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H2-Marktindex: Wasserstoffmarkt in Deutschland stagniert trotz Fortschritten bei Infrastruktur

Der Wasserstoffhochlauf in Deutschland kommt nicht voran. Das zeigt der H2-Marktindex 2026, den Verbände der Industrie und Energiewirtschaft zum dritten Mal seit 2023 ermittelt haben. Mit 41 von 100 möglichen Indexpunkten liegt der Wert unverändert zum Vorjahr. Eine spürbare Belebung des Marktes ist laut der Analyse nicht erkennbar. Die Online-Erhebung wurde vom Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln im Auftrag von sieben Verbänden durchgeführt, darunter AGFW, DIHK, DVGW, H2Global Stiftung, VCI, VDMA und VIK. Insgesamt flossen 431 Rückmeldungen von Stakeholdern der Wasserstoffwirtschaft in die Auswertung ein.

Von den vier untersuchten Hauptrubriken konnte allein der Infrastrukturausbau einen Anstieg verzeichnen und liegt nun bei 36 Indexpunkten, nach 35 Punkten im Vorjahr und 24 Punkten im Jahr 2023. Das Innovationsumfeld blieb mit 55 Indexpunkten unverändert und ist damit der am besten bewertete Bereich. Abgenommen hat hingegen der politisch-regulatorische Rahmen mit einem Rückgang um zwei Punkte auf 36 Indexpunkte. Auch die Marktentwicklung verschlechterte sich um zwei Punkte auf 35 Indexpunkte.

Politischer Wille nimmt stark ab

Als wichtigster Treiber des Wasserstoffhochlaufs wird eine passende politische Zielsetzung genannt. Die Befragten erkennen jedoch einen stark abnehmenden politischen Willen und vermissen Marktstimuli. Das Vertrauen der Marktteilnehmer ist im Vergleich zum Vorjahr um elf Punkte gesunken. Parallel wird die Attraktivität des Geschäftsfeldes Wasserstoff zunehmend pessimistischer wahrgenommen. Der entsprechende Indexwert sank von 53 Punkten im Jahr 2023 kontinuierlich auf nun 39 Punkte. Die Verbände fordern einen verlässlichen politischen Kurs, der Investitionen ermöglicht und tragfähige Märkte schafft. Nur durch technologieoffene Rahmenbedingungen, wirksame Förderung wie Contracts for Difference sowie gezielte Nachfrageimpulse könne Wasserstoff die klimafreundliche Transformation vorantreiben.

Pipelineinfrastruktur entwickelt sich positiv

Der Infrastrukturausbau ist die einzige Hauptrubrik mit einem Anstieg im H2-Marktindex. Seit 2023 entwickelt sich dieser Bereich durchweg positiv von damals 24 auf heute 36 Indexpunkte. Besonders die Pipelineinfrastruktur sticht hervor mit einem Anstieg um zwei Indexpunkte zum Vorjahr und einem Plus von 15 Indexpunkten seit 2023 auf nun 46 Punkte. Die Speicherinfrastruktur liegt unverändert bei 31 Indexpunkten, die Importinfrastruktur bei 30 Punkten. Ein Grund für die positive Entwicklung ist die politische Entscheidung zum Wasserstoff-Kernnetz. Auch die zahlungspflichtigen Kapazitätsreservierungen im Kernnetz stiegen binnen drei Monaten von drei auf sechs Gigawatt. Bei Import- und Verteilnetzinfrastrukturen sowie Speichern sehen die Vertreter der Industrie und Energiewirtschaft jedoch dringenden Handlungsbedarf bei der Finanzierung. Import-Routen und Grenzübergangspunkte sind zwar geplant, verfügen aber weitgehend nicht über finale Investitionsentscheidungen.

„Die durchaus positiven Entwicklungen beim Kernnetz dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es Stimmen gibt, die den Rückbau der Verteilnetze fordern“, ordnet Gerald Linke, Vorstandsvorsitzender des DVGW Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches ein. Die Begründung  sei die Elektrifizierung von Gebäudewärme. Dieser Ansatz greife jedoch zu kurz und vernachlässige entscheidende Fakten wie die Rolle in der zukünftigen Energieversorgung. Verteilnetzbetreiber würden zudem verbindliche finanzielle Absicherung bei der Gestaltung der Netztransformation benötigen.

Technisches Regelwerk wird positiver bewertet

Das Innovationsumfeld bleibt mit 55 Indexpunkten gegenüber dem Vorjahr unverändert. Deutschland verfügt über eine starke Forschungs- und Innovationslandschaft, doch die breite industrielle Anwendung bleibt herausfordernd. Weiteren Entwicklungsbedarf sehen die Marktteilnehmer bei der Wasserstofferzeugung, den Importtechnologien und der Wasserstoffnutzung. Positiv entwickelt sich das technische Regelwerk. Im Subindex Innovationsumfeld wird dieser Bereich zunehmend positiv wahrgenommen mit einem Anstieg um elf Indexpunkte auf einen Wert von 60 Punkten. Im August 2026 waren bereits rund 670 Normen für Wasserstofftechnologien erfasst. Auch die seit 2020 deutlich gestiegenen Patentanmeldungen unterstreichen die Innovationsaktivität. Die Ergebnisse zeigen laut den Verbänden, dass es nicht an technologischen Entwicklungen mangelt, sondern diese in wirtschaftlich tragfähige Anwendungen und Investitionen überführt werden müssen.

Überregulierung als größtes rechtliches Hindernis

Die Bewertung des politisch-regulatorischen Rahmens ist weiter gesunken. Besonders deutlich zeigt sich dies beim wahrgenommenen politischen Willen, dessen Indexwert von 51 Punkten im Jahr 2023 auf 34 Punkte 2026 zurückging. Der rechtliche Rahmen verbesserte sich zwar leicht auf 39 Punkte, bleibt aber im negativen Bereich. Als größtes rechtliches Hindernis sehen 35 Prozent der Befragten die Überregulierung. Insbesondere die komplexen und kostenintensiven EU-Vorgaben für grünen Wasserstoff erschweren den Hochlauf. Die angekündigte Überprüfung der Herstellungskriterien steht noch aus. Auch die Förderkulisse wird zunehmend schlechter bewertet. Ihr Indexwert sank seit 2023 von 40 auf 34 Punkte. Es gibt zwar diverse Förderprogramme auf nationaler und EU-Ebene, diese erscheinen aber kleinteilig und unübersichtlich. Die bereitgestellten Mittel haben bisher nicht ausgereicht, um einen liquiden Wasserstoffmarkt zu entwickeln.

Wirtschaftlichkeit bremst Markthochlauf

Für 58 Prozent der Befragten ist die Marktentwicklung, also Angebot, Nachfrage und Marktpreis, die größte Herausforderung des Wasserstoffhochlaufs. Seit der ersten Erhebung 2023 mit 49 Indexpunkten ist der Wert kontinuierlich gesunken. Den aktuellen Stand des Markthochlaufs bewerten die Marktakteure mit 29 Indexpunkten als eher negativ. Gründe sind unter anderem verzögerte Elektrolyseprojekte, ein geringes Angebot bei schwacher Nachfrage sowie hohe Energiekosten. Die Erwartung hinsichtlich der Attraktivität von Wasserstoff als Geschäftsfeld in den kommenden zwölf Monaten ist auf 41 Indexpunkte gesunken, nach 44 im Vorjahr und 55 im Jahr 2023. Die inländischen Produktionsziele für 2030 gelten als nicht erreichbar, wodurch Importe weiter an Bedeutung gewinnen. Am kritischsten bewertet die Industrie als potenzieller Abnehmer den Hochlauf mit 29 bis 35 Indexpunkten, am positivsten die Fernleitungsnetzbetreiber mit 51 Punkten.

Kosten für grünen Wasserstoff zu hoch

Die Kosten für grünen Wasserstoff liegen weiterhin deutlich über dem, was Abnehmer zu zahlen bereit sind. Um diese Wirtschaftlichkeitslücke zu schließen, fordern die Verbände, Midstreamer-Instrumente und Contracts for Difference bürokratiearm mit weiteren Mitteln auszustatten, Investitionsrisiken staatlich abzusichern, grüne Leitmärkte pragmatisch zu gestalten und übergangsweise Book-and-Claim zu ermöglichen. Der H2-Marktindex dient dazu, die Wahrnehmung von Marktakteuren bezüglich der Entwicklung eines Wasserstoffmarktes in Deutschland zu ermitteln und identifiziert Herausforderungen sowie mögliche Problemfelder im Markthochlauf.

„Die Befragung belegt erneut: Die Technologie ist verfügbar, aber die gesetzliche Regulatorik schafft noch keinen zuverlässigen, praxistauglichen Rahmen. Für einen tragfähigen Wasserstoffmarkt bedarf es weniger, aber besserer Regulierung!“, sagt Peter Müller-Baum, Geschäftsführer VDMA Power-to-X for Applications.