100 Milliarden Kilowattstunden haben die europäischen Solaranlagen schon Mitte Oktober produziert. Foto: Energa SA
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Kommentar

EU erreicht 100 Terawattstunden Solarstrom so früh wie noch nie

In diesem Jahr haben die Solaranlagen der EU schon Mitte Oktober 100 Terawattstunden erzeugt. Für den Erfolg der Energiewende reicht das nicht aus.

Inhaltsverzeichnis

von Sven Ullrich

Die Länder der Europäischen Union haben in diesem Jahr schon die Marke von 100 Milliarden Kilowattstunden Solarstromerzeugung geknackt. Im vergangenen Jahr wurde dieser Punkt erst über einen Monat später – am 21. November 2017 – erreicht. Seit Jahresbeginn bis heute beträgt die Solarstromerzeugung in den Ländern der EU 101,549 Milliarden Kilowattstunden. So früh war die Photovoltaik in der EU noch nie dran. Im vergangenen Jahr haben die Solaranlagen in Europa bis zum 18. Oktober 94,485 Kilowattstunden Strom erzeugt. Das teilt das Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) auf der Basis einer Auswertung der Daten der europäischen Übertragungsnetzbetreiber mit.

Nach einer Hochrechnung des IWR wird die Stromerzeugung aus Solarkraftwerken in den Mitgliedsstaaten der EU im Jahr 2018 voraussichtlich auf etwa 113 Milliarden Kilowattstunden steigen. 2017 lag der Jahresertrag bei etwa 104 Milliarden Kilowattstunden.

Die EU hinkt hinter der Möglichkeiten her

Das ist ein riesiger Erfolg für die Photovoltaik und würde rein rechnerisch ausreichen, um Griechenland und Portugal ein Jahr lang mit Solarstrom zu versorgen. Das schöne Wetter des langen Sommers in diesem Jahr hat auch europaweit seine Spuren hinterlassen. Doch klar ist auch, dass das längst nicht ausreicht, um die Energiewende zum Erfolg zu führen. Diesen Punkt müssen die europäischen Länder viel früher erreichen, wollen sie die Stromerzeugung irgendwann einmal komplett auf erneuerbare Energien umstellen. Schließlich spielt nicht nur das Wetter eine Rolle, sondern auch die Leistung, mit der die Energie der Sonne eingefangen und in Strom umgewandelt wird.

Da hinkt die EU weit hinter ihren Möglichkeiten hinterher. Die meisten Regierungen in den europäischen Hauptstädten bremsen den Zubau der Photovoltaik aus, wo es nur immer geht. Europa lebt sozusagen von der Substanz. Denn seit 2011 sinken die Investitionen in die erneuerbaren Energien in Europa von dereinst 137,8 Milliarden US-Dollar auf 57,4 Milliarden US-Dollar im Jahr 2017 immer weiter, während sie weltweit gestiegen sind oder zumindest stagnieren. Letzteres liegt vor allem an den sinkenden Investitionskosten für die Anlagentechnik. Damit lassen sich die extrem rückläufigen Investitionssummen in Europa nicht erklären.

Deutschland führt das Feld an

So liest sich das bisherige Jahresergebnis auch wie das Who-is-who der früheren Photovoltaik-Ausbauländer. Deutschland liegt mit 38,1 Milliarden Kilowattstunden immer noch vorn, gefolgt von Italien mit 15,6 Milliarden Kilowattstunden. Auf dem dritten Platz rangiert Spanien mit 10,7 Milliarden Kilowattstunden knapp vor Großbritannien mit 10,2 Milliarden Kilowattstunden. Frankreich liegt mit 8,7 Milliarden Kilowattstunden auf Platz Fünf. Die nächsten Ränge sind schon weiter abgeschlagen. Die Solaranlagen in Belgien produzierten bis heute seit Anfang dieses Jahres 3,2 Milliarden Kilowattstunden Strom und in Griechenland flossen bisher im Laufe des Jahres 2,9 Milliarden Kilowattstunden Solarstrom ins Netz.

Sicherlich muss man hier auch einrechnen, dass die Länder unterschiedlich groß sind und auch die Bevölkerung sehr unterschiedlich ist. Rechnet man die Solarstromerzeugung auf die Bevölkerung, sieht die Sache schon ganz anders aus. Zwar liegt Deutschland mit 465 Kilowattstunden pro Kopf der Bevölkerung immer noch vorn. Doch Belgien landet dann auf dem zweiten Platz mit 283 Kilowattstunden pro Einwohner, vor Griechenland, wo die Solarstromproduktion in diesem Jahr immerhin bei 259 Kilowattstunden pro Kopf der Bevölkerung liegt. Italien und Spanien folgen auf den weiteren Plätzen. Abgeschlagen ist hier Großbritannien und Frankreich.

EU verfehlt ihre Ziele

Die Zahlen zeigen aber auch, dass der Anteil der Solarstromproduktion in den europäischen Ländern noch marginal ist und keines der führenden Länder – mit Ausnahme Italiens – hat bisher sein Ziel für die Umstellung der gesamten Energieversorgung auf erneuerbare Energien für 2020 erreicht. So wird auch die EU ihr Ziel verfehlen, bis 2020 den Anteil der erneuerbaren Energien beim Bruttoenergieverbrauch auf 20 Prozent hochzutreiben, was ohnehin schon mager ist. Da müssen die europäischen Regierungen noch mehr als eine Schippe drauflegen, wonach es aber angesichts der nur zögerlichen Bewegungen in den europäischen Hauptstädten in Richtung Energiewende bisher nicht aussieht.

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