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Foto: Dark Sky
Bedarfsgesteuerte Nachtkennzeichnung im Test: kein Flugzeug – Licht aus; Flugzeug – Licht an

BNK

Freiwillig Lichtverschmutzung beendet

Zwei Windparks lassen nachts ab sofort nur noch in seltenen Bedarfsfällen ihre Warnlichter blinken. Die bedarfsgesteuerte Beleuchtung wird nun normal.

Zuerst stellten die Nachtleuchten auf den 15 Turbinen im uckermärkischen Windfeld „Kleisthöhe“ ihr nächtliches Blinken ein, als sie am Montag der letzten Februarwoche in den Modus der sogenannten bedarfsgesteuerten Nachtkennzeichnung (BNK) wechselten. Am Freitagabend ließ auch der Bürgerwindpark Neuengörs-Weede mit sechs Turbinen im Südosten Schleswig-Holsteins das Licht aus. In beiden Fällen waren davor noch jeweils die ersten Behördengenehmigungen für einen solchen Betrieb eingegangen, der die optische Belästigung von Anwohnern reduzieren soll.

Damit sind nun zwei neue BNK-Technologien für einen Dauereinsatz in einem Windpark gestartet. So hat das Kleisthöhe betreibende Unternehmen Enertrag zwei Radare aufgestellt, die künftig sich nähernde Flugzeuge aufspüren und dann das Signal zum Blinken an die Windturbinen senden. Die Bürgerwindgesellschaft in den westlich von Lübeck gelegenen Ortschaften Neuengörs und Weede setzt dagegen auf den Empfang von Transpondersignalen der Flugzeuge.

Radar für großes Windfeld in der Uckermark

Die zwei Radarsensoren in der Uckermark überwachen eine Fläche größer als 1.000 Quadratkilometer auf möglicherweise eindringenden Flugverkehr. Lieferant des BNK-Systems ist das von Enertrag ausgegründete BNK-Technologie-Entwicklungsunternehmen Dark Sky. Die Radare stehen in den zwei 5 und 30 Kilometer Luftlinie entfernten brandenburgischen Dörfern Sommersdorf und Steinfurth. Enertrag und Dark Sky hatten die beiden Radarmasten bereits 2019 errichtet und insgesamt 165 Windenergieanlagen im größeren Umkreis an das Radarsystem angeschlossen. Im vergangenen Sommer 2020 hatten die Entwickler die Testflüge und die Prüfungen der Deutschen Flugsicherung (DSF) erfolgreich abgeschlossen. Das sogenannte zentrale Radarsystem nutzt die in der Uckermark verlegte schnelle Glasfaserkabel-Datenverbindung, um die Kommunikation zu den Anlagen und zwischen diesen über die exakten Flugbewegungen zu gewährleisten. Das jetzt gezeigte grüne Licht für die BNK im 37,5-Megawatt-Windpark Kleisthöhe und dessen Windenergieanlagen vom Typ GE 2.5-100 mit jeweils 100 Meter Rotordurchmesser ist die erste Genehmigung für dieses System. Die Genehmigung für die weiteren getesteten 150 Turbinen werde bald folgen, teilte Enertrag mit. Das Unternehmen betreibt viele Windparks in dieser Region und will noch 121 weitere Windenergieanlagen in einem Testflug der DFS qualifizieren lassen und in die Überwachung der beiden Radare zusätzlich einbeziehen. Die Radare seien technisch sogar in der Lage, insgesamt 400 Windenergieanlagen für die BNK einzubeziehen.

Allerdings wird Dark Sky erklärtermaßen künftig auf die Transponder-BNK setzen. Diese wurde bei der Einführung der gesetzlichen Pflicht zur Umstellung auf BNK im Jahr 2018 zum bevorzugten System. Außerdem geht Dark Sky nun davon aus, dass ähnlich große Sammelprojekte wie das von Enertrag rings um die beiden Radarmasten organisierte Projekt „Dark Sky Uckermark“ künftig kaum noch irgendwo anders in Deutschland organisierbar seien. „Die jetzt einsetzbare Transpondertechnik und die BNK-Verpflichtung haben das Marktumfeld verändert. Es wird mehr Wert auf schnelle und problemlose Umsetzung als auf eine möglichst breite Abstimmung gelegt“, sagte Dark-Sky-Geschäftsführer Thomas Herrholz bei der Bekanntgabe der BNK-Inbetriebnahme für den Windpark Kleisthöhe. Dark Sky vermarktet deshalb nun dezentrale Transponder, die für den Einsatz in kleinen Einzel-Windparks oder gar in verstreuten einzelnen Windenergieanlagen viel preisgünstiger sind – schon alleine, weil sie keine großräumige Vernetzung durch Kommunikationstechnologie und Glasfaserdaten benötigen. Für Großprojekte wie Dark Sky Uckermark dürfte hingegen das Radarsystem am günstigsten sein, weil die Kosten der Ausrüstung sich auf eine sehr hohe Anzahl von Windenergieanlagen verteilen – und umgekehrt keine Einzelkosten für die einzelne Turbine anfallen.

Transpondersystem im Bürgerwindpark bei Lübeck

Im Bürgerwindpark Neuengörs-Weede ist so ein Transpondersystem nun in Betrieb. Lieferant des Systems ist das Unternehmen Lanthan Safe Sky. Dieses hat die dortigen sechs Anlagen vom 3,4-Megawatt-Typ Senvion 3.4M114 mit 114 Meter Rotordurchmesser in Abstimmung mit dem zuständigen Windturbinen-Wartungsdienst von Siemens Gamesa bereits Anfang Oktober 2020 mit den Systemen ausgerüstet und startklar gemacht. Allerdings ließen sich die Genehmiger seither noch ein paar Monate Zeit. Am Freitag feierten Ausrüster und Bürgerwindparkbetreiber nun die „Weltpremiere“ für ein transponderbasiertes BNK-System.

„Wir hatten den lokalen Gemeinden eine sehr zügige Umsetzung versprochen. Und so freuen wir uns sehr, dass das Projekt nun abgeschlossen und noch dazu eine Weltpremiere ist“, sagte Eike Schuldt, der Geschäftsführer des Bürgerwindparks. Zielrichtung des BNK-Pflichtbetriebs ist es, die Akzeptanz der Nachbarschaft rings um Windparks zu erhöhen, indem von den Turbinenfeldern künftig keine die Anwohner störenden nächtlichen Lichtsignale ausgehen. Das Gesetz von 2018 hatte allerdings die Umstellung aller Windparks schon bis zum 30. Juni 2020 vorgesehen. Im Oktober 2019 und noch einmal Anfang November 2020 hatte die Bundesnetzagentur die Frist jeweils noch einmal verlängert. Nun müssen die Betreiber von Windparks an Land erst bis Ende 2022 umgestellt haben. Die Betreiber des Bürgerwindparks Neuengörs-Weede – 12 ortsansässige Landwirte beziehungsweise 90 mit Eigenkapitalanlagen als Kommanditisten beteiligte Bürger beider Orte – hatten sich hingegen freiwillig für die frühere Umrüstung entschieden.

Das transpondergestützte System soll das nächtliche Blinken sogar in Flughafennähe um mehr als 98 Prozent reduzieren, an vielen Standorten faktisch sogar komplett einstellen. Lanthan Safe Sky habe bereits Aufträge zur Ausrüstung von mehr als 3.000 Windenergieanlagen erhalten. 100 Ausrüstungsprojekte befänden sich „bereits in der Umsetzung“, teilte das Unternehmen mit.

Weitere Technologien

Schon länger nachts auf dunkel geschaltet sind aber Windparks, die der Ausrüster Parasol seit Zulassung seines BNK-Systems im Jahr 2018 umschaltet. Das Unternehmen gehört zum Erneuerbare-Energien-Unternehmen Dirkshof an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste. Das Parasol-System nutzt passiv ohnehin in der Luft vorhandene Radio- und Fernseh- oder Mobilfunkwellen, um Flugzeugbewegungen wahrzunehmen und die roten Positionsleuchten der Windräder nachts nur noch bei Bedarf anzuschalten. Obwohl das Gesetz die transpondergestützten Systeme künftig bevorzugt, können die freiwillig sich früher aufs BNK umstellenden Betreiber des Parasolsystems sich noch auf eine Übergangsregelung im Gesetz stützen. Dieses System ist bereits durch eine frühere BNK-Verordnung zugelassen.

Weitere Anbieter wie Protea Tech und Deutsche Windtechnik stehen mit eigenen Systemen ebenfalls in den Startlöchern. So bietet auch Protea Tech ein transpondergestütztes BNK an. Dessen Besonderheit ist eine zentrale und intelligente Verarbeitung aller von den Transponderempfängern aufgenommenen Flugzeugdaten durch Protea Tech, dessen Spezialisten daraus Flugbewegungen im dreidimensionalen Flugraum ermitteln. So müssen nur wenige Turbinen pro Windpark einen eigenen Empfänger erhalten. Bei guter Ausstattung der Region mit Protea-Tech-Systemen ist vielleicht sogar gar kein Empfänger notwendig. Ein Netzwerk von Rechnern genannt Server-Farm schickt die Daten im Kreis und an zentrale Datenempfangsboxen in jedem Windpark. Deutsche Windtechnik wiederum setzt darauf, mit einer BNK-Schnittstelle die vielfältig von Leuchtfeuer- oder von Kommunikationstechnologie-Zulieferern schon in Windparks eingebauten Technologien zu nutzen.

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