Foto: Velka Botička

Leaders for Climate Action

Digitalunternehmen wollen CO2-Emissionen senken

Das eigene Unternehmen und Produkt so klimaneutral gestalten: Das ist ein Ziel, das sich mehr als 100 Digitalunternehmen gesetzt haben. Sie fordern zusätzlich einen CO2-Preis, um auch alle anderen Unternehmen zum Handeln zu bewegen.

Mehr als 100 Digitalunternehmen haben sich unter dem Titel Leaders for Climate Action zusammengeschlossen und fordern von der Politik entschlossenes Handeln für den Klimaschutz. „Wir brauchen wirksame Gesetze und wir müssen auf die Politik einwirken“, betont Boris Wasmuth, Geschäftsführer der Online-Spieleplattform Game Duell. Er sieht beim Energieverbrauch in der Wirtschaft eine klassische Form von Marktversagen. Denn der CO2-Ausstoß wird nicht in das Endprodukt eingepreist.

Aus diesem Grunde fordern die Initiatoren der Aktion einen effektiven und vor allem lenkungswirksamen Preis für den CO2-Ausstoß in allen Bereichen in Kombination mit einem schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energien, wie David Wortmann, Geschäftsführer der Beratungs- und Kommunikationsagentur DWR Eco, betont. Die Lenkungswirksamkeit ist hier entscheidend. Denn die Firmen, die sich zur Climat Action zusammengeschlossen haben, haben sich auch eigene Ziele gesetzt, wie sie ihre Unternehmen klimaneutral umgestalten können.

Die einfachen Schritte zuerst

Dies haben sie in einem sogenannten Green Pledge zusammengefasst. Es gelten dabei drei Prinzipien. Zunächst geht es bei der Umgestaltung nicht um Vorwürfe, was in der Vergangenheit falsch gelaufen ist, sondern darum, wie man es in Zukunft besser machen kann. Zudem geht es im ersten Schritt darum, zuerst die Emissionen zu eliminieren, die am einfachsten einzusparen sind. Die Unternehmen nennen hier beispielhaft der konsequente Umstieg auf erneuerbare Energien, Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel, Vermeidung von Inlandsflügen. Viele kleine Dinge, die die Emissionen verringern und schnell und unproblematisch erreicht werden können. Dabei steht nicht Perfektion im Vordergrund, sondern damit anzufangen, etwas zu ändern und beweglich dabei zu bleiben, um am Ende auch höhere Hürden auf dem Weg zur Klimaneutralität überspringen zu können.

Das Ziel: klimaneutrale Produkte

Dazu werden die Unternehmen zunächst einmal ihren tatsächlichen CO2-Fußabruck bestimmen und ausloten, welche Maßnahmen einfach zu erreichen sind. Diese sollen dann schnell umgesetzt werden. Dafür geben sich die an der Aktion Beteiligten ein halbes Jahr Zeit. Innerhalb eines Jahres sollen die Emissionen noch weiter verringert werden. Gleichzeitig leisten die Unternehmen für den noch verbleibenden CO2-Ausstoß Kompensationszahlungen. Mit diesem Geld werden zertifizierte Projekte unterstützt, die nachweislich den CO2-Ausstoß in anderen Bereich vermeiden oder verringern. In der dritten Stufe streben die Unternehmen an, ihre Produkte mindestens klimafreundlicher und möglichst klimaneutral zu gestalten.

Unterschiedlich hohe Hürden

Hier stoßen natürlich die Firmen auf unterschiedlich große Herausforderungen. So ist es für ein Transportunternehmen wie Flixbus, das ebenfalls an der Aktion teilnimmt, eine größere Herausforderung, das Produkt klimaneutral zu gestalten als für eine Onlineplattform, bei der es hauptsächlich darauf ankommt, den Büroalltag klimaneutral zu gestalten und ansonsten vor allem auf Ökoenergie zu setzen. So wird Flixbus in Zukunft stärker auf alternative Antriebe setzen. Ob sich dabei die batteriegetriebene oder brennstoffzellengetriebene Busse durchsetzen werden, wird sich zeigen. Der Essenslieferdienst Delivery Hero will in Zukunft vor allem die Lieferwege verkürzen, auf abbaubare Verpackungen und auf moderne, emissionsarme oder emissionsfreie Fahrzeuge setzen. „In Österreich haben sie es geschafft, dass alle Lieferungen inzwischen klimaneutral sind“, erklärt Niklas Österberg, Geschäftsführer von Delivery Hero. „Bis Ende 2019 wollen wir das in ganz Europa erreichen.“

Mindestens 50 Euro pro Tonnen entfaltet Wirkung

„Es hilft aber nicht viel, wenn jeder von uns hier etwas tut“, sagt David Wortmann mit Blick auf die Unternehmen, die an der Aktion teilnehmen. „Denn es geht letztlich auch um Wettbewerbsfähigkeit.“ Deshalb müssen alle Unternehmen in die Pflicht genommen werden. Das funktioniere am besten mit einem CO2-Preis. Die beteiligen Unternehmen sehen eine Lenkungswirkung bei einem CO2-Preis von mindestens 50 Euro pro Tonne Emission im Jahr 2020. Dieser Preis sollte bis 2030 auf 130 Euro pro Tonne CO2 steigen. Gleichzeitig fordern die beteiligten Unternehmen den kompletten Umstieg auf erneuerbare Energien bis 2035.

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