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Bioenergie Biokraftstoffe

Sprit aus Stroh macht das Rennen

Über Shell muss man nicht viele Worte verlieren. Über den Shell Eco-Marathon schon ein paar mehr. Denn nicht jeder weiß, dass dieses Rennen auf eine Wette zurückzuführen ist, die Shell-Wissenschaftler im Jahr 1939 untereinander abschlossen. Es ging damals darum zu behaupten beziehungsweise dann konkret festzustellen, wie weit die Behaupter auf einer bestimmten Strecke mit ihrem Fahrzeug mit einer Gallone Sprit kommen. Nach europäischem Maß beträgt eine Gallone rund 4 Liter. Aus der Wette wurde ein Wettbewerb, der Eco-Marathon. Von 1985 bis 2008 auf dem Circuit Paul Armagnac ausgetragen, eine Motorrennstrecke in der Gemeinde Nogaro im bezeichnender Weise so genannten Arrondissement Condom in der Region Midi-Pyrénées – was für diejenigen, die das komplizierte französische Ortungssystem aus Region, Département und Arrondissement nicht nachschlagen wollen einfach bedeutet: recht nah an der spanischen Grenze, also in Südfrankreich, aber nicht an der Mittelmeerküste, sondern der Blick geht von hier aus auf die Pyrenäen. Paul Armanac indes war ein berühmter Sportwagenfahrer in den 1950er und -60er Jahren, geboren in Nogaro – daher der Name des Kurs’.

Die Sachsen sind wieder mit im Rennen

Shell verlegte den Eco-Marathon 2008 von Frankreich aus gleich in drei Länder und über zwei Kontinente. Es gibt nun den Wettkampf auf dem Rockingham Motor Speedway in Großbritannien, der als Shell Eco-Marathon United Kingdom (UK) bezeichnet wird, das Rennen auf dem Auto Club Speedway in Kalifornien, das als Shell Eco-Marathon Amerika bezeichnet wird – und der EuroSpeedway Lausitz, tatsächlich also in Deutschland, also auf dem Lausitzring an der Grenze von Brandenburg zu Sachsen, der als Shell Eco-Marathon Europa bezeichnet wird. Die Briten – Angelsachsen – treiben Rennen an der Wurzel ihres Ursprungs in Sachsen.

Kritiker denken zu kurz

Die Kritik an den Rennen ist – ob nun in Nogaro, Rockingham, Kalifornien oder in der Lausitz – dass Shell nicht an den Technologien interessiert ist, die dieser Wettbewerb zum Vorschein bringt. Doch die Kritiker denken kurz. Wenn Shell Innovationen öffentlichkeitswirksam fördert und danach das Feld anderen überlässt, ist das Shells Entscheidung. Wenn Shell nicht will – Es gibt andere Akteure, die die Erfolge vermarkten, für die Shell die Bühne liefert.

Einer davon ist Kalundborg. Beziehungsweise die Bioraffinerie in Kalundborg. Hier wird Bio-Ethanol aus Stroh hergestellt. Mit diesem Kraftstoff hat ein Uni-Team das Technische Institut Dänemarks das Eco-Europarennen von Shell 2011 gewonnen. Sie fuhren 1.197 Meilen je Gallone, umgerechnet 509 Kilometer pro Liter. Das Team verwendete einen 50-Kubikzentimeter-Yamaha-Moped-Motor, dessen höherer Druck den höheren Oktan-Gehalt des Kraftstoffs nutzt. Die Uni ist an dem Design der Fahrzeuge interessiert. Die Studenten versprechen sich eine gute Position auf dem Arbeitsmarkt als Designer durch die Teilnahme.

Wenn Shell das Rennen nicht macht – dann eben andere

Doch zum Einsatz kam eben auch Bio-Ethanol aus Stroh. Der wird in der Bioraffinerie Kalundborg in Dänemark produziert, die von 2003 bis 2009 im Pilotstadium war und im November 2009 in die Regelproduktion überging. Kalundborg ist ein Unternehmen von Dong Energy, des größten Energieversorgers Dänemarks. In Kalundborg sollen pro Jahr 1,5 Millionen Gallonen des neuen Biosprits aus Getreide- und Maisstroh unter der Markenbezeichnung Inbicon hergestellt werden. Wenn man eine Gallone grob mit 4 Liter nach europäischem Maß ansetzt, dann sind das 6 Millionen Liter Biosprit. Eine homöopathische Menge, allein auf den Kraftstoffverbrauch der privaten Haushalte in Deutschland bezogen, der 38 Milliarden Liter im Jahr 2008 betrug, laut Statistischem Bundesamt. Warum Shell kritisieren, wenn Shell nicht will. Dann machen das Rennen womöglich andere. Wenn auch in kleinen Schritten. Sicher ist: Erdöl für Kraftstoffe geht auf Sicht aus. (Dittmar Koop)