Erneuerbare Energien bei Google bevorzugen
Die deutsche Offshore-Windbranche hat im ersten Halbjahr 2026 ein gutes Ergebnis unter schwierigen Bedingungen erreicht: Zwischen Januar und Juni gingen 84 neue Anlagen mit zusammen 1.077 Megawatt (MW) ans Netz. Zum Stichtag 30. Juni waren 1.764 Offshore-Windenergieanlagen mit einer installierten Leistung von 10,8 Gigawatt (GW) in Nord- und Ostsee in Betrieb. Damit ist die Marke von zehn GW überschritten. Erhoben wurden die Zahlen von der Deutschen Windguard im Auftrag von BWE, BWO, VDMA Power Systems, WAB, Windenergy Network und der Stiftung Offshore-Windenergie.
Ergebnisse des ersten Halbjahres
Zusätzlich zu den einspeisenden Anlagen sind weitere 22 Turbinen mit einer Leistung von 323 MW in den Windparks Borkum Riffgrund 3, He Dreiht und im Nordseecluster A bereits errichtet, aber noch nicht in Betrieb. Für Projekte mit zusammen 2,6 GW liegt eine finale Investitionsentscheidung (FID) vor. Weitere 17,5 GW sind bezuschlagt, aber noch ohne FID.
Auch bei der Anlagentechnik zeigt sich der Fortschritt: Die im ersten Halbjahr 2026 in Betrieb genommenen Anlagen haben im Mittel eine Leistung von 12,8 MW, einen Rotordurchmesser von 213 Metern und eine Nabenhöhe von 143 Metern. Zum Vergleich: Der Bestand kommt im Schnitt auf 6,1 MW Anlagenleistung.
Lesen Sie hier, was jetzt nötig wäre für einen stabilen Ausbau
Die Offshore-Windenergieprojekte vor der deutschen Küste befinden sich mehrheitlich mindestens 40 km von der Küste entfernt in Wassertiefen ab 20 m, nur wenige Projekte sind in flachen Gewässern nahe der Küste verortet. Teil-weise sind die Projekte an Standorten mit einer Küstenentfernung von bis zu 120 km und in Wassertiefen über 40 m installiert. Im Mittel ergibt sich für die Bestandsprojekte eine Wassertiefe von ca. 31 m und eine Küstenentfernung von ca. 73 km.
Beim Strom liefert Offshore-Wind ebenfalls: Zwischen Januar und Juni 2026 speisten die Anlagen 14,6 Terawattstunden ins Netz ein, ein Anteil von 6,3 Prozent an der deutschen Stromerzeugung. Der mengengewichtete Marktwert lag mit 8,80 ct/kWh um neun Prozent über dem Vorjahr.
Kritik an der Regierungspolitik
Trotz der Rekordzahlen schlagen die Verbände Alarm. Die ausbleibenden Gebote in der Ausschreibungsrunde vom August 2025 hätten offengelegt, dass das geltende Ausschreibungsdesign den Marktrealitäten nicht mehr gerecht werde. Solange bezuschlagte Projekte in der Schwebe blieben und der künftige Rechtsrahmen offen sei, herrsche massive Unsicherheit bei Entwicklern, Herstellern, Zulieferern und Investoren. Nach aktueller Planung sollen bis 2032 insgesamt 30 GW Windenergie auf See installiert sein – ein Ziel, das ohne rasches Handeln der Bundesregierung gefährdet ist. Die Ausbauziele für die Offshore-Windenergie im Windenergie-auf-See-Gesetz (WindSeeG) sehen vor, dass die installierte Leistung von Offshore-Windenergieanlagen am Netz bis zum Jahr 2035 auf mindestens 40 GW und bis zum Jahr 2045 auf mindestens 70 GW gesteigert wird.
Lesen Sie hier eine Forderung des Branchenverbands BDEW zur Offshore-Gesetzgebung.
Was die Branche jetzt braucht
Die Verbände fordern noch im Sommer 2026 eine Novelle des Windenergie-auf-See-Gesetzes (WindSeeG). Kernpunkt: die Einführung eines indexierten, zweiseitigen Contracts-for-Difference-Modells (CfD). Bei einem solchen Differenzvertrag garantiert der Staat den Betreibern einen festen Strompreis: Liegt der Börsenpreis darunter, wird die Differenz ausgezahlt; liegt er darüber, fließt der Überschuss an den Staat zurück. Das reduziert Finanzierungsrisiken und stabilisiert langfristig die Stromkosten. Das bisherige System negativer Gebote sei „gescheitert" und müsse umgehend durch CfDs ersetzt werden.
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Zusätzlich brauche es einen praxistauglichen Absicherungsmechanismus für langfristige Stromabnahmeverträge (PPAs), damit diese für Banken finanzierbar und für den industriellen Mittelstand annehmbar würden. Für bereits bezuschlagte, aber nicht mehr realisierbare Projekte fordern die Verbände gesetzlich verankerte Rückgabeoptionen: „So werden Flächen und Netzanschlüsse frühzeitig wieder verfügbar, neue Projekte können realisiert und verlässliche Perspektiven für die Lieferkette geschaffen werden. Nur so lässt sich der kontinuierliche Ausbau der Offshore-Windenergie absichern." Laut einer Studie des Instituts Wind-Research im Auftrag des BWO sichert die Offshore-Windenergie in Deutschland heute rund 49.000 Beschäftigungsverhältnisse.