Springe auf Hauptinhalt Springe auf Hauptmenü Springe auf SiteSearch
Kommentar

Wie wäre es, unabhängig vom Ölpreis zu sein? 

Wie schön es wäre, wenn es nur eine Alternative zum Verbrenner gäbe. Ein alternatives Fortbewegungsmittel, mit dem man flexibel auf den Straßen unterwegs sein könnte. Eine Alternative, mit der man nicht auf die horrenden Diesel- und Benzinpreise angewiesen wäre. Ja, das wäre schön.

Mit alten Vorurteilen muss Schluss sein

Dass vollelektrische Autos diese Alternative sein können, wurde lange bezweifelt. Zu kurze Reichweiten und die große Brandgefahr werden hierbei gern als „Ich würde ja gern, aber so geht das leider nicht“-Argument verwendet. In die Entwicklung der Reichweite haben die Automobilhersteller in den letzten Jahren großen Wert gelegt. Lag die durchschnittliche Reichweite aller erhältlichen BEV-Fahrzeuge 2020 noch bei maximal 322 Kilometern, beträgt sie 2025 nun durchschnittlich 495 Kilometer. Das zeigen Daten des Marktbeobachters Deutsche Automobiltreuhand (DAT).

Ebenso gibt es nach Aussage des Gesamtverbands der Versicherer keine Untersuchung, die belegen, dass E-Autos statistisch gesehen eine höhere Brandgefahr haben als ihre benzin- oder dieselbetriebenen Pendants. Hierbei gilt eben nur, dass brennende E-Autos allerdings präsenter und ein neueres, besonderes Ereignis sind, was zu einer verzerrten Wahrnehmung bezüglich der Häufigkeit von Brandereignissen führe. Wer immer noch diese Gründe vorschiebt, der hat ganz einfach kein Interesse, sich mit dem Umstieg zu beschäftigen.

Statistiken zeigen deutlich gestiegenes Interesse

Wenn also der generelle Fortschritt nicht ausreicht, dann gibt es Krisen, die aufzeigen, wie abhängig Verbrenner, besonders in Deutschland, sind. Können Ölimporte nicht wie gewohnt verlaufen, schießen die Spritpreise in die Höhe. Ein Kostenfaktor, der dazu führt, dass sich Menschen verstärkt mit Alternativen beschäftigen. Seit Beginn des Krieges im Iran interessieren sich offenbar mehr potenzielle Autokäufer für Elektroautos. Dies bestätigen die Onlineplattformen Carwow und Meinauto.de auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa. Seit dem 28. Februar sei der Anteil der E-Auto-Konfigurationen von 55 Prozent auf bis zu 63 Prozent gestiegen. Diese Zahlen stammen noch von Anfang März. Eine noch stärkere Entwicklung kann man in der Google-Suchstatistik für das Wort „Elektroauto“ erkennen. Hier wird aktuell der höchste Wert seit April 2022 festgestellt – die ersten Monate des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine. Besonders gesucht wird hierbei nach aktuellen Förderungen und Leasingangeboten.

Ein Trend, der sich bereits in den Neuzulassungen niederschlägt. Im März wurden 70.663 vollelektrische Neuwagen zugelassen, teilte das Kraftfahrt-Bundesamt. Das waren 66,2 Prozent mehr als im selben Monat des Vorjahres. Damit überholten E-Autos in der Statistik Pkw mit Benzinmotor, deren Absatz, ebenso wie der von Dieselfahrzeugen, weiter schrumpfte.

Der richtige Moment für die Elektrifizierung  

Die Daten zeigen, dass das Interesse an Elektroautos einen neuen Schub bekommt, wenn die Bürgerinnen und Bürger mit realen Kosten an der Tanksäule konfrontiert werden. Eine Realität, die bei der Bundesregierung noch nicht vollkommen angekommen zu sein scheint. Wird zwar viel darüber diskutiert, mit welchen Maßnahmen die Menschen entlastet werden können, wird die eigentliche Ursache nicht wirklich hinterfragt. Wir stehen wieder an einem Punkt, an dem die Elektrifizierung ganz klar ihre Vorteile in der Unabhängigkeit und den Kosten zeigt. Es ist also der richtige Moment für die Bürgerinnen und Bürger sowie für die Bundesregierung, jetzt die Energiewende nicht länger vor sich herzuschieben, sondern endlich auch zu handeln.