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Stadtwerke

Rekordjahr bei Mannheimer Energieversorger dank Erneuerbaren

MVV-Energie-Vorstandschef Georg Müller nahm zur digital veranstalteten Bilanzpressekonferenz am Dienstag die Präsentation des besten Unternehmensergebnisses der Firmengeschichte zum Anlass, um für die 2020-er Jahre einen konsequenten Auf- und Umbau von Anlagen und Infrastruktur zur Energiewende in Aussicht zu stellen. Es komme jetzt auf Taten an, sagte Müller. Praktisches Handeln sei damit die Aufgabe „dieser Dekade“.

Schon im Oktober hatte MVV Energie angekündigt, bis 2040 eine klimaneutrale Energieversorgung erreichen zu wollen und nach 2040 sogar klimapositiv zu werden sowie der Atmosphäre dann Treibhausgase zu entziehen. Bis 2030 wolle MVV Energie dahin gekommen sein, dass das Unternehmen mit seinen Erzeugungsaktivitäten 80 Prozent weniger Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) emittiere als 2018. Im November hatte die europaweite Klimaschutzinitiative Science Based Targets Initiative (SBTI) für Unternehmen dem Mannheimer Versorger attestiert, dass dessen Klimaschutzziele im Einklang mit dem 1,5-Grad-Ziel des weltweiten Pariser Klimaschutzabkommens von 2015 stehe. Es sieht vor, die menschengemachte Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. MVV sei damit das erste Energieunternehmen, dass eine Bestätigung seines Energiewendekonzeptes durch SBTI erhalten habe, sagte Müller am Dienstag.

Dabei sieht sich Müller durch das vergangene MVV-Energie-Bilanzjahr von Oktober 2020 bis September 2021 „mit dem besten Ergebnis der Unternehmensgeschichte“ in dem Kurs bestätigt. Der bereinigte Gewinn aus dem operativen Geschäft vor Abführung von Zinsen und Steuern betrug 278 Millionen und damit 19 Prozent mehr als im Vorjahr mit 233 Millionen und ebenfalls mehr als im Bilanzjahr 2007/2008 mit einem bilanzierten Zwischenhoch von 249 Millionen Euro. Auch die Umsätze des Konzerns nahmen mit 4,131 Milliarden Euro wieder stark zu, um 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Sie sprangen damit erstmals nach dem Bilanzjahr 2012/2013 wieder über die Vier-Milliarden-Euromarke. Der Zuwachs komme vor allem „aus Mengen- und Preiseffekten bei Strom und Gas“, sagte Müller.

Die guten Zahlen brachte Müller aber auch vorwiegend mit der guten Entwicklung des Erneuerbare-Energien-Geschäftes in Verbindung. Getragen worden sei die gute Entwicklung „durch die Projektentwicklung bei den 100-prozentigen MVV-Töchtern Juwi und Windwärts, die gegenüber dem Vorjahr kühlere Witterung, die Preisentwicklung an den Energiemärkten sowie die Vollkonsolidierung neu erworbener Unternehmen“. Der Erneuerbarenbereich habe sich „besonders erfreulich“ entwickelt. Demnach erzielte Unternehmenstochter Windwärts aus Hannover sogar „das beste Ergebnis seiner Firmengeschichte“. Sowohl das Windparks entwickelnde Windwärts als auch die Photovoltaik- und Windkraftprojekte vorantreibende Tochtergesellschaft Juwi hätten mit dem Abschluss von Projektentwicklungen eines großen Volumens für 610 Megawatt (MW) Erzeugungskapazität zu den guten Zahlen beigetragen. Zudem erhöhten die Erneuerbare-Energien-Töchter die Kapazitäten der durch ihre Betriebsführungssparte betreuten Erneuerbaren-Parks um noch einmal 82 MW auf 3.811 MW. Windwärts und Juwi waren beide noch jeweils 2014 als damals eigenständige Erneuerbare-Energien-Unternehmen in die Insolvenz gerutscht (Windwärts) oder zumindest in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten (Juwi). Noch 2014 hatte der Mannheimer Versorger beide Unternehmen übernommen.

Auch die nächsten größeren Fertigstellungen von Erneuerbaren-Energien-Anlagenparks der beiden Unternehmenstöchter stehen bevor. Nun wird Juwi im Frühjahr 2022 in der nordgriechischen Region Kozani einen 204 MW leistenden Photovoltaikpark dem Käuferunternehmen Hellenic Petroleum übergeben, einen der größten Photovoltaikparks Europas. Ebenfalls Anfang 2022 übergibt Juwi an den Investor CEE Group auch das erste gemäß Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vergütete Projekt, das Windturbinen mit einem angegliederten Batteriespeicher kombiniert. Das in der sogenannten EEG-Innovationsausschreibung bezuschlagte Hybridprojekt Randowtal, 100 Kilometer nordöstlich von Berlin, soll eine stetigere Einspeisung des Windstroms durch Einspeichern von Erzeugungsspitzen in die Batterie und Ausspeichern von Batteriestrom bei Einspeiseflaute erreichen. Die MVV-Energie-Handelssparte MVV Trading nimmt diesen Strom ab, abgesichert durch einen langfristigen Abnahmevertrag. Und die als GmbH firmierende MVV-Erneuerbare-Energien-Sparte MVV Umwelt wird kommendes Jahr im sachsen-anhaltinischen Bernburg eine Biogasanlage in Betrieb nehmen – zur jährlichen Verwertung von mehr als 33.000 Tonnen Biomasse und für eine Erzeugung von jährlich 21 Gigawattstunden Biomethan. Das Bioerdgas soll in das Erdgasnetz der projektbeteiligten Stadtwerke Bernburg fließen. Und im Frühjahr 2023 soll der japanische Juwi-Solarpark Azuma Kofuji mit 100 MW in Betrieb gehen.

Den Ausbau der Erneuerbare-Energien-Anlagen in Eigenbetrieb verfolgt das Unternehmen weiterhin gemäß dem 2016 veröffentlichten Zehnjahresplan. Demnach muss MVV Energie die Erzeugungskapazität aus Windkraft, PV und Co bis 2026 auf 800 MW verdoppeln. Im nun bilanzierten Geschäftsjahr hatte MVV Energie die Inbetriebnahme je eines Windparks in Schleswig-Holstein und in Mecklenburg-Vorpommern mit zusammen knapp 30 MW verzeichnet sowie im Juni die erste Übernahme einer PV-Freiflächenanlage. Die eigenen Stromerzeugungskapazitäten mittels erneuerbarer Energiequellen erhöhten sich somit um 33 auf 564 MW.

Auch für die bei MVV Energie sogenannte „eigene Energiewende“ hat der kommunale Versorgungskonzern einiges angeschoben. Dieser von Stadtwerken allgemein in Deutschland zunehmend betreute Dienstleistungsbereich zielt darauf ab, die Energiewende der eigenen Kunden mit Beratungen, Technologien, Infrastruktur und Informationen oder digitalem Verrechnungsservice zu unterstützen. Die MVV Energie AG gehört zu 51 Prozent noch der Stadt Mannheim und besitzt selbst Anteile an acht weiteren Stadtwerken in ganz Deutschland. Neue Infrastruktur für ein intelligentes datengesteuertes Verkehrssystem, Schnellladesäulen für Elektroautos, Wärmepumpen- und Holzpellet-Heizungsausstattungen von Kunden gehören hierzu ebenso wie der Ausbau von PV-Dächern auf Mannheimer Privatwohnhäusern. Hierzu hatte MVV Energie im Dezember auch die Übernahme des Aufdachanlagen-Unternehmens Avantag Energy bekannt gegeben. Das Unternehmen stattet Gewerbedächer mit PV-Anlagen von 100 bis 4.000 Kilowatt Leistung aus. Es ergänze das PV-Angebot von MVV Energie damit perfekt, sagte Müller am Dienstag.

Auch die aktuell stattfindende Umrüstung der Dampfversorgung des Kakaoproduzenten Olam in Mannheim von der jetzigen Gasbefeuerung auf eine Verbrennung von Kakaoschalen gehört hierzu. Mit der Verwertung des Vor- oder Abfallprodukts aus der Kakaofertigung kann der Kakaohersteller seine jährlichen Emissionen um 8.000 Tonnen jährlich senken.

Größtes zusammenhängendes Vorhaben der Mannheimer aber ist die Umstellung der Fernwärme auf Erneuerbare-Energien-Anlagen. Derzeit gilt nur ein Drittel der Wärmezufuhr der Fernwärmeversorgung als klimaneutral, wofür die Wärme aus einer Thermischen Abfallbehandlungsanlage in Mannheim sorgt. Nach Zubau einer Flusswärmepumpe, einer Klärschlammverwertung und einer Biomasseanlage soll die Fernwärme 2024 zu zwei Dritteln klimaneutral sein. Und sieben weitere Infrastrukturprojekte sieht die MVV-Energie-Planung vor, damit die Fernwärme bis 2030 vollständig klimaneutral erfolgt.

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