Foto: Flying Focus Aerial Photography

Offshore-Neuheiten

Vier Zeichen für einen Hightech-Boom in der Offshore-Windkraft

Der weltgrößte Offshore-Windpark entsteht in der Nordsee. Die größte Schwimmturbine wird gebaut, eine neue Technik für Fundamente erprobt.

Inhaltsverzeichnis

Nicole Weinhold

Die Offshore-Windkraft entwickelt sich zur Wachstumsbranche der erneuerbaren Energien: Der Ausbau auf dem Meer schreitet rasant voran, während gleichzeitig neue Technologien erprobt werden. Covid-19 bremst die Branche der sauberen Meeresenergie nicht. Vier Beispiele für jüngste bahnbrechende Entwicklungen:

1. Weltgrößter Offshore-Windpark

In der Nordsee zwischen Großbritannien und Dänemark reift mit Doggerbank der weltweit größte Offshore-Windpark mit einer Kapazität von 2,4 Gigawatt (GW). Inklusive eines weiteren Projekts werden es sogar mehr als 3,6 GW: Für den Offshore-Windpark Sofia, der mit einer geplanten installierten Leistung von 1,4 Gigawatt (GW) in der Nordsee 195 Kilometer vor der britischen Küste in den relativ seichten Gewässern der Doggerbank entstehen soll, hat Innogy SE eine 14-MW-Turbine von Siemens Gamesa Renewable Energy ausgewählt. Eine entsprechende Vereinbarung wurde bereits unterzeichnet. Die in den ersten beiden Bauabschnitten investierenden Unternehmen SSE aus Schottland und Equinor aus Norwegen - ein Ölkonzern - wollen durch Doggerbank ein Windkraft-Cluster 130 Kilometer vor der nordenglischen Küste entstehen lassen. Das Projekt hat einen Investitionsrahmen von 6,7 Mrd. Euro. 1,2 GW sollen 2023 ans Netz gehen, die weiteren 1,2 GW ein Jahr später. Zusammengenommen seien die ersten beiden Bauphasen die bisher größte Offshore-Windprojektfinanzierung weltweit. Daran beteiligt sei eine Gruppe von 29 Banken und drei Exportkreditagenturen. In dem Windpark wird die 13-MW-Turbine Haliade X von GE erstmals großflächig verbaut.

2. Riesenturbinen-Park Borssele III/IV gerade fertig

Die letzte von 77 MHI Vestas V164-9.5 MW Turbinen wurde gerade im Borssele III/IV-Projekt vor der niederländischen Küste installiert. Borssele III/IV kommt auf 731,5 MW - was ausreicht, um bis zu 2,3 Prozent der niederländischen Stromnachfrage zu decken. The Borssele III/IV liegt 22 Kilometer vor der Küste von Zeeland. Es wurde entwickelt von dem Blauwwind-Konsortium aus Shell, Eneco, Diamond Generating Europe und Van Oord. Stolz sind die Projektierer auf die Umsetzung, weil sie wegen Covid-19 einige Hindernisse überwinden mussten: Die Arbeit auf dem Installationsschiff musste Corona-gerecht umgesetzt werden und auch der Transport von Technikern war laut MHI Vestas eine Herausforderung.

3. Riesenturbine auf schwimmendem Fundament

MHI Vestas hat außerdem die erste V164 9.5 MW für eine schwimmendes Offshore-Projekt eingesetzt. Die Anlage wurde im Errichtungshafen der Kincardine Schwimmwindfarm installiert. Kincardineshire ist eine der Grafschaften von Schottland, gelegen an der Nordsee südlich von Aberdeen. Die V164-9.5 MW wurde als erste von fünf solchen Konstruktionen in dem Windpark auf einer Schwimmplattform von Principle Power errichtet. Die fünf Anlagen werden im Dezember 15 Kilometer vor der Küste von Kincardineshire bei 60 bis 80 Meter Wassertiefe verankert.

4. Neue Unterstützung für Offshor-Fundamente

Eine innovative Technologie feiert im Offshore-Windpark Kaskasi in der deutschen Nordsee von RWE Weltpremiere: Zum ersten Mal werden am Meeresboden spezielle Stahlkragen um Monopile-Fundamente gelegt. Der sogenannte „Collared Monopile“ wurde auf Grundlage eines von RWE entwickelten Patents entworfen. Die neue Technologie wird nicht nur zusätzliche Unterstützung bei seitlicher Belastung bieten, sondern auch die Tragfähigkeit von Monopile-Fundamenten insgesamt erhöhen. Damit verbessert sich die Standsicherheit des gesamten Fundaments, insbesondere bei schwierigen Bodenverhältnissen. Mit dem Transport und der Installation der Stahlkragen im 342-Megawatt-Windpark Kaskasi hat RWE Renewables Deme Offshore beauftragt. Der Offshore-Windpark Kaskasi wird aus insgesamt 38 Windturbinen bestehen. Jede Turbine wird über eine installierte Leistung von bis zu neun Megawatt (MW) verfügen. Die Windturbinen werden ab dem dritten Quartal 2021 auf Monopile-Fundamenten installiert. RWE greift dabei auf die Vibrationsrammtechnik, das sogenannte „Vibro Pile Driving“ zurück, eine effiziente Alternative zur herkömmlichen Schlagrammtechnik. Dieses optimierte Installationsverfahren hat das Potenzial, sowohl die Konstruktionszeiten als auch Schallemissionen zu verringern. Kaskasi wird der erste kommerzielle Offshore-Windpark der Welt sein, der diese Technik bei der Installation aller Monopile-Fundamente einsetzt, um diese bis zur endgültigen Tiefe in den Meeresboden einzubringen. Dies unterstreicht den Anspruch von RWE, bei der Förderung von Innovation und Technologie eine führende Rolle einzunehmen.

Wollen Sie neue Erkenntnisse zur Offshore-Windkraft im Blick behalten? Dann abonnieren Sie doch unseren kostenlosen Newsletter! Hier können Sie sich anmelden.