Foto: screenshot-BWE-webfail.de

Soziale Medien

Was es mit dem Facebook-Dialog um Klima erwärmende Windräder auf sich hat

Der Bundesverband Windenergie hat einen Facebook-Dialog aufgespürt, in dem ein Windkraftgegner wirrste Verschwörungstheorien äußert. Ist das noch echt?

Inhaltsverzeichnis

Tilman Weber

„Ich möchte einen Verein gründen, der Windräder verbietet“, schreibt Teilnehmer Mike in einer eigenartigen Logik. Darauf fragt ihn Facebook-Besucher Philipp scheinbar arglos: „Wollen die Windräder bei uns aufstellen?“ Woraufhin Mike ein Rätsel aufgebend antwortet: „Nein, ganz allgemein. Es geht mir neben dem Vogelschutz vor allem um den Klimaschutz wegen der Erderwärmung!“ – als seien Windräder irgendwie für die Erderwärmung zuständig. Diesem vermeintlichen Missverständnis geht Philipp nach und fragt zurück: „Windräder sind doch gut für die Umwelt!“ Woraufhin Mike auf eine explodierend farbenfrohe Gedankenwelt durchblicken lässt: „Nein, sind sie nicht. Sie beschleunigen die Erdrotation und führen dadurch zu mehr Wärme.“

"Es braucht keine Wissenschaft, nur klaren Verstand"

Weil Philipp weiter nachfragt, entfaltet sich ihm schließlich ein wahrlich von finsteren Verschwörungstheorien durchsetztes Weltbild, das offenbar der Akzeptanz der Windkraft entgegensteht. „Reibung“, lässt Mike wissen, sei eine entscheidend klimaschädliche Nebenwirkung, wenn die Windkraftrotoren durch die Luft schneiden. Reibung, woran denn? „An der Atmosphäre. Je schneller sie sich dreht, desto mehr reibt sie an der Atmosphäre.“ Um dann zu allem Überfluss nochmals ganz neue Ideen von der Welt zu offenbaren: „Wenn du mal eine Weile eine Wolke beobachtest, siehst du, dass sie sich fortbewegt. Das ist aber nicht die Wolke, die sich bewegt, sondern die Erde. Die dreht sich ja um die eigene Achse und an den Wolken vorbei.“ Um zu bestätigen, was Philipp schon geahnt und deshalb gerade nachgefragt hat: Ja, die Windräder seien daran schuld, „weil die ja den Fahrtwind der Erde nutzen und somit in derselben Richtung ausgerichtet sind. Diese Rotoren geben dem ganzen aber noch mehr Schub. …“ Um dies zu verstehen, brauche es „keine Wissenschaft, sondern einfach nur einen klaren Verstand“.

Dialog ist echtes Fundstück aus den sozialen Medien

„Manchmal drückt einfach der Aluhut zu dolle .....“, kommentierte der Bundesverband Windenergie (BWE) zu diesem Fundstück, das er auch auf der Plattform Twitter teilte. Wobei Aluhut die Metapher für Verschwörungstheoretiker ist. Der Dialog sei ein Fundstück „von einer Seite , welche die witzigsten Facebook Posts sammelt. Es handelt sich dabei um wahre Posts.“

Einziger Zweck: Diskussion anzetteln, Leichtgläubige finden

Eine Nachfrage beim windkraftfeindlichen Portal Gegenwind Bayern ergibt, dass auch aktive Windkraftfeinde derlei Argumentation nicht ernstnehmen können. Reiner Pracht ist der Betreiber der Website gegenwind.bayern. Er wehrt den Anschein einer Gemeinsamkeit mit Verschwörungstheoretikern wie Mike ab: „Ich glaube eher an einen Fake. Solche Dialoge kenne ich auch bei Facebook nicht. Da gibt es die bekannten Themen wie Infraschall, Insektenvernichtung. Es gibt Diskussionen zu lokalen klimatischen Veränderungen durch Windverwirbelungen. Auswirkungen auf die Erdrotationen sind einfach Unsinn. Ich könnte mir vorstellen, dass es Einzelpersonen sind, die - aus welchen Gründen auch immer - solche Diskussionen anzetteln. Einfach um zu sehen, ob es Menschen gibt, die so einen Quatsch glauben.“

Tipp: Sie wollen keinen Beitrag zur Windenergie in den Sozialen Medien verpassen? Dann abonnieren Sie doch den kostenlosen erneuerbareenergien.de-Newsletter. Hier geht es zur Anmeldung.