Adrian Willig (IWO), Hans-Detlef Feddersen (Bürger-Windpark Lübke-Koog), Minister Jan Philipp Albrecht, Bürgermeister Christian Nissen und Stephan Frense (ARGE Netz) (von links).
Foto: WuW/IWO

Adieu Einspeisemanagement

Lübke-Koog startet Modellregion Wind und Wärme

Überschüssiger Windstrom heizt Gebäude: 13 Häuser, 30 Windenergieanlagen und ein virtuelles Kraftwerk zeigen, wie Power-to-Heat funktionieren kann.

Katharina Wolf

Der Wind weht kräftig, aber die Windturbinen an Schleswig-Holsteins stürmischer Westküste laufen nur im Trudelbetrieb. Leider ist das keine Ausnahmefall, sondern für Windmüller Alltag: Wenn mehr Strom produziert als verbraucht wird, können die überregionalen Übertragungsnetze diesen nicht immer aufnehmen. Die Folge sind Abregelungen, auch Einspeisemanagement genannt. Dafür werden Windenergieanlagen aus dem Wind gedreht, obwohl sie Strom produzieren könnten.

Vier Projektpartner starten Modellregion

In der Gemeinde Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog im Kreis Nordfriesland soll dieses Problem jetzt im Kleinen gelöst werden. In der bundesweit einmaligen Wind-und-Wärme-Modellregion wird die ansonsten ungenutzte Energie gleich vor Ort zur Wärmeversorgung der Häuser genutzt. Dafür wurden in 13 Gebäuden effiziente Öl-Hybridheizungen mit einem virtuellen Kraftwerk verbunden.

Ins Leben gerufen wurde die Wind-und-Wärme-Modellregion von der Arge Netz aus Husum, dem Bürger-Windpark Lübke-Koog Infrastruktur, der Gemeinde Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog und dem Hamburger Institut für Wärme und Oeltechnik (IWO).

Die installierten Hybridheizsysteme können Wärme wahlweise mit Heizöl oder Windstrom erzeugen. Dazu wurden in die Wärmespeicher der Heizungsanlagen elektrische Wärmeerzeuger eingebaut, die über ein virtuelles Kraftwerk, das Erneuerbare-Energien-Kraftwerk der Arge Netz, in Echtzeit ferngesteuert werden. „Durch die Einbindung des ansonsten abgeregelten Windstroms muss weniger Heizöl eingesetzt werden, um das Wasser im Heizsystem auf die gewünschte Temperatur zu erhitzen“, berichtet Hans-Detlef Feddersen vom Bürger-Windpark Lübke-Koog.

Begleitforschung läuft zwölf Monate

Wie hoch die Einsparungen sind, wird nun in den nächsten zwölf Monaten gemessen. Dank des hybriden Aufbaus der Heizungen ist es möglich, ganz gezielt ausschließlich ansonsten abgeregelten Windstrom zur Wärmeerzeugung zu nutzen. Ist dieser nicht verfügbar, übernimmt die Öl-Brennwertheizung. Um weitere Potenziale zur Einsparung von Treibhausgasemissionen zu überprüfen, hat das IWO im Rahmen der Modellregion auch einen erneuerbaren Energieträger aus Reststoffen zum Einsatz gebracht, der dem klassischen Heizöl einfach beigemischt wurde.

Der Lübke-Koog, direkt am Hindenburgdamm zur Insel Sylt gelegen, bietet als Standort für das Vorhaben gute Bedingungen. „Wir haben hier 30 Windenergieanlagen mit rund 70 Megawatt Leistung“, erklärt Bürgermeister Christian Nissen. „Und wir haben in der Gemeinde bereits in der Vergangenheit gern Projekte angeschoben.“ Schließlich baute die Gemeinde 1991 den ersten Bürgerwindpark Europas.

Für mehr Hybridheizungen fehlen noch die Anreize

Sollten sich die Vorteile des Konzepts der Modellregion bestätigen, könnte der Lübke-Koog zum Vorbild für zahlreiche weitere Gemeinden werden. Das Potenzial für eine großflächige Nutzung wäre gegeben. Allein in Schleswig-Holstein gibt es nicht nur viel Wind, sondern auch rund 200.000 Ölheizungen.

Damit sich das Konzept durchsetzen kann, muss allerdings nach Meinung der Projektpartner noch ein angemessener regulatorischer Rahmen geschaffen werden. Hierzu sei es insbesondere notwendig, Anreize für eine flexible Stromnachfrage zu schaffen, zum Beispiel indem staatliche Abgaben und Umlagen auf ansonsten abgeregelten erneuerbaren Strom deutlich reduziert werden.

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