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Senvion-Insolvenz

Siemens-Gamesa übernimmt 2.000 Mitarbeiter und geistiges Eigentum

Siemens Gamesa übernimmt Teile von Senvion. Die Transaktion umfasst ein Großteil des europäischen Onshore-Servicegeschäfts des Senvion-Konzerns.

Inhaltsverzeichnis

Nicole Weinhold

Siemens Gamesa Renewable Energy hat einige europäische Unternehmensbereiche von Senvion für 200 Millionen Euro erworben. Senvion hatte im April Insolvenz anmelden müssen. Der Deal mit Siemens Gamesa umfasst Teile des europäischen Onshore-Servicegeschäfts von Senvion sowie alle dazugehörigen Vermögensgegenstände und Aktivitäten für die Erbringung und den Vertrieb von Service-Leistungen, das gesamte geistige Eigentum von Senvion sowie das Werk für Onshore-Rotorblätter in Vagos, Portugal. Schon im August zeichnete sich ab, dass Senvion nicht als Ganzes unter den Hammer geht, sondern gesplittet verkauft wird.

8,9 Gigawatt Leistung im Service

Die europäischen Serviceaktivitäten von Senvion werden den Leistungsumfang und das Potenzial von Siemens Gamesa in einem wichtigen Segment stärken. Durch die Übernahme einer Serviceflotte mit 8,9 Gigawatt (GW) von Senvion erhöht sich die von Siemens Gamesa gewartete Turbinenleistung an Land auf insgesamt nahezu 69 GW. Die Übernahme trägt dazu bei, die geschäftliche und geografische Aufstellung von Siemens Gamesa zu diversifizieren. Die Service-Verträge verfügen über eine lange Laufzeit.

Rotorblattfertigung in Portugal

Die übernommene Onshore-Rotorblattfertigung in Portugal ist eine der wettbewerbsfähigsten Produktionsstätten in Europa. Das Werk in Vagos soll die industrielle Wertschöpfungskette von Siemens Gamesa stärken und die Abhängigkeit von asiatischen Zulieferern verringern. Damit reduziert das Unternehmen nach eigenen Angaben die Auswirkungen aktuell volatiler Handelsbedingungen. Die Fertigung ergänzt die bestehenden Kapazitäten zur Rotorblattherstellung von Siemens Gamesa, verfügt über branchenführende Betriebseigenschaften und soll dazu beitragen, den internationalen Verkauf zu unterstützen.

Senvions geistiges Eigentum geht an Siemens Gamesa

Das geistige Eigentum von Senvion ermöglicht es Siemens Gamesa, sein Technologieportfolio für die künftige Unternehmensentwicklung zu erweitern.

„Diese Transaktion ist ein wichtiger Schritt nach vorne für Siemens Gamesa“, sagte Markus Tacke, CEO von Siemens Gamesa Renewable Energy. „Die Einbindung der Service-Geschäftsbereiche von Senvion ermöglicht es uns, das Wachstum in einem wichtigen Marktsegment voranzutreiben und unsere Kapazitäten in Deutschland und anderen wichtigen europäischen Märkten entscheidend zu erweitern, während die Rotorblattfertigung uns hilft, Risiken im schwierigen Handelsumfeld zu minimieren." Man bringe gute Mitarbeiter und Geschäftsaktivitäten ins Unternehmen ein. Das sei ein Gewinn für alle Beteiligten.

2.000 Mitarbeiter von Senvion werden von Siemens Gamesa übernommen

Im Zuge der Übernahme werden rund 2.000 Mitarbeiter von Senvion zu Siemens Gamesa wechseln. Vorbehaltlich der Einholung der erforderlichen behördlichen Genehmigungen und der Erfüllung anderer Abschlussbedingungen geht Siemens Gamesa davon aus, die Akquisition in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2020 (Oktober 2019 – März 2020) abzuschließen, sodass diese keine Auswirkungen auf die Ertragslage des Geschäftsjahrs 2019 haben wird.

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