Foto: Siemens Gamesa Renewable Energy

Windmarkt

Zweitbestes Windpark-Baujahr in Europa – Stabilisiertes Ranking der Turbinenbauer

Starker Windparkzubau auf See und auffrischende Mittelmärkte beflügelten 2019 Europas Windkraft. Turbinenbauer Vestas festigt Spitzenposition.

Inhaltsverzeichnis

Tilman Weber

Mit 15,4 Gigawatt (GW) (siehe Grafiken hier) installierten die Turbinenhersteller zusammen mit den Windpark-Projektierern im vergangenen Jahr sogar wieder 27 Prozent mehr zusätzliche Erzeugungskapazität in Europa als im Vorjahr. Das meldet der Windenergieverband Wind Europe. Die Intensivierung der Errichtungsaktivitäten auf dem Kontinent bewirkte demnach ein Plus bei der jährlich neu installierten Leistung um 3,3 GW. 0,9 GW dieses Mehrausbaus stammten aus dem Offshore-Windkraftgeschäft, wo – weiterhin fast komplett in Mitteleuropa – die Errichterteams 3,6 GW hinzustellten - nach 2,7 GW im Vorjahr. Das war sogar mehr als im bisherigen Rekordjahr 2017, als die vor Europas Küsten entstehende Meereswindturbinen-Flotte um brutto 3,2 GW an Leistungskraft hinzugewonnen hatte.

Spanien ist wieder zurück

Doch nicht nur die stabile Konjunktur der Meereswindkraft war dieses Mal entscheidend: Mehr noch bewirkte 2019 der speziell in einigen europäischen Mittelmärkten ausgeweitete Windparkausbau. So wurde Spanien nach Jahren der fast kompletten Abstinenz aus dem europäischen Installationsgeschäft nun mit 2,3 GW neu installierter Leistung zum zweiten Mal Europas Spitzenreiter des Onshore-Zubaus nach der bisher stärksten Phase des Landes von 2007 bis 2009 (siehe Grafiken). Nur in Kombination mit dem starken Offshore-Zubau verblieb Großbritannien im Gesamtranking mit fast 2,4 GW noch knapp davor. Drittgrößter Windmarkt nur war dieses Mal der seit einem Jahrzehnt dauerführende Markt Deutschland mit knapp 2,2 GW – hier geschah sogar mit 1,1 GW gut die Hälfte des Zubaus auf dem Meer.

Rege Ausbauaktivitäten in neuen und alten Mittelmärkten

Vor allem allerdings hinter den traditionellen Führungsmärkten und ehemaligen Führungsmärkten tat sich 2019 viel: Viertstärkster Windmarkt, aber zweitbestes Land beim Ausbau von Windparks an Land war Schweden mit fast 1,6 GW. Hier explodierte der Zubau förmlich, nachdem die Skandinavier bisher immer einen Markt zwischen in der Regel über 500 und bestenfalls 900 MW beackert hatten. Während ansonsten Frankreich als fünftgrößter Markt mit 1,3 GW seinen Ausbautrend als Windmarkt im niederen Gigawatt-Bereich stabilisierte, kehrten im Bereich der Europäischen Union (EU) insbesondere auch Griechenland mit mehr als 700 Megawatt (MW) sowie Italien und Irland mit jeweils leicht mehr als 450 MW als Mittelmärkte zurück.

Dahinter fand im EU-Bereich nur noch in Finnland, Belgien und Österreich ein Zubau der Windkraft an Land im dreistelligen MW-Bereich statt: 243 MW waren es noch in Finnland. In Belgien bauten die Errichterteams 207 MW Onshore-Erzeugungskapazität neu hinzu. Allerdings erfuhr in Belgien als traditionellem Offshore-Markt auch die Windkraft auf See einen Zubau um sogar 370 MW und ließ den Benelux-Staat daher zwar noch hinter Griechenland landen – aber vor Irland und Italien. Im Alpenstaat Österreich kamen 152 MW neu hinzu. Das windreiche dreifach von Küsten umgebene Dänemark blieb mit 28 MW neuer Erzeugungskapazität an Land erneut fast ohne Bewegung. Wegen eines Offshore-Ausbaus um 374 MW waren die Südskandinavier dennoch insgesamt für 400 MW gut.

EU-Osteuropa bleibt enttäuschend

Die osteuropäischen EU-Staaten enttäuschen hingegen inzwischen verlässlich alle Erwartungen, die in der Windbranche für sie noch vor einigen Jahren blühten. So kamen Kroatien und Polen als größte osteuropäische EU-Märkte vergangenen Jahres auf gerade mal 69 und 53 MW noch vor Tschechien mit 20 und Estland mit 10 MW. Alle anderen östlichen EU-Länder markierten Totalausfälle. In den Nicht-EU-Ländern sorgten hingegen drei weitere Mittelmärkte für starkes Wachstum: Norwegen mit 780 MW, was damit europaweit siebtwichtigster Windmarkt wurde; die Türkei mit 686 MW, die damit knapp hinter dem Nachbarn Griechenland auf Rang neun landete; und die Ukraine mit 637 MW, die Rang zehn belegte. Für das bisher fast windenergieabstinente Russland meldete Europas Branchenverband Wind Europe einen Zubau von weiterhin mageren 50 MW, für Bosnien-Herzegowina von 36 MW.

Ranking der Turbinenbauer mit stabiler Führung

Derweil meldete auch schon der Marktanalysedienst Bloomberg New Energy Finance (BNEF), wie sich die Windturbinenhersteller weltweit den Markt 2019 aufteilten (siehe Grafik unten). Hier festigte Weltmarktführer Vestas die Spitzenposition mit einem Zubau allein an Land von 9,6 GW. Siemens Gamesa belegte Rang zwei – mit 8,8 GW. Allerdings hat der deutsch-spanisch-dänische Turbinenhersteller anders als Vestas auch die Offshore-Installationen in seiner Bilanz integriert, die mehr als ein Drittel der mit Siemens-Gamesa-Anlagen neu installierten Kapazität ausmachte. Vestas hingegen hatte vor mehreren Jahren zusammen mit dem japanischen Konzern Mitsubishi das Joint Venture MHI Vestas ausgegründet, das das Offshore-Geschäft der Dänen komplett übernommen hatte und auf See jährlich ebenfalls Windkraft im GW-Bereich zubaut.

Sechs chinesische Hersteller unter ersten Zehn

Mit Goldwind rangiert auf Platz Drei der erste chinesische Hersteller mit 8,25 GW – der allergrößte Teil davon entstand in Windparks an Land. Wie BNEF resultieren stammen die starken Unternehmenszahlen wie bei allen anderen chinesischen Herstellern weiterhin fast ausschließlich und bei Goldwind weit überwiegend von Errichtungen im Heimatmarkt China. Mit GE und Nordex landeten die beiden weiteren nichtchinesischen und traditionellen Hersteller, beide mit Fertigungen in Deutschland, auf Rang Vier und Rang Acht. GE war nicht zuletzt dank eines hohen Anteils am erneut starken Heimatmarkt USA mit 7,37 GW sehr erfolgreich. Die Nordex-Gruppe verblieb bei 1,96 GW im unteren GW-Bereich.

Auf den übrigen fünf Platzieren landeten der Reihe nach die chinesischen Unternehmen Envision, Ming Yang, Windey, Shanghai Electric und CSIC.

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Grafiken zum Windparkzubau in Europa 2019 und zum neuen Ranking der Windenergieanlagenhersteller

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