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Interview mit Detlef Neuhaus von Solarwatt

„Der Siegeszug der Photovoltaik ist nicht aufzuhalten“

Der Solarmarkt wächst weiter. Detlef Neuhaus, Geschäftsführer von Solarwatt, erklärt, was notwendig ist, damit der Ausbau schneller geht und die Übergangzeit zur neuen Energiewelt möglichst kurz ist.

Der weltweite Zubau von Photovoltaiksystemen wächst. Was sind aus Ihrer Erfahrung heraus die Treiber des Zubaus?

Die administrativen Rahmenbedingungen verlangsamen den Photovoltaikzubau zumindest hierzulande in jedem Fall. Dennoch ist der Siegeszug der Photovoltaik überhaupt nicht mehr aufzuhalten – in Deutschland und weltweit. Denn der Bau einer Solaranlage ist nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern mittlerweile höchst wirtschaftlich. Da können andere Energieträger nicht mehr mithalten. Dazu kommt, dass Photovoltaik leicht skalierbar ist und die Anlagen einfach zu montieren sind. Einmal installiert, laufen die Anlagen quasi von selbst und wenn sie auf Doppelglasmodule setzen mindestens 30 Jahre.

In welchen weiteren Segmenten stehen die Zeichen auf Wachstum und wo muss das Potenzial noch stärker entwickelt werden?

Die Zeichen stehen in allen von Ihnen genannten Segmenten auf Wachstum. Natürlich hat jeder Bereich seine Besonderheiten, aber generell sehen wir überall ein steigendes Interesse – eben weil Photovoltaik schon heute ökologisch und ökonomisch absolut sinnvoll ist. Und weil auch der öffentliche Druck aufgrund des Klimawandels zunimmt Jetzt muss nur noch die Politik hierzulande endlich die Bremsklötze rausnehmen.

Sie haben schon einige Vorschläge für bessere Rahmenbedingungen gemacht, unter anderem die Befreiung des Mieterstroms von der EEG-Umlage. Reicht das aus, um die Umsetzung von solchen Projekten anzuschieben oder sind da noch weitere Vereinfachungen notwendig – wie beispielsweise die Möglichkeit, den Strom auch innerhalb des Quartiers zu vermarkten?

Das Mieterstromgesetz muss zunächst entbürokratisiert werden, sonst wird weiter wie bisher ein immenses Potenzial verschenkt. Eine Befreiung der Mehrfamilienhäuser von der EEG-Umlage ist in meinen Augen ein notwendiger erster Schritt. Weitere wichtige Konzepte wie beispielsweise die von Ihnen angesprochene Stromvermarktung sind natürlich ebenfalls sinnvoll, setzen aber den ersten Schritt voraus. Wenn wir weniger Bürokratie haben, werden die Projekte kommen – das ist auch das, was wir von potenziellen Kooperationspartnern immer wieder hören.

Sie plädieren auch für die komplette Abschaffung der Sonnensteuer auf den Eigenverbrauch. Was ist noch notwendig, um die vorhandenen Dächer gut auszunutzen und nicht die Anlagen auf den Eigenverbrauch hin optimiert und damit kleiner zu bauen, als es das Platzangebot auf einem Dach hergibt?

Die Zahlung einer Steuer auf Solarstrom, den man auf seinem eigenen Dach erzeugt, ist absolut absurd. Das ist so, als würde man Bürger dazu verdonnern, eine Steuer auf selbst angebaute Tomaten zu zahlen. Für mich ist die Abschaffung der Sonnensteuer eine Selbstverständlichkeit, damit das richtige Handeln nicht bestraft wird. Für den Reststrom braucht es einen finanziellen Ausgleich in Aufwandshöhe. Das kann eine Einspeisevergütung sein oder über ein sinnvolles Vermarktungskonzept geregelt werden.

Sie haben auf der letzten Intersolar unter anderem neue Lösungen für die Sektorkopplung vorgestellt. Welche Bedeutung haben solche Lösungen für den Ausbau der Photovoltaik und für die Energiewende?

Die Kopplung der Sektoren Strom, Verkehr und Wärme ist die nächste konsequente Stufe der Energiewende. Insbesondere im Residential-Bereich werden in den kommenden Jahren beispielsweise die Energieversorgung im Haushalt per Photovoltaikanlage und das Laden eines Elektrofahrzeugs zusammenwachsen müssen. Denn Elektromobilität ist nun mal nur durch die Nutzung von grünem Strom wirklich sinnvoll. Auch die Wärmeerzeugung wird in Zukunft mehr und mehr mit Strom laufen. Von daher brauchen wir Systeme, die diese Ansätze konsequent miteinander verbinden.

Solarwatt setzt aber auch auf ästhetische Ansätze wie beispielsweise die Dachintegration von Solaranlage. Wie entwickelt sich dieses Segment?

Unser Indachmodul ist leider noch kein Massenprodukt, aber es hat sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt. Ich glaube aber, dass in diesem Bereich noch sehr viel mehr möglich ist. Es ist einfach eine sehr elegante Lösung, die bei einer Dachsanierung zumindest einmal in Betracht gezogen werden sollte. Denn ein Indachmodul ist nicht wesentlich teurer ist als ein herkömmliches Aufdachmodul.

Sie haben auf der Intersolar den Prototypen eines Halbzellen-Doppelglasmoduls vorgestellt. Wann kann man mit der Markteinführung rechnen?

Wir planen die Einführung in 2020.

An welche technologischen Weiterentwicklungen in den Bereichen Modul, Speicher und Systemlösungen arbeitet Solarwatt derzeit?

Wir arbeiten in allen Bereichen an Weiterentwicklungen, die wir in den nächsten sechs bis 18 Monaten vorstellen werden. Besonders die Sektorenkopplung treiben wir weiter voran, denn sie wird in puncto Energiewende absolut spielentscheidend sein – auch was das Interesse der Kunden angeht. Nur wenn die Energielösungen in Zukunft stimmig, einfach zu bedienen und wirtschaftlich sinnvoll sind, werden sie sich auf Dauer auch am Markt durchsetzen.

Die Fragen stellte Sven Ullrich

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