Deutsche Flugsicherung

Windkraft-Blockade beim Thema Radar behoben

Bei der Bewertung von Windkraft in Drehfunkfeuer-Nähe wird ein verbessertes Verfahren angewandt, das hunderten Anlagen die Chance auf Realisierung gibt.

Nicole Weinhold

Die Auswirkungen von Windenergieanlagen auf Drehfunkfeuer wird künftig dank eines neuen Bewertungsverfahrens exakter festgestellt. Das könnte dazu beitragen, dass hunderte Windenergieanlagen realisiert werden können, die vorher von der Deutschen Flugsicherung (DFS) als störend eingeschätzt worden waren. DFS und das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) nutzen in Zukunft die überarbeitete Bewertungsmethode aus dem Projekt „Wechselwirkung von Windenergieanlagen und terrestrischer Navigation/Radar“ (Weran Plus) der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB). Dank der Methoden aus dem Weran-Plus-Projekt könne die systematische Überbewertung möglicher Störungen und daraus folgender Abstände endlich faktenbasiert korrigiert werden, sagt Wolfram Axthelm, Geschäftsführer des Bundesverbands Windenergie zur Anwendung der neuen Bewertungsmethode: „So ist ein Ausgleich zwischen den berechtigten Belangen der Flugsicherung und dem Ausbau der Windenergie möglich.“

Bei dem Weran-Plus-Projekt wurden mittels drohnenbasierter Vor-Ort-Messungen und numerische Vollwellensimulationen die Auswirkungen von Windenergieanlagen auf Doppler-Drehfunkfeuer (DVOR) untersucht. Auf dieser Grundlage wurde die von der DFS entwickelte Berechnungsformel in Zusammenarbeit mit der PTB weiterentwickelt und angepasst. Jetzt wird sie durch die DFS übernommen und in Windenergieprojekten ab Juni angewandt. Eine Branchenumfrage hatte 2019 gezeigt, dass mehr als 1.000 Windenergieanlagen mit 4.800 MW Leistung derzeit nicht realisiert werden, weil ihnen der Einfluss auf Flugnavigationsanlagen entgegengehalten wird. Ein Teil dieser Projekte sollte jetzt realisiert werden können.

Das sei ein wichtiger erster Schritt, um die Blockade vieler gut geeigneter Flächen für die Windenergie zu beenden. Jetzt müsse allerdings auch der zweite Schritt erfolgen: Deutschland leiste sich mit 15 Kilometern einen Prüfradius um die Drehfunkfeuer, der international einmalig ist. Der Radius müsse mindestens auf den international üblichen Maßstab von zehn Kilometern herabgesetzt werden, so Wolfram Axthelm. Mit der Nutzung der neuen Methode werde ein kleiner Teilaspekt der Aufgabenliste Wind an Land des BMWi erfüllt. "Wir hoffen, dass nun weitere Aufgaben abgearbeitet werden, um den Ausbau der Windenergie voranzutreiben“, machte Axthelm deutlich.

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