Die Wärmewende entscheidet sich unter der Erde: Mit einem neuen Förderprogramm für Tiefengeothermieanlagen setzen das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, die KfW und Munich Re ein starkes Signal an Kommunen und Stadtwerke. Seit Dezember 2025 können Projektträger erstmals einen speziell zugeschnittenen KfW-Förderkredit Geothermie nutzen – inklusive Absicherung des bislang größten Hemmnisses: des Fündigkeitsrisikos bei Bohrungen.
Für Städte, Gemeinden und kommunale Energieversorger eröffnet sich damit ein neuer Handlungsspielraum, um die kommunale Wärmeversorgung klimaneutral, grundlastfähig und unabhängig von fossilen Importen aufzustellen.
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Warum diese Förderung für Kommunen ein Gamechanger ist
Tiefengeothermie gilt seit Jahren als Schlüsseltechnologie für eine verlässliche und CO₂-freie Wärmeversorgung. Doch hohe Investitionskosten und das Risiko, bei einer Bohrung nicht auf ausreichend heißes Thermalwasser zu stoßen, haben viele kommunale Projekte bislang ausgebremst. Genau hier setzt das neue Programm an.
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Das Fördermodell kombiniert zinsgünstige KfW-Darlehen mit einer staatlich flankierten Risikoabsicherung, die von Munich Re geprüft und umgesetzt wird. Damit wird ein Finanzierungsdilemma gelöst, das Kommunen bislang allein tragen mussten.
Die Eckpunkte des KfW-Förderkredits Geothermie
Das Programm richtet sich an Projekte mit Bohrungen ab 400 Metern Tiefe in Deutschland und ist Teil des Deutschlandfonds, mit dem der Bund privates Kapital für Zukunftsinvestitionen mobilisieren will. Für Kommunen besonders relevant sind die klaren und praxisnahen Konditionen:
Darlehenshöhe: bis zu 25 Millionen Euro pro Projekt
Laufzeit: maximal fünf Jahre
Zinssatz: vergünstigt gegenüber Marktkonditionen
Absicherung: Versicherung oder Teilschulderlass bei Nicht-Fündigkeit
Antrag: Unterlagen zur Vorprüfung können ab sofort eingereicht werden
Die Absicherung greift genau dort, wo das Risiko am höchsten ist: bei der eigentlichen Bohrung.
Hier finden Sie eine Meldung zu einem aktuellen Berliner Geothermie-Vorhaben.
Risikoabsicherung: Bis zu 100 Prozent Schutz möglich
Ein zentrales Novum des Programms ist die enge Verzahnung von Finanzierung und Versicherung. Munich Re prüft jedes Projekt zunächst auf Versicherbarkeit und technische Umsetzbarkeit. Nach einer positiven Vorprüfung folgt eine detaillierte Projektanalyse.
Im Erfolgsfall sichert Munich Re 30 bis 70 Prozent der Darlehenssumme ab. Für den verbleibenden, nicht versicherten Teil greift die KfW: Im Schadensfall – etwa bei fehlender Fündigkeit – wird ein Teilschulderlass zu denselben Bedingungen gewährt wie im Versicherungsvertrag. So kann der Projektträger das Darlehen faktisch vollständig absichern.
Für Kommunen bedeutet das: kalkulierbare Risiken, bessere Finanzierungschancen und deutlich geringere Belastungen für Haushalte und Gebührenzahler.
Wer kann die Förderung nutzen?
Der Förderkredit ist bewusst breit angelegt, um kommunale Kooperationen zu erleichtern: Kommunale Unternehmen und Zweckverbände, etwa Stadtwerke oder Energiegesellschaften, sofern mindestens 50 Prozent der Anteile in öffentlicher Hand liegen Interkommunale Zusammenschlüsse, bei denen jede beteiligte Kommune mindestens 25 Prozent hält Unternehmen aller Größen, wenn ein wesentlicher Teil der erzeugten Wärme in Deutschland genutzt wird Nicht antragsberechtigt sind Bund, Länder, nachgeordnete Behörden sowie Hersteller von Bohrtechnik oder -anlagen.
Planungssicherheit von der ersten Bohrung bis zum Wärmenetz
Ein weiterer Pluspunkt für Kommunen: Die KfW will den bestehenden „Investitionskredit für kommunale und soziale Unternehmen“ zeitnah erweitern. Damit kann nach einer erfolgreichen Bohrung auch der Bau der eigentlichen Geothermieanlage sowie der Anschluss an Wärme- und Stromnetze weiterfinanziert werden. So entsteht erstmals eine durchgängige Förderlogik – von der riskanten Explorationsphase bis zum laufenden Betrieb.
Kommunaler Nutzen: Klimaschutz, Preisstabilität, Souveränität
Für Städte und Gemeinden ist die Tiefengeothermie mehr als ein Klimaschutzprojekt. Sie bietet: langfristig stabile Wärmepreise lokale Wertschöpfung Versorgungssicherheit unabhängig von Energieimporten eine tragfähige Basis für Wärmenetze und industrielle Abwärmenutzung Mit dem neuen Förderprogramm sinkt die Einstiegshürde deutlich. Kommunen, die ihre Wärmeplanung vorantreiben, erhalten nun ein Instrument, das finanzielle Risiken abfedert und Investitionen beschleunigt.
Fest steht: Die neue Förderung macht Tiefengeothermie erstmals zu einer realistischen Option für viele Kommunen. Wer jetzt Projekte vorbereitet und die Vorprüfung einreicht, kann sich einen strategischen Vorsprung bei der klimaneutralen Wärmeversorgung sichern.