Mit zusammen gut 2,5 Gigawatt (GW) im neu in Betrieb genommener Erzeugungskapazität bei den 2025 errichteten Windparks sind Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen erneut das bundesweit große pulsierende Zentrum für die Windturbineninstallationen gewesen. Die küstenfernen und somit weniger windhöffigen Südbundesländer dagegen, wo inzwischen sehr hohe auf Binnenlandwindströmungen ausgelegte Vier- bis Sieben-Megawatt-Turbinen die Windkraft ähnlich rentabel ausbeuten können, blieben einmal mehr deutlich zurück. Selbst die mit weitreichenden Plänen zum Ausbau der Technologie sich bekennenden Länder Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg erreichten nur 225,5 und 187,2 Megawatt (MW) an neu angeschlossener Kapazität.
Auktionsrunde: 2,2 Gigawatt Windkraft mehr für Nordwesten, Aufwind im Süden
Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD alarmiert Windkraftakteure Baden-Württembergs
Windkraftbranche errichtete 2025 bundesweit Turbinen mit 5,23 Gigawatt
In Rheinland-Pfalz, wo der Windkraftzubau Anfang bis Mitte des vergangenen Jahrzehnts schon einmal dem der Nord-Bundesländer nahe gekommen war, blieb der Zubau mehr als die Hälfte hinter den landespolitischen Zielen zurück. Eigentlich sollten jährlich 500 MW hinzukommen. Das hatte sich die Regierungskoalition in Mainz aus SPD, Grünen und FDP vorgenommen, um 2030 den landesweiten Bedarf nur noch mit Strom aus Erneuerbare-Energien-Anlagen beliefern zu können. Lieferschwierigkeiten, Fachkräftemangel und lange Genehmigungsverfahren führt das Klimaschutzministerium offenbar als Gründe dafür an.
Allerdings haben sich die Verfahren deutlich beschleunigt. Dank Entbürokratisierungsgesetzen haben sich die Verfahren bundesweit von einer maximalen Dauer noch im Jahr 2023 von im Schnitt 25,9 auf 16,8 Monate reduziert. Der Median – ein Mittelwert, der die schlimmsten und besten Fälle statistisch ausschließt, waren es sogar nur noch 12,4 Monate, also nur ein paar Tage mehr als ein Jahr. In Rheinland-Pfalz allerdings sind Behörden und Lokalpolitik mit 20,4 Monaten noch nicht so richtig beim Beschleunigen hinterhergekommen.
Noch mehr wirkt allerdings, dass es auch bundesweit noch sehr lange braucht, bis nach der Genehmigung erst ein Zuschlag in einer Ausschreibung erfolgt und vor allem die Planungen der Logistik, die Freigaben für Transporte oder die Überwindung örtlichen Widerstands erledigt sind und die Turbinen entstehen: Mit bundesweit im Schnitt 26,9 Monaten hat es noch nie so lange gedauert wie jetzt. Somit werden die heute genehmigten Projekte erst in zwei Jahren zu sehen sein. Und hier zeigt Rheinland-Pfalz immerhin Potenzial: Alleine 1.431 MW hätten im vergangenen Jahr grünes Licht erhalten, lauten die Zahlen der Landesregierung. Nur in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen waren es deutlich mehr, und Brandenburg dürfte gemäß den etwas abweichenden Daten der Windkraftverbände noch ganz knapp mehr genehmigt haben. Diese Anlagen dürften demnach ab 2027 das Südwestland wieder den Ausbauziele sich nähern lassen.
Baden-Württemberg hat dagegen inzwischen das vorbildliche Genehmigungstempo von durchschnittlich 13,2 Monaten erreicht. Schneller geben Behörden nur in Bayern bei 8,7 Monaten Mittelwert und Niedersachsen mit 10,6 Monaten im Mittel vom Erstantrag bis zur Baufreigabe. Nordrhein-Westfalen liegt bei ebenfalls 13,2 Monaten Bearbeitungsdauer gleichauf.
Allerdings zeigt sich das seit mehreren Legislaturperioden von einem Ministerpräsidenten der Energiewendepartei Bündnis 90/Die Grünen regierte Bundesland sei der Amtsübernahme durch Winfried Kretschmann 2011 als wechselhaft. Hatte die Landespolitik die Bremsen im langjährigen Schlusslichtland mit teilweise Null-Zubau anfangs wenngleich sehr langsam und behutsam gelockert, so dass die Turbinenerrichtungen ab 2015 klar anzogen, ließ sie die Zügel bald wieder locker. Die Gründe waren vielfältig: Rücksicht auf sowohl lokale Widerstände von Ortsbevölkerung und Naturschützern sowie konservative Regionalpolitik, als auch aufgrund des für Südländer nachteiligen neuen Ausschreibungssystems ab 2018 oder der Orientierung auf die Wählerschaft des inzwischen anstelle der SPD eingewechselten heutigen Koalitionspartners CDU. Erst im jüngsten Wahlkampf und nach dem neuerlichen Bündnis mit der CDU sagte Ministerpräsident Kretschmann an, dass nun Windkraft wieder mehr Priorität erhalte. Das aus Stuttgart vorgegebene Landesziel zur Ausweisung von Windkrafteignungsflächen sieht sogar vor, dass die neuen in Kraft tretenden Regionalpläne schon jetzt das vom neuen Bundes-Flächenbedarfsgesetz WindBG seit 2023 vorgegebene Ziel von 1,8 Prozent der Landesfläche in Baden-Württemberg erreichen sollen. Das WindBG schreibt die 1,8 Prozent für „Bawü“ erst zum Jahr 2032 vor, bis Ende 2027 soll der Zwischenschritt zu einer ausgewiesenen Fläche gemäß WindBG von 1,1 Prozent führen.
Doch der Rückstand zu den Landesziele ist inzwischen groß. Wollte das Bundesland diese noch erreichen, müssten jährlich mehr als 100 Windenergieanlage hinzukommen. Derzeit stehen hier noch rund 820 Turbinen. 2025 waren es nur 36 neue Anlagen. Und bei den Neugenehmigungen vom vergangenen Jahr haben nur mäßige 648 MW grünes Licht erhalten, was wohl nicht viel mehr als der benötigten jährlichen Turbinenzubauzahl entsprechen dürfte.