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Atomausstieg

Falscher Weg: Rolle rückwärts bei Atomkraft fürs Klima

In einem Gastbeitrag in der Wochenzeitung Die Zeit plädieren die Autoren für eine Verlängerung der Atomkraftwerks-Laufzeiten, um CO2 zu sparen. Warum?

Inhaltsverzeichnis

Nicole Weinhold

In einem Gastbeitrag haben Rainer Moormann und Anna Veronika Wendland gerade in de Wochenzeitung Die Zeit erklärt, dass ein Stopp des Atomausstiegs die Lösung für unser Klimaproblem wäre. "Die sechs letzten deutschen Kernkraftwerke erzeugen mit ihren insgesamt rund 8.500 Megawatt Brutto-Nennleistung so viel Strom wie der gesamte Park an Braunkohlekraftwerken Nordrhein-Westfalens", schreiben die Autoren. Es mache keinen Sinn, die besonders klimaschädlichen Braunkohlekraftwerke weiterlaufen zu lassen und Kernkraftwerke stillzulegen. Umgekehrt sei es richtig: "Den Atomausstieg vorläufig zu stoppen würde die deutschen CO₂-Gesamtemissionen deutlich senken, wir schätzen, um etwa zehn Prozent."

Die Autoren kennen sich mit Atomkraft aus

Die Autoren kennen sich aus mit Atomkraft: Rainer Moormann arbeitete als physikalischer Chemiker am Forschungszentrum Jülich. Für seine Warnungen vor den Risiken von Kugelhaufenreaktoren erhielt er 2011 den deutschen Whistleblower-Preis. Anna Veronika Wendland arbeitet am Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung in Marburg. Sie forscht zur Geschichte der Nukleartechnik. Ihr Einschätzung mag also richtig sein. Aber offensichtlich hatten sie bei ihrem Gastbeitrag keine ganzheitliche Sicht auf die Dinge. Entweder fehlt sie ihnen einfach, oder sie sollte das Thema vor dieser Seite darstellen oder sie haben selbst ein Interesse daran, eine Lanze für die Atomkraft zu brechen.

Zur Erinnerung: Die Abkehr von der Atomkraft in vielen demokratischen Ländern hatte ihren Auslöser mit dem Reaktorunfall von Fukushima in Japan. Nach groß angelegten Demonstrationen hatte auch die Bundesregierung erkannt, dass sie dem Wunsch des größten Teils der Bevölkerung nachkommen und aus der Atomkraft aussteigen muss, wenn sie ihre Wähler nicht verärgern will.

Zehn Prozent weniger CO2 mit Erneuerbaren

Die 8.500 Megawatt oder zehn Prozent weniger CO2 ließen sich derweil sehr einfach ohne Atomkraft und ohne Kohle erreichen. Dafür müsste die Politik lediglich den Fuß von der Bremse nehmen beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Unter Umweltverbänden ist das schon fast so etwas wie eine Binsenweisheit. Erneuerbare versorgen Deutschland längst zum größten Teil. Und das, obwohl der Ausbau der Windkraft eingebrochen ist, weil die Politik nicht die richtigen Weichen stellt. Und obwohl die Solarenergie bis vor ein paar Wochen nicht wusste, wie es für sie weiter geht, weil die Regierung den Solardeckel nicht heben wollte.

Zahlreiche Studie besagen, dass es ein Leichtes wäre, schnell CO2 einzusparen und deutlich früher aus der Kohle auszusteigen - ohne Atomkraft. Die Bundesregierung müsste allerdings aus der Tatenlosigkeit ihres Dornröschenschlafs erwachen und einige Aufgaben endlich erledigen. Allein ein echter CO2-Preis würde zahlreiche Probleme lösen.

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