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Strom nutzen statt Windräder abregeln: So sieht die Lösung aus!

Flexible Verbraucher sollen Strom aufnehmen, der wegen Netzengpässen sonst verloren ginge. Doch das bestehende Instrument wird kaum genutzt. Green Planet Energy fordert einfachere Regeln – und sieht darin eine Alternative zu neuen Risiken für Wind- und Solarprojekte.

Wenn in einer Region viel Wind- oder Solarstrom erzeugt wird, die Leitungen ihn aber nicht vollständig abtransportieren können, müssen Anlagen ihre Leistung drosseln. Zugleich könnten Speicher, Wärmepumpen oder Elektrolyseure Strom aufnehmen. Diese Nachfrage gezielt in die Engpassregion und in die betroffenen Stunden zu verlagern, ist die Idee hinter „Nutzen statt Abregeln“ nach Paragraf 13k des Energiewirtschaftsgesetzes. Überschüssiger Ökostrom soll so etwa als Wärme genutzt, in Batterien gespeichert oder zur Herstellung von Wasserstoff eingesetzt werden.

Viel ausgewiesen, fast nichts zugeteilt

Bislang klaffen Anspruch und Praxis weit auseinander. Nach einer Auswertung der Energiegenossenschaft Green Planet Energy wiesen die Übertragungsnetzbetreiber zwischen dem 1. Oktober 2024 und dem 30. September 2026 rund 8,2 Terawattstunden Strom zur möglichen Nutzung aus. Über das Instrument zugeteilt wurden lediglich 3,35 Gigawattstunden – das entspricht 0,041 Prozent der ausgewiesenen Menge. Die ausgewiesene Menge ist allerdings nicht mit tatsächlich vermiedenem Abregelungsstrom gleichzusetzen: Ob sie genutzt werden kann, hängt davon ab, ob geeignete Anlagen zur richtigen Zeit am richtigen Ort verfügbar sind.

Aus Sicht von Green Planet Energy scheitert das Konzept vor allem an seinen Teilnahmebedingungen. „Dabei scheitert das Instrument nicht an zu wenig flexiblen Stromabnehmern, sondern an zu strengen Teilnahmebedingungen, dem Ausschluss vieler bestehender Anlagen sowie an zu bürokratischen Nachweis- und Genehmigungsverfahren“, sagt Vorstand Sönke Tangermann.

Wie flexible Nachfrage helfen soll

Das Prinzip setzt am konkreten Netzengpass an: Prognostizieren die Übertragungsnetzbetreiber, dass Erzeugungsanlagen gedrosselt werden müssten, können geeignete Verbraucher in der Entlastungsregion zusätzliche Strommengen aufnehmen. Entscheidend ist, dass ihr Verbrauch in dem betreffenden Zeitraum tatsächlich zur Netzentlastung beiträgt. Eine Anlage, die ohnehin gelaufen wäre, darf nicht allein für unveränderten Verbrauch einen finanziellen Vorteil erhalten.

Seit dem 1. Oktober 2026 werden die Mengen nach einer Erprobungsphase in täglichen wettbewerblichen Ausschreibungen vergeben. Green Planet Energy bezweifelt jedoch, dass der Wechsel zum neuen Verfahren allein die geringe Beteiligung behebt. Die Genossenschaft schlägt vor, bestehende Speicher, Elektrolyseure, Großwärmepumpen und Power-to-Heat-Anlagen leichter zuzulassen. Auch ein zeitlich verschobener Stromverbrauch sollte als zusätzlicher Beitrag gelten können, wenn er den Engpass nachweislich entschärft.

Für den Nachweis schlägt das Policy Paper anlagenspezifische Referenzfahrpläne oder Verbrauchsprofile vor. Diese könnten zeigen, wie viel Strom eine Anlage ohne den Abruf voraussichtlich bezogen hätte. Zugleich sollen Messung und Abrechnung nachvollziehbar bleiben: Eine Wiedereinspeisung, die den Engpass während des kritischen Zeitraums verstärkt, soll ausgeschlossen sein. Einheitliche digitale Verfahren und einfachere Nachweise könnten die Teilnahme insbesondere für kleinere Anlagen erleichtern.

Einsparchance mit Bedingungen

Gelingt es, mehr der ausgewiesenen Mengen sinnvoll zu nutzen, könnten Kosten für die Bewirtschaftung von Netzengpässen sinken. Green Planet Energy beziffert das theoretische Einsparpotenzial für den untersuchten Zweijahreszeitraum auf rund 771 Millionen Euro, falls die Hälfte der ausgewiesenen 8,2 Terawattstunden genutzt worden wäre. Die Rechnung basiert auf durchschnittlichen Kosten von 188 Euro je Megawattstunde für die Leistungsreduktion erneuerbarer Anlagen. Sie ist keine Prognose: Tatsächliche Einsparungen hängen unter anderem davon ab, welche Maßnahmen durch zusätzliche Nachfrage wirklich entfallen und was deren Aktivierung kostet.

Die Genossenschaft stellt ihre Vorschläge auch dem geplanten Redispatchvorbehalt gegenüber. Dieser würde nach dem Kabinettsentwurf für ein Netzanschlusspaket den finanziellen Ausgleich für die Abregelung neuer Erneuerbare-Energien-Anlagen in ausgewiesenen Engpassgebieten zeitweise begrenzen. Green Planet Energy warnt, dass dadurch Investitionsrisiken steigen, ohne zusätzliche Flexibilität zu schaffen.

„Nutzen statt Abregeln“ kann Netzengpässe allerdings nicht allein lösen. Leitungen müssen weiter ausgebaut und neue Anlagen möglichst netzdienlich angeschlossen werden. Eine Reform von Paragraf 13k könnte ergänzend dort helfen, wo Engpässe dennoch auftreten: indem vorhandene Flexibilität den Strom aufnimmt, bevor Wind- und Solaranlagen gedrosselt werden müssen.