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Hermeskeil verbindet Windstrom und Wärmenetz

Die Verbandsgemeinde Hermeskeil im Landkreis Trier-Saarburg hat rund 15.000 Einwohner und erstreckt sich über 146 Quadratkilometer. Windräder, Photovoltaikanlagen und eine Biogasanlage prägen ihre Energieversorgung. Insgesamt erzeugt die Verbandsgemeinde nach eigenen Angaben mehr als dreimal so viel Strom aus erneuerbaren Quellen, wie vor Ort verbraucht wird. Klimaneutral ist Hermeskeil damit nicht: Vor allem im Verkehr und bei der Wärmeversorgung besteht weiter Handlungsbedarf.

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Eine Grundlage für die nächsten Schritte ist das integrierte Klimaschutzkonzept, das die Verbandsgemeinde im März 2023 veröffentlicht hat. Es war das erste einer Kommune im Landkreis Trier-Saarburg. Daneben setzt Hermeskeil auf kleinere Maßnahmen: Ein kostenloser elektrischer Bürgerbus soll insbesondere älteren und mobilitätseingeschränkten Menschen eine Alternative zum Auto bieten. Auf den Verkehr entfallen nach Angaben der Kommune 58 Prozent ihrer CO₂-Emissionen.

Windkraft bringt Einnahmen in die Orte

Auf dem Gebiet der Verbandsgemeinde stehen 37 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von mehr als 100 Megawatt. Die ersten gingen bereits 2002 ans Netz; bei älteren Anlagen wird deshalb auch das Repowering zum Thema. Wie Windkraft mit regionaler Wertschöpfung verbunden werden kann, zeigt der 2023 errichtete Windpark Bescheid Süd. Seine vier Anlagen leisten zusammen knapp 17 Megawatt und sollen jährlich etwa 48 Millionen Kilowattstunden erzeugen. Das entspricht ungefähr dem Stromverbrauch der gesamten Verbandsgemeinde im Jahr 2023.

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Der Strom wird an Industrieunternehmen in der Region Trier geliefert. Die Ortsgemeinde Bescheid erhält Pachteinnahmen; über einen Solidarvertrag fließt ein Teil der Erlöse auch an Ortsgemeinden ohne Windräder. Hinter dem Projekt stehen die Stadtwerke Trier, zwei regionale Banken und ein lokales Unternehmen. Bürgerinnen und Bürger konnten sich über Nachrangdarlehen beteiligen. Dieses Modell verteilt Chancen und Einnahmen breiter, ersetzt aber nicht die Prüfung der finanziellen Risiken einer solchen Anlageform.

Solarstrom und Biogas ergänzen sich

Neben der Windkraft sind in Hermeskeil Photovoltaikanlagen mit mehr als 30 Megawatt Peak installiert, überwiegend auf privaten Dächern. Ein weiteres Vorhaben ist die geplante Agri-PV-Anlage „Energie Alm Hochwald“: Auf 13 bis 14 Hektar sollen aufgeständerte Module Strom liefern, während darunter Rinder weiden können. Ob und wann das Projekt umgesetzt wird, ist der vorliegenden Darstellung nicht zu entnehmen.

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Der landwirtschaftliche Betrieb liefert zugleich Gülle und Mist für eine Biogasanlage, die seit 2011 Strom erzeugt. Seit 2014 versorgt sie über ein Nahwärmenetz unter anderem Rathaus, Schulzentrum und Schwimmbad. Im Winter ergänzt eine Holzhackschnitzelanlage die Wärmeerzeugung. Am Netz sind neben dem Anlagenbetreiber auch der Landkreis, die Verbandsgemeinde und ein Energieunternehmen beteiligt.

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Die privaten Haushalte bindet Hermeskeil außerdem über ein kommunales Förderprogramm ein. Seit dessen Start im März 2024 wurden nach Angaben der Kommune mehr als 940 Anträge bewilligt, unter anderem für Balkonsolaranlagen, Batteriespeicher und sparsamere Haushaltsgeräte. Zuschüssen von 188.000 Euro steht demnach ein ausgelöstes Investitionsvolumen von 1,1 Millionen Euro gegenüber. Die Kommune beziffert die mögliche jährliche CO₂-Einsparung auf 285 Tonnen.

Die Wärmewende ist die nächste Aufgabe

Wie groß der verbleibende Handlungsbedarf ist, zeigt die Anfang 2026 abgeschlossene kommunale Wärmeplanung. Von rund 5.200 Wärmeerzeugungsanlagen wurden 2024 etwa 82 Prozent mit fossilen Energieträgern betrieben, besonders häufig mit Heizöl. Die Planung identifiziert mehr als 1.200 potenzielle Anschlüsse für ein erweitertes oder neues Wärmenetz.

Dafür könnte bislang ungenutzte Wärme aus der Biogasanlage eingesetzt werden: Nach Angaben der Beteiligten werden derzeit rund 40 Prozent ihrer Abwärme nicht verwendet. Zugleich soll die Anlage künftig flexibler Strom erzeugen, insbesondere wenn Wind- und Solarstrom knapp sind. Ob sich die dafür nötigen Investitionen rechnen, hängt auch von zusätzlichen Einnahmen durch den Wärmeverkauf ab.

Eine anstehende Sanierung der Fußgängerzone in Hermeskeil bietet Gelegenheit, Wärmeleitungen gemeinsam mit neuen Wasserleitungen zu verlegen. Für den Netzausbau ist Bundesförderung vorgesehen; der Bewilligungsbescheid steht laut der vorliegenden Projektbeschreibung noch aus. Damit ist das Vorhaben geplant, aber noch nicht gesichert.

Für andere Kommunen liegt das Beispiel weniger in einer einzelnen Technik als in der Verknüpfung mehrerer Aufgaben: Windkrafterlöse werden zwischen Orten geteilt, landwirtschaftliche Reststoffe für Strom und Wärme genutzt und der Wärmenetzausbau mit ohnehin anstehenden Tiefbauarbeiten abgestimmt. Hermeskeil zeigt zugleich die Grenze des bisher Erreichten: Ein Überschuss an erneuerbarem Strom allein ersetzt noch keine fossilen Heizungen.