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PNE-Jubiläum

Deckel für Offshore wird angehoben

Klaus Töpfer gratuliert Windparkplaner PNE zu 20 Jahren Börsenjubiläum. Heute sind die Cuxhavener in 13 Märkten und fokussieren Wind, PV und Speicher.

Nicole Weinhold

Klaus Töpfer blickt nach vorn: „Wie geht es mit dem Repowering weiter? Wenn alle Windenergieanlagen in Deutschland jetzt wie die modernen Anlagen drei Megawatt hätten, wären wir schon weiter.“ Man müsse es so machen wie die Automobilindustrie, so der 80-jährige spitzbübisch, die habe einfach eine Abwrackprämie eingeführt. Die PNE AG hatte den ehemaligen Bundesumweltminister und Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen zu ihrem 20jährigen Börsenjubiläum nach Hamburg eingeladen, um die Grußworte zu sprechen.

Stromeinspeisungsgesetz 1990/91

Zwei Urgesteine –Töpfer und PNE – erinnern sich. „Ich war damals gerade Umweltminister, als das Stromeinspeisungsgesetz kam, 1990/91. Entworfen wurde es von den beiden Politikern Matthias Engelsberger, CSU, und Wolfgang Daniels, Grüne.“ Engelsberger habe die kleine Landwirtschaft mit ihren ersten Biogasanlagen unterstützen wollen. „Da hatte keiner was dagegen“, so Töpfer. PNE-Vorstandsvorsitzender (CEO) Markus Lesser erinnert an die ersten Schritte des Cuxhavener Windparkplaners. 1995 sei die Grundsteinlegung der Firma gewesen, 1998 sei Plambeck – daher ursprünglich das P im Namen – an die Börse gegangen. „Damals war Plambeck Neue Energien ein regionaler Windparkplaner. Heute sind wir in 14 Märkten auf drei Kontinenten aktiv“, so Lesser. Zuletzt sei Mittelamerika mit einem Windparkprojekt in Panama dazu gekommen. Inzwischen steht PNE für Pure New Energy. 2004 sei die Unternehmensstrategie um Solar erweitert worden. Wichtig auch der Windparkplaner WKN aus Husum, der zum Unternehmen gehört. Erster Offshore-Windpark von PNE war Borkum Riffgrund 1.

1,3 Gigawatt Offshore durch PNE initiiert

„Inzwischen sind 1,3 Gigawatt Offshore-Leistung auf unsere Initiative im Meer installiert.“ 2017 habe PNE die Unternehmensstrategie um das Thema grüner Wasserstoffe erneut erweitert. „Wind, PV und Speicher müssen verbunden werden“, so Lesser, ebenso wie die Sektoren Wärme, Verkehr und Strom. An die Politik richtet er den Aufruf, nicht gleichzeitig auf Gas und Bremse zu treten bei der Energiewende: „Vertrauen Sie auf unsere Expertise.“

Zu den Gratulanten gehörte auch der Bundestagsabgeordnete Enak Ferlemann (CDU), Vorsitzender des CDU-Bezirksverbandes Elbe-Weser. Er erinnert daran, dass die Windkraft vor 20 Jahren als Technik für Spinner gehalten wurde. 2002 entstand dann der Masterplan Offshore Basis Cuxhaven. “Daraus wurde der größte deutsche Offshore-Standort”, so Ferlemann. „Für Arbeitsplätze, Ausbildungsplätze – die Standortbedingungen in Cuxhaven sind hervorragend. Aber wie sieht es mit der Bundespolitik aus?“ Man habe sich auf das Aus der Kohleverstromung geeinigt. Diese müsse durch Erneuerbare ersetzt werden. Man brauche Sektorkopplung für die Mobilität. „Der Strom für Lkw kann nicht aus der Kohle kommen.“ Hier sei Sektorkopplung gefragt, zum Beispiel mit Wasserstoff. „Wie können wir Elektrolyse günstiger machen? Alte Energien müssen aus dem Markt, neue müssen gefördert werden. Der Deckel für Offshore muss gehoben werden.“ Ferlemann wagt die Prognose – seine Erfahrung aus dem AK Akzeptanz, der Ende April mit Ergebnissen kommen könnte – „dass wir den Deckel anheben.“ Gemeint ist der Ausbaudeckel von 15 Gigawatt im Jahr 2030. Der nachfolgende Redner, Uwe Santjer, sieht 30 Gigawatt also vernünftigen Deckel für 2035.

Windmärkte werden sich vervierfachen

Aus Sicht der Menschen in Cuxhaven sei PNE wichtig – „Wir brauchen dringend Perspektiven für die Jugend“, so Uwe Santjer, Mitglied im niedersächsischen Landtag. Man brauche den Offshore-Hafen und man brauche Rückenwind. „Reden nützt nichts, dann müssen wir das einfach mal tun.“ 65 Prozent Erneuerbare bis 2030 seien das vereinbarte Ziel.

BWE-Präsident Hermann Albers betont in dem Zusammenhang in der abschließenden Talkrunde, die Regenerativmärkte würden wachsen – von 55 Gigawatt Windleistung in Deutschland auf über 200 Gigawatt 2050 – für die Anlagenzahl bedeute das ein Wachstum von jetzt 30.000 auf rund 35.000. Da sei man vor allem mit den ostdeutschen Bundesländern im Gespräch. „Die Windmärkte werden sich vervierfachen.“ Albers betont, dass die politischen Perspektiven gut sind. „Wir werden in den nächsten Jahren wieder größere Volumnia haben.“ Nachdem die vergangenen zwei Jahre nicht gut waren, geht es jetzt bergauf.

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