Foto: MEV-Verlag

Offshore-Windkraft

Reseapowering

Die autonome dänische Inselgruppe Färöer ist Schauplatz eines neuen Windparkausbaukonzepts: Austausch geplanter Land- gegen neue Seeanlagen.

Tilman Weber

Fünf Onshore-Windparks will der Hauptenergieversorger der unter der Oberhoheit der dänischen Krone autonom regierten Inselgruppe durch einen Offshore-Windpark ersetzen. Das Besondere des Projekts und seines wirtschaftlichen Konzeptes besteht in seinen vielen Besonderheiten: Energieunternehmen SEV will die ersten Multimegawatt-Windenergieanlagen der windüberfluteten Eilande nicht an Land, sondern auf See errichten. Dabei plant das Unternehmen einen mit 96 bis 120 Megawatt (MW) zwar nur kleinen Windpark vor der Inselhauptstadt Tórshavn. Im Vergleich dazu haben neu geplante Offshore-Windpark-Projekte mittlerweile Dimensionen von bis zu mehreren Gigawatt. Doch ungewöhnlicher Weise ersetzt der Offshore-Windpark nicht wie sonst durch einen Repowering genannten Austausch weniger effiziente, leistungsschwächere gegen neuere und modernere, leistungsstärkere Turbinen. Stattdessen ersetzt er noch nicht einmal errichtete Turbinen, die an Onshore-Standorten mit vermutlich ähnlich windreichen Luftströmungen geplant waren.

Bisher hatten die Färöer noch wenig Windkraft aus eineinhalb Dutzend Turbinen auf ihren Landflächen. Zwei Anlagenparks mit 900-Kilowatt-Maschinen vom Enercon-Typ E-44 blieben es bisher. Eine Batterie verstetigt hier die Einspeisung im größeren der beiden Windkraftfelder. Doch dank ihrer exponierten Lage im Nordatlantik zwischen Norwegen, Schottland und Island ist die autonome Region sehr windreich. Bis 2030 will sie soweit sein, sich den elektrischen Strom vollständig mit eigenen Erneuerbare-Energien-Anlagen zu erzeugen und so den eigenen Beitrag zum weltweiten Klimaschutz zu leisten. Nur machte eben Widerstand bei mehreren der fünf geplanten Windparks von Anwohnern den Investoren und Energieversorgungsplanern einen Strich durch die Rechnung: Die Widerständler wollten Windturbinen nicht in der Nähe ihrer eigenen Siedlungen und Lebensumgebungen dulden. Terji Nielsen, der Manager für Forschung und Entwicklung bei SEV, sagte zur Begründung der anvisierten Verlegung der ersten Windkrafterzeugung der Färöer mit größeren Anlagen heutiger Technologie: „In den jüngst vergangenen Jahren hatten wir Verzögerungen bei mindestens zwei von drei der geplanten Onshore-Windparks erfahren müssen. Das Not-in-my-Backyard-Phänomen spielte eine Rolle in diesen Verzögerungen.“ Ein Offshore-Windpark werde nun die Energiewende beschleunigen.

Zuvor muss die Pilotprojektierung der Multimegawatt-Windkraft der Färöer allerdings wieder von vorne beginnen: Umweltauswirkungen untersuchen, die weiteren notwendigen Standortuntersuchungen durchführen, Lizenzen und Genehmigungen beantragen, bevor es dann in die eigentliche Windparkentwicklung und das Design eines guten Windparks mit passender Technologie geht. Immerhin organisiert SEV als Projektierungsunternehmen die Windkrafteinführung der Färöer als ein Vorhaben, das durch seine Beteiligungsstruktur die Akzeptanz bei den Inselbewohnern stärken soll. Der Offshore-Windpark vor der Inselhauptstadt soll einem Joint Venture zwischen verschiedenen Färöerschen Energieversorgern, verschiedenen Unternehmen und Individuen gehören.

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