Foto: Vattenfall

Hybridkraftwerke

Vattenfall baut Wind-Solar-Speicher-Kraftwerk in Holland

Der schwedische Energiekonzern Vattenfall wird einen bestehenden Windpark um einen Solarpark und eine Speicheranlage ergänzen. Damit will das Unternehmen unter anderem den Preis für die Erneuerbaren weiter senken.

Die Erzeugungsprofile von Windenergie und Photovoltaik ergänzen sich in der Regel sehr gut. Denn meist weht kaum Wind, wenn die Sonne üppig scheint und an stürmischen Herbsttagen, wenn kaum Sonnenstrahlen die Erde erreichen, produziert die Windkraft um so mehr Strom. Diese beiden Technologien miteinander an einem Standort zu verbinden, hat gleich zwei Vorteile.

Gut für die Wirtschaftlichkeit

Zum einen kann einen reicht ein Netzverknüpfungspunkt aus, um Strom aus beiden Anlagen ins Netz einzuspeisen. Es muss nicht die doppelte Anschlussleistung gebaut werden, was den Preis für die Gesamtanlage senkt. Zum anderen werden das vorhandene Netz die bebaute Fläche besser genutzt. Denn die Solarmodule stehen in den Räumen zwischen den einzelnen Anlagen eines Windparks. „Wir glauben, dass sich Skaleneffekte, über die wir in diesem Zusammenhang reden, sehr positiv auf die Wirtschaftlichkeit solcher Anlagen auswirken. Ab 2020 könnten große Solar-, Wind- und Hybridkraftwerke ohne jegliche Förderung in Deutschland realisiert werden“, erklärt Claus Wattendrup, Leiter des Geschäftseinheit Solar and Batteries bei Vattenfall.

2020 soll das Hybridkraftwerk fertig sein

Der schwedische Energieriese will diese Skaleneffekte mit einem neuen Projekt in den Niederlanden heben. In der Provinz Süd-Holland etwa 50 Kilometer südwestlich von Rotterdam wird das Unternehmen den vorhandenen Onshore-Windpark Haringvliet in der Region Goeree-Overflakkee um einen Solarpark ergänzen. Dazu kommt sogar noch ein Speicher, um die Netzreserven besser zu nutzen. Denn das Batteriekraftwerk wird die Erzeugungsspitzen aus beiden Anlagen abschneiden und zwischenlagern. Die gespeicherte Energie wird dann ins Netz eingespeist, wenn Solar- und Windkraftanlage weniger Strom produzieren, als das Netz aufnehmen könnte.

Insgesamt investiert Vattenfall 35 Millionen Euro in das Projekt. Eine Summe von 26 Millionen Euro steht schon bereit. Damit kann Vattenfall mit den Vorbereitungen für den Bau der Solaranlage und des Batteriespeichers beginnen. In der zweiten Jahreshälfte 2020 soll alles fertig sein und die komplette Anlage in Betrieb gehen.

30 Hektar perfekt ausgenutzt

Insgesamt bauen die Installateure von Vattenfall Solarmodule mit einer Gesamtleistung von 38 Megawatt zwischen die Türme der bestehenden Windkraftanlagen. Diese leisten zusammen 22 Megawatt. Damit nutzen die Schweden die 30 Hektar große Fläche, die jetzt vom Windpark genutzt wird, optimal aus. Neben die Solaranlage stellen die Monteure 12 große Seecontainer, in denen der Batteriespeicher untergebracht ist. Dieser kann immerhin zwölf Megawatt Leistung aus den Erzeugungsanlagen aufnehmen und ihn mit der gleichen Leistung ins Verteilnetz einspeisen, an dem das gesamte Hybridkraftwerk angeschlossen ist.

Zusätzliche Geschäftsmodelle möglich

Die Anlage in Holland ist das erste Projekt dieser Art, das Vattenfall bauen will. „Vattenfall will innerhalb einer Generation ein fossilfreies Leben ermöglichen und Hybridkraftwerke sind für uns ein wichtiger Baustein in Richtung 100 Prozent fossilfreier Energieerzeugung“, betont Claus Wattendrup. Er verweist auf die Vorteile, die eine solche Hybridanlage hat, und auf die zusätzlichen Geschäftsmodelle. „Neben der Energieerzeugung können wir auch Netzdienstleistungen wie beispielsweise Regelenergie bereitstellen“, sagt Wattendrup. „Darüber hinaus kann die Batterie helfen, Vorhersageungenauigkeiten bei der Erzeugung von wetterabhängigem erneuerbarem Strom auszugleichen.“ Die Vorteile – sowohl technologische als auch finanzieller Natur – sind für Wattendrup ein Aspekt für neue Perspektiven für die Kohlereviere in Deutschland, wo viel Platz ist, um Windkraft- und Photovoltaikanlagen zu errichten und zu betreiben.

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