Mehrere Akteure aus der Energiewirtschaft und Industrie sprechen sich für eine konsequente Umsetzung des Freileitungsvorrangs beim Bau neuer Gleichstromleitungen aus. In einem Offenen Brief an die Vorsitzenden der Bundestagsfraktionen von CDU/CSU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke fordern sie, die im Entwurf zur Novelle des Bundesbedarfsplangesetzes vorgesehenen Ausnahmen zu streichen. Hintergrund ist die geplante Neuregelung für künftige Höchstspannungs-Gleichstromverbindungen wie die Projekte DC42 und DC42plus (SuedWestLink). Die Bundesregierung will den Bau neuer Trassen künftig bevorzugt als Freileitung ermöglichen, um Kosten zu senken und Genehmigungsverfahren zu beschleunigen. Die Unterzeichner begrüßen diesen Kurs grundsätzlich, sehen jedoch Risiken in den vorgesehenen Ausnahmeregelungen.
Kritik an hybriden Lösungen aus Freileitung und Erdkabel
Nach Ansicht der Verbände und Unternehmen würden Mischlösungen, bei denen innerhalb eines Projekts zwischen Freileitung und Erdverkabelung gewechselt wird, zusätzliche Planungs- und Genehmigungsaufwände verursachen. Dies könne langwierige Diskussionen mit betroffenen Regionen nach sich ziehen und die Umsetzung wichtiger Netzausbauprojekte verzögern. „Eine Kombination von Freileitung und Erdverkabelung bei einem Vorhaben ist nicht sinnvoll – weder bei Planung und Genehmigung noch bei Bau und Betrieb der Stromleitung“, erklärte Werner Götz, Vorsitzender der Geschäftsführung von TransnetBW.
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Zu den Unterzeichnern gehören neben TransnetBW unter anderem der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (BNE), Die Familienunternehmer, der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK), die Wirtschaftsvereinigung Stahl sowie die Wirtschaftsvereinigung der Grünen.
Freileitungen gelten als günstiger und schneller umsetzbar
Die Befürworter des Freileitungsvorrangs verweisen auf deutliche Kostenvorteile gegenüber Erdkabeln. Nach ihren Angaben liegen die Investitionskosten von Freileitungen mindestens 50 Prozent unter denen einer Erdverkabelung. Zudem könnten Freileitungen schneller errichtet werden, wodurch wichtige Stromverbindungen früher zur Verfügung stünden. Auch im laufenden Betrieb sehen die Verbände Vorteile. Störungen an Freileitungen seien in der Regel schneller zu lokalisieren und zu beheben als Schäden an Erdkabeln. Darüber hinaus werde die Lebensdauer von Freileitungen mit rund 80 Jahren angegeben, während Erdkabel häufig bereits nach etwa 40 Jahren erneuert werden müssten.
Industrie warnt vor steigenden Netzkosten
Die Unterzeichner verbinden ihre Forderung auch mit der Sorge um die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Steigende Netzentgelte seien bereits heute ein erheblicher Kostenfaktor für energieintensive Unternehmen. VIK-Hauptgeschäftsführer Christian Seyfert bezeichnet den Verzicht auf teure Erdverkabelung als eine der naheliegenden Möglichkeiten, die Kosten der Energiewende zu begrenzen. Auch Vertreter von Familienunternehmen und der Energiewirtschaft mahnen, bei langfristigen Infrastrukturinvestitionen stärker auf Wirtschaftlichkeit und Systemeffizienz zu achten.
Bundestag berät über Gesetzesnovelle
Das Bundesbedarfsplangesetz definiert die für die Energieversorgung notwendigen Netzausbauprojekte in Deutschland und legt fest, in welcher Technologie diese umgesetzt werden sollen. Über die aktuelle Gesetzesnovelle wird in dieser Woche im Bundestag beraten. Mit ihrem Vorstoß wollen die Unterzeichner erreichen, dass der geplante Freileitungsvorrang ohne weitreichende Ausnahmen umgesetzt wird. Aus ihrer Sicht ist dies eine zentrale Voraussetzung, um den Ausbau der Stromnetze schneller, kostengünstiger und effizienter voranzutreiben.