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Die Zukunft ist erneuerbar – und die Gegenwart ist es schon halb. 

Energiemarkt der Zukunft

Wind überflügelt Kohle bei 47 Prozent Erneuerbaren

Weil der Kohlestromverbrauch 2020 zurückgegangen ist, kam Wind auf einen besseren Wert bei insgesamt starkem Regenerativstromanteil. Bei Atomkraft geht es nur noch um Geld. 

Der Abschied von Fossilen und Atomkraft wird dieser Tage wieder deutlich. Zum einen wurde mit einem Urteil den Betreibern von Atomkraftwerken wegen des Ausstiegs jetzt nur ein grundsätzliches Recht auf Entschädigung und noch keine Entschädigungszahlungen zugesprochen. Die Anwaltskanzlei Becker Büttner Held, die die Länder Rheinland-Pfalz, NRW und Bremen vor dem Verfassungsgericht vertreten hat, erwartet eine Entschädigung in Höhe eines mittleren dreistelligen Millionenbetrags. Die Entschädigung wird gewährt für die Reststrommengen der AKW Mülheim-Kärlich und Krümmel, die von RWE und Vattenfall nicht mehr auf andere AKW übertragen werden können sowie für Investitionen zwischen Dezember 2010 und März 2011. Neben einer finanziellen Entschädigung ist auch ein Ausgleich durch längere Laufzeiten einzelner AKW denkbar, wie die Kanzlei betont. Die Atomkonzerne hatten knapp 20 Milliarden Euro für entgangene Gewinne gefordert.

Erneuerbare haben knapp 50 Prozent Anteil am Strommix

Zum anderen waren die Fossilen Thema in dem Sinne, dass gerade die Windkraft in Deutschland die Kohle überholt hat. Erstmals wurde also mehr Strom aus Wind erzeugt und ins heimische Netz eingespeist als aus Kohlekraftwerken, wie das Statistische Bundesamt berichtete. Der Anteil der Windkraft am Energiemix lag bei 25,6 Prozent, damit war erstmals ein erneuerbarer Energieträger auf Platz 1. Insgesamt erreichten die Erneuerbaren den Anteil von 47 Prozent, nach 42,3 Prozent im Jahr 2019. 

Die Anteile von Kohle (24,8 Prozent) und Kernenergie (12,1 Prozent) gingen zurück, während Gaskraftwerke mit 13,6 Prozent mehr Strom lieferten. Insgesamt war die Stromerzeugung aber rückläufig, weil insbesondere im ersten Corona-Lockdown im Frühjahr die Nachfrage sank.

Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) hat vor zwölf Jahren genau diese Prognose abgegeben. Eine Punktlandung. Und angesichts der Tatsache, dass er Ausbau immer noch massiv vom Willen der Politik abhängt auch ein bisschen ein Zufallstreffer. „Die Branche hat ihr Versprechen eingehalten, trotz teils widriger Rahmenbedingungen, nahezu die Hälfte der Stromversorgung ohne CO2-Emissionen zu erzeugen und die aus regenerativen Erzeugungstechnologien generierte Strommenge in nur zehn Jahren zu verdreifachen. Gleichzeitig wurden viele Technologien wettbewerbsfähig und erwiesen sich in Krisen sogar als besonders resilient“, so BEE-Präsidentin Simone Peter. „Hätte man die Rahmenbedingungen und den Strommarkt aber konsequent nach den Bedürfnissen der erneuerbaren Energien ausgerichtet, läge man heute schon bei höheren Anteilen“, so Peter weiter. 

Positive Wertschöpfungseffekte

Nun müsse die nachhaltige Energieversorgung auf ein neues Level gehoben werden. „Erneuerbare Energien sind günstige Klimaschützer, mit denen die fortschreitende Erderwärmung begrenzt werden kann, die Versorgung dauerhaft gesichert wird und positive Wertschöpfungseffekte auf allen Ebenen generiert werden können. Ihr Ausbau muss in allen Sektoren und für sektorübergreifende Technologien wie Grünen Wasserstoff oberste Priorität besitzen“, so Peter. Insbesondere die Erhöhung der europäischen Klimaziele und der durch Sektorkopplung wachsende Strombedarf müsse sich nun schnellstmöglich auch in der Erhöhung der nationalen Ausbauziele und -mengen wiederfinden. „Mit den aktuellen Weichenstellungen wird es bereits schwer, das bisherige Klimaziel zu erreichen, ein erhöhtes Klimaziel braucht also noch mehr Ambition bei der Energiewende. Die erneuerbaren Energien stehen in der gesamten Technologievielfalt zur Verfügung, um die Energieversorgung im Gesamten zu dekarbonisieren und den Wirtschaftsstandort zukunftsfähig zu gestalten. Unternehmen wie Bürgerschaft wollen die erneuerbaren Energien weiter gestärkt sehen und sich aktiv daran beteiligen“, so Peter abschließend.

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