Wie groß ist das Risiko für Zugvögel, mit einer Windenergieanlage zu kollidieren? Eine aktuelle Studie, die Bioconsult SH erstellt hat, ergibt nun: praktisch gleich null.
Die Studie konnte nachweisen, dass Zugvögel die Windenergieanlagen zuverlässig mieden. Mit über 99,8 Prozent der tag- und nachtziehenden Vögel mied ein deutlich größerer Anteil die Anlagen als bislang angenommen, heißt es in einer Presseinformation des Bundesverband Windenergie Offshore (BWO), dessen Mitgliedsunternehmen die Untersuchung finanzierten.
Untersucht wurde das küstennahe Windtestfeld Nord
Untersucht und ausgewertet wurden mehr als vier Millionen Flugbewegungen im Gebiet des Windtestfelds Nord in der Nähe von Husum, dicht an der Küste. Gemessen wurde zwischen Februar 2023 und November 2024, sodass je zwei Sommer- und zwei Winterzüge abgedeckt waren. Auf dem rund 150 Hektar großen Gelände stehen fünf Windenergieanlagen unterschiedlicher Hersteller mit Leistungen zwischen 3,2 und 4,2 MW. Die Gesamthöhen der Anlagen liegen zwischen 180 und 150 Metern.
Zählung ergibt: Windenergie keine übermäßige Gefahr für Rotmilane
„Wir haben modernste Methoden eingesetzt. KI-gesteuerte Stereokameras bestimmten die Flugaktivität im Rotorbereich, während ein spezialisiertes Vogelradar das Zuggeschehen aufzeichnete“, berichtet Jorg Welcker, Leiter Forschung und Entwicklung bei der Bioconsult SH. „Durch den Vergleich beider Datensätze konnten wir Ausweichraten präzise berechnen.“ Zusätzlich suchten die Wissenschaftler gezielt nach Kollisionsopfern. „So entstand ein umfassendes Bild des tatsächlichen Kollisionsrisikos von Zugvögeln an Windenergieanlagen“, betont Welcker.
Technischer Fortschritt ermöglichte hohe Genauigkeit beim Erfassen der Vogelflugbewegungen
So ergab die Studie, dass es keine Korrelation zwischen Zugintensität und Kollisionen gibt. Die Kollisionsrate stieg nicht mit der Anzahl ziehender Vögel, so der BWO. Auch bei hoher nächtlicher Zugaktivität seien nur sehr wenige Vögel durch den Rotorbereich geflogen.
400-Millionen-Geldspritze aus Offshore-Erlösen für Meeresschutz
Die Methodik markiere zudem einen wichtigen technischen Fortschritt, heißt es vom BWO. Die Kombination aus Radar und KI-basierten Kameras stelle einen methodischen Durchbruch dar und erlaube eine bislang unerreichte Genauigkeit bei der Erfassung von Vogelflugbewegungen in der Rotorebene. Dadurch werden belastbare Rückschlüsse zur Kollisionshäufigkeit ermöglicht.
„Die neue Studie zeigt, dass Zugvögel Windenergieanlagen meiden“, bilanziert BWO-Geschäftsführer Stefan Thimm die Ergebnisse der Studie. „Das bestätigt, dass der naturverträgliche Ausbau der Offshore-Windenergie im Einklang mit diesen Vögeln funktioniert und nicht gegen sie.“