Erneuerbare Energien erreichen einen Stromanteil von mehr als 40 Prozent - dieses Ziel wollte die Bundesregierung eigentlich erst 2025 erreichen.
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Jahresauswertung

Rekord 2018: Erneuerbare überholen Kohle und Atom

40 Prozent - so hoch lag der Anteil der erneuerbaren Energien an der Nettostromerzeugung 2018. Sie produzierten 219 TWh, also 4,3 Prozent mehr als 2017.

Katharina Wolf

Während die Bundesregierung plant, den Stromanteil der der Erneuerbaren 2030 auf 65 Prozent zu erhöhen und dabei das Zwischenziel 40 bis 45 Prozent 2025 anpeilt, hat die Realität dieses Ziel schon erreicht. Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE haben jetzt die Jahresauswertung zur Stromerzeugung in Deutschland im Jahr 2018 vorgelegt. Danach verzeichneten die erneuerbaren Energien ein kräftiges Plus: die Solarenergie verzeichnete mit 16 Prozent den größten Zuwachs, vor der Windenergie mit 5,4 Prozent. Die Nettostromerzeugung aus Kohle, Gas und Wasserkraft nahm dagegen ab. Der Anteil aller erneuerbaren Energiequellen an der öffentlichen Nettostromerzeugung, also dem Strommix, der tatsächlich aus der Steckdose kommt, lag bei über 40 Prozent.

PV steigt am stärksten

Die deutschen Photovoltaikanlagen speisten 2018 etwa 45,7 TWh ins öffentliche Netz ein, so ISE. Der Zubau von 3,2 Gigawatt erhöhte die installierte Gesamtleistung auf 45,5 GW Ende November. Die maximale Solarleistung wurde am 2. Juli 2018 um 13.15 Uhr mit etwa 32 Gigawatt erreicht, das waren 39 Prozent der gesamten Stromerzeugung zu diesem Zeitpunkt. Von April bis August 2018 sei die monatliche Stromerzeugung von PV-Anlagen höher als von Steinkohlekraftwerken gewesen.

Offshore klettert um eine gute Terawattstunde

Die Windenergie produzierte 2018 rund 111 TWh und war damit die zweitstärkste Energiequelle nach der Braunkohle. In zehn Monaten übertraf die Windstromproduktion die Erzeugung aus Steinkohle und Kernenergie. Die maximal erzeugte Leistung betrug rund 45,9 GW am 8. Dezember um 12 Uhr. Der Anteil von onshore-Wind betrug 87,4 TWh, ein Plus von 2 TWh. Offshore-Wind konnte die Produktion von 17,4 TWh in 2017 auf mehr als 18,8, TWh steigern. Das Gros des Meeres-Windstroms wurde mit 16,6 TWh in der Nordsee erzeugt.

Gemeinsam produzierten Solar- und Windenergieanlagen 2018 gut 157 TWh und liegen damit in Summe vor Braunkohle, Steinkohle oder Kernenergie. Das Verhältnis zwischen Solar- und Windanlagenleistung sei jedoch unausgewogen, Ende 2018 fehlten 16 GW installierter Solarleistung zum optimalen Verhältnis Wind-Solar, so die Wissenschaftler.

Wasserkraft schwächelt wegen Hitze

Die Wasserkraft trug aufgrund des extrem trockenen Sommers nur mit 17 TWh zur Stromerzeugung bei. Das ist der zweitniedrigste Wert der letzten 30 Jahre. Von Mai bis Dezember lag die monatliche Stromerzeugung unter der des Vorjahres. Die Biomasse lag mit ca. 44,8 TWh genau auf dem Niveau des Vorjahres.

In Summe produzierten die erneuerbaren Energiequellen im Jahr 2018 etwa 219 TWh und legten damit um 4,3 Prozent gegenüber 2017 zu. Damit erreichten sie einen Anteil von über 40 Prozent an der öffentlichen Nettostromerzeugung.

Konventionelle verzeichnen Rückgang - vor allem Gas

Die Nettostromerzeugung aus Kernkraftwerken lag mit 72,1 TWh auf dem Vorjahresniveau. Braunkohlekraftwerke produzierten 131,3 TWh netto. Das sind etwa 2,7 TWh oder 2 Prozent weniger als 2017. Die Braunkohlekraftwerke reagierten flexibler auf niedrige Börsenstrompreise als in den vergangenen Jahren und drosselten ihre Leistung auf unter 6 GW, beispielsweise am 5.Januar, 21.Mai, 3.Oktober und am 8.Dezember. Nach wie vor seien Braunkohlekraftwerke aber noch unflexibel in ihrer Reaktion auf hohe Einspeisung von erneuerbarer Energien, heuißt es in der Auswertung des ISE. Die Nettoproduktion aus Steinkohlekraftwerken betrug 75,7 TWh und damit 6 TWh bzw. 7,4 Prozent niedriger als im Jahr 2017.

Gaskraftwerke verzeichneten den stärksten Rückgang: Sie haben 40 TWh netto für die öffentliche Stromversorgung produziert und lagen damit 9,1 TWh bzw. 18,5 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Gaskraftwerke im Bergbau und im verarbeitenden Gewerbe produzierten zusätzlich rund 20 bis 25 TWh für den industriellen Eigenbedarf.

Stromexport sinkt leicht

Im Jahr 2018 wurde ein Exportüberschuss von gut 45,6 TWh erzielt, ein leichter Rückgang gegenüber 2017 (52,5 TWh). Der Großteil der Exporte floss in die Niederlande (19,2 TWh), die einen Großteil des Stroms nach Belgien und Großbritannien weiterleiten. Auf Platz zwei folgt Österreich (11,6 TWh) vor der Schweiz (11,5 TWh), die hauptsächlich Transitland nach Italien ist. Deutschland importierte 8,3 TWh Strom aus Frankreich, der hauptsächlich an die Nachbarländer weitergeleitet wurde.

CO2-Emissionen sinken

Deutlich reduzierten sich 2018 die CO2-Emissionen in Deutschland, meldet Agora Energiewende in einem Jahresrückblick 2018: Sie sanken laut dem Berliner Think Tank um mehr als 50 Millionen Tonnen – ein Rückgang von 5,7 Prozent nach einer Stagnation im Vorjahr. Die Treibhausgasemissionen Deutschlands liegen damit um 31,7 Prozent unter dem Niveau des Jahres 1990. Das Ziel der Bundesregierung war es, bis 2020 die Emissionen um 40 Prozent zu senken - dieses Ziel gilt aber gemeinhin als nicht mehr erreichbar.

Agora Energiewende rechnet jedoch nicht mit einem nachhaltigen Rückgang. Klimaschutzerfolge erklärten ihn nur zu einem kleinen Teil. Der starke Rückgang der Steinkohleverstromung auf das niedrigste Niveau seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1950 sei in der Reform des Europäischen Emissionshandelssystems begründet. Weil infolgedessen die CO2-Preise von rund 5 Euro 2017 auf 15 Euro im Jahresmittel 2018 gestiegen waren, wurde die Verstromung von Steinkohle zusehends unwirtschaftlicher, wodurch die Emissionen der Energiewirtschaft um rund 10 Millionen Tonnen CO2 sanken.

Das Gros des Emissionsrückgangs sei hingegen auf die milde Witterung im Winter zurückzuführen und dem damit verbundenen niedrigeren Heizenergiebedarf, so Agora Energiewende. Zudem spielen ein leicht gesunkenes Produktionsniveau in Teilen der energieintensiven Industrien sowie zeitweilig stark gestiegene Benzin- und Dieselpreise und Lagereffekte beim Heizöl eine Rolle.

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