Die größten globalen Risiken der kommenden zehn Jahre sind nicht militärisch oder wirtschaftlich, sondern ökologisch: Extremwettereignisse sowie der Verlust von Biodiversität und Ökosystemen. Das ergibt der jetzt erschienene „Global Risks Report 2026“ des Weltwirtschaftsforums, eine jährlich wiederholte weltweite Befragung von 1.300 Führungskräften und Experten aus Unternehmen, Wissenschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft.
Schäden durch Extremwetter 2025: 200 Milliarden US-Dollar
Wie schon 2025 führen Wetterextreme wie Hitzewellen, Dürren, Starkregen und Überschwemmungen die Risikoliste an. Sie nehmen begünstigt durch den Klimawandel zu und haben allein im Jahr 2025 Schäden von rund 200 Milliarden US-Dollar verursacht, schreibt die Forschungseinrichtung der KfW, KfW Research, mit Blick auf die Ergebnisse des Reports.
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Diese Phänomene hängen direkt mit der weltweiten Biodiversitätskrise zusammen, die trotz etwas geringerer Risikoeinschätzung auch 2026 das zweitgrößte Langfrist-Risiko bleibt: Nur biologisch vielfältige Ökosysteme sind resilient genug, um die für uns Menschen unverzichtbaren „Ökosystemleistungen“ dauerhaft bereitzustellen. Dazu gehören unter anderem Atemluft, Trinkwasser, fruchtbare Böden, Pflanzenbestäubung – aber eben auch die Klimaregulierung und der Schutz vor Hitzewellen und Überschwemmungen. Eine intakte, vielfältige Natur kann Extremwetter verhindern und dessen Folgen dämpfen. Doch die Vielfalt von Pflanzen, Tieren und Ökosystemen ist stark rückläufig.
Kurzfristige Risiken: Ökologie -Sorgen groß
Doch der Bericht analysiert nicht nur die langfristigen, sondern auch die unmittelbaren (2026) und kurz- bis mittelfristigen (in den nächsten zwei Jahren) Risiken. Hier verschiebt sich die Gewichtung. Zwar mit Blick auf die kommenden zwei Jahre Extremwetter (Platz 4) und Umweltverschmutzung (Platz 9) zu den schwerwiegendsten Risiken (von insgesamt 33 untersuchten). Es dominieren aber technologische und politische Risiken: Desinformation, gesellschaftliche Polarisierung – und die „geoökonomische Konfrontation“, zum Beispiel in Handelskriegen. Auf Platz fünf liegen bewaffnete Konflikte.
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Geht es um das aktuelle Jahr, verschieben sich die erwarteten Risiken weiter. Geoökonomische Konfrontationen stehen für die Befragten an erster Stelle und wurden von 18 Prozent der Befragten als das größte Risiko ausgewählt, das 2026 am ehesten eine erhebliche globale Krise auslösen könnte. An zweiter Stelle folgen staatliche bewaffnete Konflikte, die von weiteren 14 Prozent der Befragten genannt wurden. Extreme Wetterereignisse nannten acht Prozent, Platz 3.
„Der Report bietet ein Frühwarnsystem“
„Der Global Risks Report bietet ein Frühwarnsystem, da das Zeitalter des Wettbewerbs die globalen Risiken - von der geoökonomischen Konfrontation über unkontrollierte Technologie bis hin zur steigenden Verschuldung - verschärft und unsere kollektive Fähigkeit, sie zu bewältigen, verändert. Aber keines dieser Risiken muss auch eintreten", sagte Saadia Zahidi, Geschäftsführerin des Weltwirtschaftsforums. „Die in dem Bericht hervorgehobenen Herausforderungen unterstreichen sowohl das Ausmaß der potenziellen Gefahren, mit denen wir konfrontiert sind, als auch unsere gemeinsame Verantwortung, die Zukunft zu gestalten.“