Erneuerbare Energien bei Google bevorzugen
Regional erzeugten Ökostrom rund um die Uhr vor Ort handeln und verbrauchen: Das ist das Ziel, das die Stadtwerke Wunsiedel (SWW) mit dem „Wunsiedler Weg“ verfolgen. Mit diesem Ansatz verknüpfen die SWW Erzeuger, Speicher und Verbraucher vor Ort.
Digitale Plattform optimiert Energieflüsse
Jetzt ist das Unternehmen diesem Ziel einen Schritt näher gekommen. Denn gemeinsam mit dem Kommunalunternehmen Zukunftsenergie Nordostbayern (Zenob) haben die SWW das regionale Energieunternehmen Zenergie ins Leben gerufen. Dieses ist seit Anfang September 2026 Anteilseigner des Münchner Unternehmens Setrade. Setrade wiederum betreibt eine KI-gestützte Plattform, die für Zenergie regionale Erzeugung und Verbrauch prognostiziert, Anlagen steuert und überschüssige oder benötigte Energie an den Strommarkt bringt. Über diese digitale Plattform kann Zenergie die regionalen Erzeuger, Verbraucher und Speicher zusammenführen und deren Zusammenspiel optimieren.
Das System prognostiziert im Viertelstundentakt, wie viel Energie die Wind- und Solaranlagen in der Region erzeugen, wie hoch der Verbrauch voraussichtlich ist und welche Kapazitäten Speicher bieten. Auf dieser Grundlage entscheidet das System, wann Energie genutzt, gespeichert und an unterschiedlichen Strommärkten gehandelt werden soll oder wann fehlende Mengen beschafft werden müssen. Zur Optimierung setzt Setrade künstliche Intelligenz ein.
Netze besser auslasten
Diese Steuerung hat den Vorteil, dass die vorhandenen Netze besser ausgelastet sowie Lastspitzen und Rückspeisungen verringert werden. Damit folgt das Konzept Zenergie einem zentralen Gedanken: Dezentrale Strukturen sollen nicht gegen das Netz arbeiten, wie die SWW mitteilen. Vielmehr solle Erzeugung, Verbrauch, Speicher und Netze so intelligent miteinander verbunden werden, dass das Gesamtsystem effizienter arbeite. Dabei betrachtet die Plattform nicht nur den Stromsektor. Auch Wärme, Elektromobilität und industrielle Lasten können einbezogen werden.
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Regionaler Eigenverbrauch steigt
Dadurch steigt aber auch der Anteil des vor Ort genutzten Stroms in der Region, ohne dass die SWW selbst die dafür notwendige digitale Infrastruktur entwickeln müssen. Dies schlägt sich am Ende positiv auf die Kosten der Haushalte und Unternehmen nieder. Denn diese sollen flexiblere Angebote, planbare Energiekosten und einen höheren Anteil regional erzeugter erneuerbarer Energie bekommen. „Dezentralität schafft wirtschaftlichen Nutzen, wenn Erzeugung, Verbrauch, Speicher und Netze intelligent miteinander verbunden werden“, umreißt Marco Krasser, Geschäftsführer der SWW, das Ziel. „Wir wollen unseren Kunden nicht einfach möglichst billige Energie versprechen. Es geht vielmehr um Planbarkeit, Verlässlichkeit und langfristige Wettbewerbsfähigkeit.“
Geschäftsmodell, Partner und Beteiligungsstruktur passen zusammen
Die Architektur dafür wurde aus dem Wunsiedler Weg heraus entwickelt. „Mit Zenergie und der Beteiligung an Setrade schaffen wir nun die Voraussetzungen, diese Architektur technologisch und energiewirtschaftlich in den Markt zu bringen“, erklärt der SWW‑Chef. „Sterr-Kölln & Partner begleitet uns eng dabei, aus diesem Ansatz ein tragfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln. Dieses strategische und rechtliche Know-how hat uns den Weg zur Beteiligung deutlich vereinfacht.“
Kommunen hinken beim Solarausbau hinterher
Die SWW sehen das Geschäftsfeld eines Regionalwerks wie Zenergie auch als eine Blaupause für andere Stadtwerke und kommunale Energieversorger. Diese können die Plattform von Setrade unter eigener Marke nutzen. Kundenbeziehung, Preisgestaltung und regionale Verankerung bleiben die Hoheit der Versorger. Setrade übernimmt nur im Hintergrund Beschaffung, Vermarktung, Prognosen, Bilanzkreisführung und Abrechnung. „Für kommunale Versorger ist nicht allein die Technologie entscheidend“, weiß Heribert Sterr-Kölln von Sterr-Kölln & Partner. „Geschäftsmodell, Partner und Beteiligungsstruktur müssen zusammenpassen. Unsere Aufgabe war es, gemeinsam mit SWW und Zenergie die bereits vorhandene energiewirtschaftliche Architektur in tragfähige wirtschaftliche, rechtliche und gesellschaftsrechtliche Strukturen zu überführen“, beschreibt er die Aufgabe des Beratungsunternehmens.