Sukzessive steigen die Preise für Solarmodule wieder. Schon seit vier Monaten kennen sie nur noch eine Richtung: nach oben. „Zwar ist der Anstieg nicht mehr so rasant, wie noch Anfang des Jahres, aber er konnte auch noch nicht gestoppt werden“, sagt Martin Schachinger, Geschäftsführer der Online-Handelsplattform für Solarkomponenten PV Xchange. „Im Durchschnitt kletterten die Preise von März zu April nochmals um 5,5 Prozent nach oben, wobei Full-Black-Module den größten Preissprung zu verzeichnen haben.“
Diese Module werden jetzt für durchschnittlich 16 Cent pro Watt gehandelt. Das ist zwar nur ein Cent pro Watt mehr als noch vor einem Monat. Doch im Vergleich zum Vormonat sind das 6,7 Prozent Steigerung. So viel haben die komplett schwarzen Module noch nie gekostet, seit PV Xchange dieses Segment separat ausweist.
Standardmodule einen halben Cent teurer
Einen kleineren Sprung haben auch die Hochleistungsmodule mit einem Wirkungsgrad von mindestens 23 Prozent und mit modernen Modultechnologien gemacht. Diese kosten derzeit durchschnittlich 14 Cent pro Watt. Das ist ein halber Cent mehr als noch im Vormonat. Entsprechend fällt auch die Steigerungsrate mit 3,7 Prozent geringer aus.
Auch die Standardmodule sind einen halben Cent pro Watt teurer geworden. Sie gehen jetzt für durchschnittlich 12,5 Cent pro Watt zum Kunden. Das ist eine Steigerung des Preises um 4,2 Cent im Vergleich zum Vormonat. So viel haben diese Module zuletzt vor zwei Jahren gekostet.
Solaranlagen sind wieder gefragt
Die Gründe für die Preissteigerungen sind unklar. „Denn auf der Produktionsseite sind eher gegenläufige Trends zu finden. Die Preise für Polysilizium beispielsweise befinden sich aufgrund einer schwachen weltweiten Nachfrage seit Wochen im Sinkflug“, erklärt Martin Schachinger. „Auch die Streichung des bisherigen Exportsteuerrabatts durch die chinesische Regierung, die am 1. April dieses Jahres in Kraft trat, sollte seit Monaten bereits eingepreist sein.“
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Der PV-Xchange-Chef führt die Preisentwicklung eher auf die aktuelle Lage in der Welt und die anhaltenden Krisen zurück. Wenn die Öltanker nicht durch die Straße von Hormus kommen und dadurch die Preise für fossile Brennstoffe steigen, wächst auch die Nachfrage nach Solaranlagen. „Trotz der indifferenten bis kontraproduktiven Signale aus der Politik scheinen sich Bürger und Unternehmer nicht davon abhalten zu lassen, auf Solaranlagen und Energiespeicher zu setzen“, sagt Schachinger. „Die Auftragsbücher vieler Installateure sind gut gefüllt, Investoren und Projektierer suchen immer neue Wege, Großanlagen auch ohne Förderung und mit drohendem Redispatch-Vorbehalt umzusetzen.“
Ware in Europa nicht mehr so üppig vorhanden
Diese steigende Nachfrage trifft allerdings auf einen aufkommenden Lieferengpass. Denn die Installateure und Großhändler haben angesichts der vorher sinkenden Nachfrage versucht, ihre Lager so klein wie möglich zu halten. Auch die Produktion in China wurde in den vergangenen Monaten aufgrund der eher mäßigen Prognosen teilweise heruntergefahren. „Die Devise lautete dort bereits Anfang 2026: kein selbstzerstörerischer Preiskampf mehr durch Überproduktion. So motteten viele Hersteller ihre älteren Produktionslinien freiwillig oder unfreiwillig ein, anstatt sie auf neueste Technik umzubauen“, weiß Martin Schachinger. „Die Zeit, in der Photovoltaikmodule auf Verdacht nach Europa geliefert wurden und sich containerweise in Rotterdam stapelten, scheint endgültig vorbei zu sein.“
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Stattdessen liefern Hersteller nur noch auf Bestellung oder innerhalb vertraglich abgesicherter Bestellungen nach Europa. „Dementsprechend lässt sich eine sprunghaft angestiegene Nachfrage auch nicht so einfach bedienen. Daraus resultieren längere Wartezeiten und – der freien Marktwirtschaft geschuldet – auch immer höhere Abgabepreise“, erklärt Schachinger die Entwicklung.
Kleinanlagen treiben die Preise von schwarzen Modulen
Die besonders starken Steigerungsraten bei komplett schwarzen Modulen erklärt er mit der inzwischen wieder gestiegenen Nachfrage im Segment der kleinen Anlagen auf Einfamilienhausdächern. Denn dort werden inzwischen vermehrt diese ästhetisch hochwertigen Module verbaut. Diese sind aber besonders stark von den Verwerfungen betroffen. „Jede bei uns Großhändlern im Lager eintreffende Lieferung mit entsprechender Ware wird uns wortwörtlich aus den Händen gerissen“, beschreibt Martin Schachinger die Lage. „Selbst Preiserhöhungen in laufenden Verträgen sind wieder gängige Praxis und müssen von den Playern innerhalb der Lieferkette akzeptiert werden, wollen sie nicht am Ende ohne Ware dastehen“, weiß er.