Die Entwicklung im Speicherbereich geht vor allem im größeren Segment dynamisch voran. Doch auch im kleineren Bereich bieten die Hersteller neue clevere Lösungen an.
Auf der EES Europe zeigen die Batteriehersteller ihre neuen Produkte. Die technische Entwicklung ist dynamisch.
Sven Ullrich
Stabil ist der Markt für Batteriespeicher in Europa, was die Zubauraten betrifft. Allerdings hat er sich auch immens verändert. Waren es in der Vergangenheit vorwiegend die Heimspeicher, die den Markt angetrieben haben, treiben inzwischen die Großspeicher den Zubau an.
Längst geht es nicht mehr darum, mit den Batterien den Eigenverbrauch und damit die Autarkie in Gebäuden zu maximieren. Vielmehr halten die Speicher den Solarstrom in Zukunft vermarktbar und gleichen die unstete Einspeisung von Sonnen- und Windstrom aus. Dazu sind mehr Leistungsdichte und vor allem viel Kapazität notwendig.
Diesen Weg geht Sungrow. Der chinesische Anbieter hat in dem neuen Kraftwerksspeicher Powertitan 3.0 Batteriezellen mit hoher Energiedichte gestapelt. Siliziumcarbidtechnologie erhöht die Effizienz des Systems und sorgt für eine Spannungsregelung am Netz innerhalb von Millisekunden. Der Powertitan unterstützt Systemlösungen mit einer Laufzeit von zwei bis acht Stunden und ist auf der diesjährigen Speichermesse EES Europe in München am Stand B6.110 zu sehen.
Skalierbarer Großspeicher
Auch die Elementa-3-Plattform von Trina Storage (A1.170) ist eine neue Energiespeicherlösung im Großmaßstab. Das System basiert auf einzelnen Speichercontainern mit einem Volumen von 1,56 Megawattstunden, die so miteinander kombiniert werden können, dass ein auf den Anwendungsfall zugeschnittenes Batteriekraftwerk entsteht. Damit zeigt der Anbieter, in welche Richtung sich die Speichercontainer entwickeln – weg von großen Lösungen hin zu kleinen Einheiten, die modular kombiniert werden.
24,1 Gigawattstunden Speicherkapazität wurden in Europa im Jahr 2025 zugebaut. Damit sind inzwischen 77,3 Gigawattstunden installiert – eine Verzehnfachung innerhalb von vier Jahren.
Einen solchen Ansatz verfolgt auch Intilion (B2.130). Der neue Scalecube I3 ist ein Speicher für die Industrie und netzdienliche Anwendungen und basiert auf einer vordefinierten, modularen Systemarchitektur. In jeder Speichereinheit sind alle wesentlichen Komponenten enthalten, die er benötigt, um am Netz arbeiten zu können. Dazu gehören nicht nur die beiden flüssigkeitsgekühlten Batteriecontainer, sondern auch ein Wechselrichter, ein Transformator, die Mittelspannungsschaltanlage sowie die Niederspannungshauptverteilung.
Voll auf Sicherheit gesetzt
Mit dem Tallon hat Tesvolt (B2.110) einen neuen Speichercontainer entwickelt. Er kann fünf Megawattstunden Strom zwischenspeichern. Tesvolt hat bei der Entwicklung des Speichers besonders auf Sicherheit geachtet. So setzt das Unternehmen im Speicher ausschließlich europäische Wechselrichter ein. Ein umfangreiches Konzept zum Schutz vor Cyberangriffen rundet das Sicherheitspaket ab.
Um den Speicher besser an die spezifischen Gegebenheiten vor Ort anzupassen, ist er modular ausgelegt. Kunden können zwischen einem, zwei oder mehreren DC-Abgängen pro Container wählen.
Speicher aus heimischer Produktion
Konsequent auf heimische Produktion setzt weiterhin Fenecon. Der Hersteller zeigt am Stand B1.140 mit dem Commercial 100 einen leistungsstarken Stromspeicher. Er enthält einen Hybridwechselrichter mit einer Leistung von 100 Kilowatt und einer breit skalierbaren Kapazität von 39,2 bis 420 Kilowattstunden. Eine Besonderheit bietet der Speicher mit einer intelligenten Steuerung der Solarstromproduktion, der Batteriebeladung und einem aktiven Lastmanagement bei Abregelung der Solaranlage durch den Netzbetreiber.
171 Gigawatt Speicherleistung mit 598 Gigawattstunden Kapazität müssten in Europa installiert werden, um die Kosten für das Energiesystem zu halbieren.
Auf engstem Raum untergebracht
Für Sicherheit ist ebenfalls gesorgt. Denn der Wechselrichter des Speichers ist nicht direkt mit dem Internet verbunden. Die Steuerung erfolgt komplett über das Fenecon Energie Management System (FEMS).
Ebenfalls für gewerbliche Anwendungen hat Delta (B3.350) seine C-Serie All-in-One entwickelt. Sie beinhaltet nicht nur die Batteriepacks, sondern auch ein Power Conditioning System (PCS), ein Flüssigkühlsystem sowie eine Steuerungseinheit. Der Vorteil ist die Leistungsdichte. Denn Delta bringt Batterien mit einer Kapazität von 261 Kilowattstunden inklusive der anderen Komponenten auf einer Fläche von nur 1,5 Quadratmetern unter. Zudem ist der Speicher einfach zu installieren. Denn er steht auf einem gabelstaplerfähigen Skid.
Eine neue Komplettlösung inklusive Photovoltaik und Speicher fürs Gewerbe zeigt SMA auf dem Stand B3.210 der Messe in München. Das Storage XL Package umfasst einen Batterieschrank sowie den Batteriewechselrichter Sunny Tripower Storage X 60. Das Paket bietet umfassende Sicherheitsfunktionen sowie zehn Jahre Systemgarantie. Der mitgelieferte Wechselrichter bringt verschiedene Energiemanagementfunktionen mit und basiert auf modernen Sicherheitsstandards, was für Geräte im Gewerbe essenziell ist.
Hochvoltbatterie fürs Gewerbe
Mit einem Speicher fürs Gewerbe hat Fronius (B4.310 und 410) sein Portfolio weiter ergänzt. Der Reserva Pro ist eine Hochvoltbatterie, die flexibel zwischen zwölf und 32 Kilowattstunden pro Turm skaliert werden kann. Bis zu vier Türme können in einer Parallelschaltung betrieben werden. Dadurch entsteht eine Speicherkapazität von bis zu 128 Kilowattstunden.
Längst geht es nicht mehr darum, mit den Batterien den Eigenverbrauch und damit die Autarkie in Gebäuden zu maximieren.
Der Reserva Pro ist auf der Gleichstromseite eingebunden und auf die Hybridwechselrichter Verto Plus und Gen 24 Plus abgestimmt. Zusätzlich kann er an den Energiekostenassistenten von Fronius gekoppelt werden. Mittels KI analysiert dieser kontinuierlich die voraussichtliche Solarstromproduktion, den Energieverbrauch und den aktuellen Strompreis und ermittelt so den idealen Zeitpunkt für die Ladung oder Entladung der Batterie.
Batterien gut optimieren
Auf das Segment der Privatanlagen zielt Solaredge (B4.110) mit seinem neuen Komplettsystem Nexis. Es besteht aus einem Wechselrichter und einem flexiblen Speicher, der von 4,9 auf bis zu 78,4 Kilowattstunden skaliert werden kann. Dazu werden einfach die einzelnen Speicherquader übereinandergestapelt. Nachdem sie ineinander eingerastet sind, sind sie auch schon verbunden.
Für den optimalen Betrieb und mehr Sicherheit hat Solaredge Optimierer in seine Speicher integriert. Durch sie kann jeder Batterieblock unabhängig isoliert, überwacht und verwaltet werden. Der Optimierer verbessert auch die Effizienz des Speichers bei niedriger Leistung. Denn in diesem Fall wird jeweils nur ein Batterieblock aktiviert und gleichzeitig der Ladezustand über alle Blöcke hinweg ausgeglichen. Das führt zu einer höheren Gesamtsystemeffizienz.
Tragbarer Kleinspeicher
Noch eine Nummer kleiner ist Deyle Technik (C3.535) unterwegs. Der Anbieter hat einen tragbaren und modularen Speicher für Balkonkraftwerke entwickelt. Der Optimus Prime Home Energy Cube bringt es mit drei Kilowattstunden Kapazität auf ein Gewicht von weniger als 27 Kilogramm pro Speichermodul.
307 Gigawattstunden Speichervolumen wurden 2025 weltweit neu installiert. Diese neuen Speicher haben eine gemeinsame Leistung von 112 Gigawatt – ein Wachstum um 48 Prozent gegenüber dem Jahr 2024.
Bis zu vier der Batteriemodule lassen sich flexibel miteinander kombinieren. Weil jedes Speichermodul über einen eigenen DC/DC-Wandler verfügt, können Anwender das System auch nachträglich erweitern und Batterien mit unterschiedlichem Ladezustand mischen.
Ein ganz anderes Produkt stellt Furo – ehemals Lumera Energy (C4.170A) – vor. Das Unternehmen bringt eine neue Software für Industriespeicher auf den Markt. Auf Basis großer Datenmengen plant und optimiert diese den Betrieb von Batteriespeichern in Echtzeit. Mit der Software kann Furo Speicher schon ab einer Leistung von 150 Kilowatt automatisiert in den Energiehandel integrieren – alles in einer einzigen Plattform.
Das neue Betriebssystem kombiniert alle vier Kernfunktionen eines Batteriespeichers: KI-Prognosen für Preise und Verbrauch, Optimierung des Einsatzes der verfügbaren Speicherkapazität, Einsparungen bei den Stromkosten und Erträge durch Energiehandel sowie die kontinuierliche Multi-Use-Optimierung.
Die Lösung ist mit allen gängigen Batterietechnologien kompatibel. Damit können Industriebetriebe das wirtschaftliche Potenzial ihrer Batteriespeicher um bis zu 40 Prozent erhöhen und die Amortisationszeit von 15 auf fünf Jahre verringern, versprechen die Entwicklerinnen der Plattform.
Foto: Fronius International
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