei. Die Besonderheit des virtuellen Großspeichers ist seine Zusammensetzung aus vernetzten, haushaltsgroßen Energiespeichern. Die ESS enthalten Lithium-Ionen-Akkus von Saft Batterien GmbH, die Leistungselektronik liefert Siemens. Das Gemeinschaftsprojekt des Systemlieferanten Caterva GmbH und der Nürnberger N-Ergie AG wird vom Freistaat Bayern gefördert.

Speicher mieten statt kaufen

Für Fälle, in denen die Einsatzzeiten nur kurz sind, bietet Siemens gemeinsam mit den Partnern Ads-Tec, Fraunhofer ISE und Storegio mit dem Mietspeicher-System „Storent“ ein spezielles Mietkonzept für Batteriespeicher als Notstromaggregat an. Energieversorger, Industrieunternehmen, Grossveranstalter sowie zivile und militärische Organisationen können damit kurzzeitig eine mobile Speicherlösung mieten. Den Kunden stehen mehrere Mietspeichergrößen zur Verfügung und umfangreiche Servicepakete können optional und nach Bedarf gebucht werden. Mehr dazu hier.

„Aktuell erschweren noch sachlich nicht zu rechtfertigende Abgaben die Wirtschaftlichkeit solcher Betreibermodelle. So werden Energiespeicher als Letztverbraucher behandelt, was sie de facto nicht sind“, kritisiert Miriam Hegner vom Bundesverband Energiespeicher (BVES). Stromspeicher seien weder energiewirtschaftlich noch physikalisch als Letztverbraucher zu betrachten, argumentiert der Verband. Hegner: „Solche Speicher verbrauchen den Strom ja nicht endgültig, sondern entnehmen Strom aus dem Netz, um ihn zu einem späteren Zeitpunkt wieder in das Netz einzuspeisen. Damit übernehmen sie eine netzstabilisierende Funktion.“ Der BVES arbeite aktiv daran, derartige Hemmnisse zu beseitigen. Energiespeicher zur Erbringung von Primärregelleistung etwa müssten generell von den Letztverbraucherabgaben befreit werden, so die Verbandsposition.

Marktüberblick Energiespeicher

Der Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) hat im Juli in Berlin die Broschüre „Marktüberblick Energiespeicher in der Kommunalwirtschaft“ veröffentlicht. Diese zeigt, dass die kommunale Wirtschaft Energiespeicher schon heute für profitable Geschäftsmodelle nutzt.

Autor: Georg Stanossek (http://twitter.com/GeorgStanossek)