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Einspeisebilanz

Wie 2015 zum Windstromrekordjahr wurde

Es war das Jahr des Windstroms: 2015 haben Windparks in Deutschland 50 Prozent mehr ins Stromnetz eingespeist als im Vorjahr. Vor allem haben sie mit einem Anteil von über 13 Prozent an der Bruttostromerzeugung und sogar fast 14,5 Prozent am Stromverbrauch die Bedeutung der Windkraft sprunghaft wachsen lassen, auch dank gleichmäßigerer Windernte.

Windpark Brünnstadt
 - Windkraft ersetzt Atomkraft: Windpark Brünnstadt beim 2015 abgeschalteten AKW Grafenrheinfeld. Der frankische Windpark mit drei 3,2-MW-Anlagen von Senvion ging 2014 in Betrieb.
Windkraft ersetzt Atomkraft: Windpark Brünnstadt beim 2015 abgeschalteten AKW Grafenrheinfeld. Der frankische Windpark mit drei 3,2-MW-Anlagen von Senvion ging 2014 in Betrieb.
Foto: Abo Wind

86 Terawattstunden (TWh) hatten die rotierenden Dreiflügler bis zum vorläufigen Abrechnungstag am 11. Dezember ins deutsche Stromnetz eingespeist. Das ergibt die auf diesen Stichtag datierte Vorabbilanz der Arbeitsgemeinschaft (AG) Energiebilanzen. Demnach hatten die Windparkbetreiber in Deutschland schon drei Wochen vor Ende des Jahres die vorsichtige Experten-Prognose von 80 TWh deutlich übertroffen, die ERNEUERBARE ENERGIEN im Juli in diesem Online-Nachrichtenportal veröffentlicht hatte: Damals hatten die Windparks bereits fast 40 TWh eingespeist. Mehrere Befragte aus der Branche hatten im Gespräch mit Erneuerbareenergien.de betont, dass nach mehreren schlechten Windjahren 2015 offenbar wieder Windverhältnisse wie im langjährigen Mittel herrschten. Würden diese sich bis Jahresende so fortgesetzt haben, seien 80 TWh Windstromeinspeisung möglich, sagte im Juli beispielsweise Norbert Allnoch. Der Geschäftsführer des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien (IWR) hatte erklärt, dies entspreche dann einer mittleren Erzeugungsauslastung von 1.800 Volllaststunden im deutschen Windturbinenpark.

Im Einzelnen erbrachten die Windparks an Land bis 11. Dezember eine Stromernte von 77,9 TWh nach 55,9 TWh im gesamten Vorjahr. Aber auch die Offshore-Produktion sprang erstmals an: Auf einen Wert von 8,1 von 1,4 TWh. Dabei ist der bereits seit Ende 2013 komplett ans Netz angeschlossene 400-Megawatt-Meereswindpark Bard Offshore 1 weiterhin häufig zu großen Teilen seiner Kapazität wegen technischer Probleme vom Netz. So häuften sich im Dezember erneut die Pannenmeldungen aus dem Windpark, der aus 80 Anlagen des nach einer Insolvenz abgewickelten Herstellers Bard besteht.

Ohne Explosion der Exporte wäre Windstromversorgung noch größer

Statistisch hätte sich der Anteil der Windenergie sogar noch mehr erhöhen können, hätten nicht im selben Jahr auch der Stromverbrauch und der Stromexport wieder zugenommen. So war der Stromverbrauch laut AG Energiebilanzen nicht zuletzt witterungsbedingt nach einem wieder etwas kälteren Jahresbeginn im Vergleich zu 2014 von 592,2 auf 597 TWh angestiegen. Der erzeugte Stromüberschuss schnellte sogar von 35,6 auf 50,1 TWh hoch. Seit 2003 nehmen die Stromexporte in Deutschland zu – unter dem Einfluss des schnellen Ausbaus erneuerbarer Energien sowie einer anhaltend hohen Erzeugung aus Kraftwerken, die fossile Energien nutzen. Dem Rückgang der Atomkraft-Einspeisung von 165 auf 91,5 TWh seit 2003 steht hier vor allem eine gleichbleibende Braunkohleverstromung und eine nur moderat rückläufige Steinkohleverstromung gegenüber. Zum Vergleich: Die erneuerbaren Energien insgesamt speisten 2015 schon 194 TWh ein – was einen Anstieg um gut 150 TWh im Vergleich zu 2003 bedeutet.

Zum Inlandsstromverbrauch trug die Windkraft rechnerisch somit 14,4 Prozent bei. Gemessen an einer Bruttostromerzeugung im Land von 647,1 TWh hat der Windstrom einen Anteil von 13.3 Prozent.

Keine gravierenden Flaute-Phasen mehr im Dezember

Auffällig an der 2015 zurückgekehrten hohen Effizienz der Windstromerzeugung ist, dass Flauten im Windjahr 2015 wie beispielsweise im Dezember kaum mehr vorkamen. Verzeichneten die sogenannten Transparenzdaten der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber im Vorjahres-Dezember noch eine längere Flautephase vom 2. bis zum 7. Dezember von unter 5 Gigawatt Erzeugungslast am Netz, gab es das zumindest bis zum heutigen 22. Dezember 2015 noch gar nicht. Zudem fällt die Stetigkeit der Einspeisung insbesondere im Netzgebiet von Tennet auf: In dem von Bayern ganz aus dem Süden bis nach Schleswig-Holstein und Niedersachsen reichenden größten der vier Übertragungsnetzgebiete dürften hierbei nicht zuletzt die 2014 und 2015 ans Netzgegangenen Nordseewindparks ausschlaggebend sein. Denn zum Tennetgebiet gehört die gesamte Nordsee. Aber auch der noch 2015 anhaltend hohe Ausbau der Windkraft in Bayern sowie Niedersachsen, Schleswig-Holstein und auch in Hessen dürften sich hier ausgewirkt haben. Immerhin fand in keinem der vier Netzgebiete zuletzt ein ähnlich gleichmäßig verteilter Ausbau des Anlagenbestands statt.

Auffällig auch: Im Vergleich der Dezembertageswerte der vergangenen fünf Jahre nimmt die Dominanz des Tennetreviers in Sachen Windstromeinspeisung wieder zu. Noch vor drei Jahren waren die Windstrom-Einspeisewerte – zumindest im Dezembervergleich – aus dem ostdeutschen Netzgebiet 50 Hertz fast gleich hoch, oder übertrafen gelegentlich sogar die von Tennet.

(Tilman Weber)