Foto: SMA

Photovoltaikausschreibung

Nur jeder fünfte Bieter bekommt eine Marktprämie

Die jüngste Ausschreibung von Marktprämien für Solarstrom aus Freiflächenanlagen war wieder mehrfach überzeichnet. Fast 80 Prozent der Bieter gingen leer aus. Der Marktpreis für den Solarstrom ist wieder gestiegen.

Es ist immer wieder ein ähnliches Bild, das sich bei den Ausschreibungen von Marktprämien für Strom aus neuen Solarparks zeigt. Die Nachfrage ist riesig und übersteigt das magere Angebot mehrfach. Bei der Auktion, die zum 1. Juni 2020 beendet wurde, ist das Bild aber besonders drastisch. Hier steht eine sehr hohe Nachfrage einem gekürzten Ausschreibungsvolumen gegenüber.

Denn statt der gesetzlich vorgesehenen und ohnehin schon geringen Menge von 150 Megawatt, konnte die Bundesnetzagentur nur Marktprämien für Anlagen mit einer Gesamtleistung von 96,358 Megawatt vergeben. Denn hier wurde die Anlagenleistung anteilig abgezogen, die im vergangenen Jahr in Form von Solarparks mit einer Leistung von bis zu 750 Kilowatt neu errichtet wurde. Der Strom aus diesen Generatoren wird mit dem gesetzlich festgesetzten Einspeisetarif vergütet.

Gut 96 Megawatt bezuschlagt

Dieser verringerten Leistung stand ein Angebot von 447,225 Megawatt gegenüber. Insgesamt 101 Projektierer wollten eine Marktprämie für ihre Anlagen. Mit 21 Projekten kam nur jedes fünfte zum Zuge. Diese werden, wenn sie ans Netz angeschlossen werden, eine Leistung von 96,358 Megawatt erreichen. Die Diskrepanz zwischen Ausschreibungsvolumen und Zuschlagsmenge ergibt sich daraus, dass die gesamte, mit einer Marktprämie bedachte Projekt bezuschlagt wird und nicht nur ein Teil dessen Leistung.

BSW Solar kritisiert zu geringes Volumen

Was für die politisch Verantwortlichen ein Zeichen von echtem Wettbewerb ist, ist für die Projektierer vernichtete Arbeitszeit. Denn auch wenn sie mit dem gleichen Projekt in die nächste Ausschreibungsrunde gehen können, bleiben doch knapp 80 Prozent der Anlagenpläne zunächst liegen. Da hat enorme Auswirkungen auf die Geschwindigkeit des Zubaus und die Erreichung der Klimaschutzziele, die sich die Bundesregierung gesteckt hat. Schon lange kritisiert der Branchenverband BSW Solar die viel zu geringen Ausschreibungsvolumen. Jüngst fordert er abermals in seinem 7-Punkte-Plan für einen beschleunigten Solarausbau in Deutschland.

Marktprämien sind leicht gestiegen

Der Plan der Bundesregierung, über die Ausschreibungen den Preis für Solarstrom in Deutschland zu drücken geht zudem nur teilweise auf. Denn auch hier ist die Spirale endliche. So zeigt sich, dass die Zuschlagswerte im Vergleich zu den vorhergehenden Ausschreibungen wieder gestiegen sind. Denn die niedrigste Marktprämie, die in dieser Auktionsrunde vergeben wurde, liegt bei 4,90 Cent pro Kilowattstunde. Das höchste Gebot, das noch zum Zuge kam, lag bei 5,40 Cent pro Kilowattstunde. Der mengengewichtete Mittelwert liegt bei 5,27 Cent pro Kilowattstunde. In der letzten Solarausschreibung betrug die Spanne der Marktprämien zwischen 4,64 und 5,48 Cent pro Kilowattstunde. Im mengengewichteten Durchschnitt lagen die Marktprämien damals bei 5,18 Cent pro Kilowattstunde.

Fristen verschoben

Die Bundesnetzagentur gibt die konkreten Zuschlagsentscheidungen noch nicht öffentlich bekannt. Damit gibt sie den betroffenen Projektierern mehr Zeit, die Zweitsicherheit zu hinterlegen und die Anlage zu errichten. Denn die Laufzeit dieser Fristen beginnt erst mit der Veröffentlichung der Ergebnisse im Internet. Diese soll jetzt im September 2020 erfolgen. Damit reagiert die Behörde auf die Verzögerungen bei der Projektrealisierung angesichts der Coronapandemie.

TIPP DER REDAKTION: Bleiben Sie auf dem Laufenden mit unserem kostenlosen Newsletter! Hier können Sie sich anmelden.