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Deutschlands größte Produktionsanlage für Flugkerosin entsteht in Schwedt

Enertrag und Zaffra errichten auf dem Gelände der PCK-Raffinerie Deutschlands größte Produktionsanlage für Electric Sustainable Aviation Fuels im industriellen Maßstab. Ab 2030 sollen jährlich mehr als 30.000 Tonnen klimaneutrales Kerosin produziert werden. Dies entspricht einem Viertel der deutschen E-Saf-Beimischquote, die die europäische Refuel-EU-Aviation-Verordnung ab 2030 vorschreibt.

Wasserstoff über Pipeline und lokale Elektrolyse

Die Anlage stellt aus grünem Wasserstoff und biogenem Kohlendioxid über das Fischer-Tropsch-Verfahren synthetische Flugkraftstoffe her. Im Vergleich zu fossilen Kraftstoffen verursachen diese mehr als 90 Prozent weniger CO2-Emissionen. Den grünen Wasserstoff bezieht das Projekt größtenteils über das H2-Kernnetz durch die Flow-Pipeline der Gascade. Eine zusätzliche Elektrolyse vor Ort ergänzt die Versorgung. Das benötigte Kohlendioxid liefert der Papierhersteller Leipa Georg Leinfelder aus Schwedt.

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Die Technologie stammt von Zaffra, einem Joint Venture von Topsoe und Sasol. Das Unternehmen kombiniert Sasols Fischer-Tropsch-Synthese mit Topsoes Ereact-Technologie. Enertrag bringt seine Expertise bei erneuerbaren Energien und Wasserstoffelektrolyse ein. Im April 2026 beauftragten die Projektpartner die Griesemann Gruppe mit den Ingenieursstudien für den Anlagenbau. Die Investitionsentscheidung soll bis Ende 2027 fallen, der Produktionsstart ist für 2030 geplant.

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Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke haben jetzt in Schwedt den Förderbescheid für das Projekt Brandenburg E-Saf übergeben. Die Anlage zur Produktion nachhaltiger Flugkraftstoffe erhält 350 Millionen Euro Förderung, davon 245 Millionen Euro vom Bund und 104 Millionen Euro vom Land Brandenburg. Das Gesamtinvestitionsvolumen beträgt mehr als 500 Millionen Euro.

Strukturwandel mit Fragezeichen

Das Vorhaben schafft rund 150 Arbeitsplätze am Standort, in der Bauphase entstehen bis zu 1.500 Arbeitsplätze in der Region. Ob dies die strukturellen Herausforderungen der PCK-Raffinerie kompensieren kann, bleibt offen. Die Anlage verarbeitet derzeit noch fossiles Rohöl – die Transformation zu klimaneutralen Produkten erfordert weitreichende Umstellungen.

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Die Abhängigkeit von der Wasserstoffinfrastruktur birgt Risiken: Der Ausbau des H2-Kernnetzes verzögert sich bundesweit, die Verfügbarkeit von grünem Wasserstoff in ausreichenden Mengen ist nicht gesichert. Auch die Wirtschaftlichkeit synthetischer Kraftstoffe bleibt fraglich – trotz Beimischquoten liegen die Produktionskosten deutlich über denen fossiler Alternativen.