Foto: Fotospektrum - deanGruppe

Superturbinen und Akzeptanz

17 Gigawattstunden für Oyten

Gut mit Kommunen und Bürgern abgestimmte Projekte lassen trotz Blockadepolitik aus Berlin tolle Windturbinenerrichtungen zu. So wie in Oyten.

Inhaltsverzeichnis

Tilman Weber

Ein gewaltiges handfestes Ausrufezeichen setzt das niedersächsische Windparkunternehmen Dean Gruppe zusammen mit der bei Bremen gelegen Kommune Oyten. Nach Unterzeichnung des Vertrages der neuen örtlichen Bürgerenergiegesellschaft Tüchten durch Dean-Gruppe-Geschäftsführer Alexander Jäger-Bloh und die Oytener Bürgermeisterin Sandra Röse am Donnerstag im Rathaus der im Wesertiefland gelegenen Gemeinde soll nun mit dem Bau einer der bundesweit bisher leistungsstärksten und ertragreichsten Windturbinen an Land begonnen werden. Im Auftrag der Bürgerenergiegesellschaft lässt Dean eine 5,3 Megawatt (MW) leistende Windturbine des US-amerikanisch-deutschen Herstellers GE mit 158 Meter Rotordurchmesser errichten. Die für Starkwindsituationen designte Anlage ist für die Orkanwindböen-Windklasse S zugelassen. Im Herbst werde die Maschine Betrieb gehen, kündigte die Dean Gruppe an.

Kommune und Bürger beteiligt

Beteiligt an der Anlage ist außer den regionalen Bürgern mit eigenem Kapital auch die Kommune Oyten selbst. Die zuständige Fachbereichsleiterin Oytens, Cordula Schröder, sagte im Rahmen der Vertragsunterzeichnung: „Wir haben Visionen, und es geht uns um die Zukunft, denn auch bei uns weht der frische Wind der Veränderung. Einige Menschen bauen dann Mauern und andere, wie wir, die Gemeinde Oyten, bauen Windenergieanlagen. Unser Beitrag zum Klimaschutz ist kein Kampf gegen Windmühlen – im Gegenteil!“

Damit positioniert sich die Gemeinde offiziell und demonstrativ gegen die nicht zuletzt von der Bundesregierung, aber auch von den Oppositionspartien AFD und FDP verbreitete Sicht, neue Windparkprojekte insbesondere aufgrund der Dimensionen heutiger Turbinen von weit mehr als 200 Meter Gesamthöhe fänden in den betroffenen Landkommunen keine Akzeptanz mehr.

Tatsächlich setzen Projektierer und Turbinenhersteller die Anlage auf den größten von GE angebotenen Hybrid-Beton-Stahlturm mit 161 Meter Naben- und 240 Meter Gesamthöhe. Für den Jahresertrag peilen sie zusammen mit der Bürgergesellschaft und der Kommune eine Stromeinspeisung von rund 17.000 Megawattstunden (MWh) an. Dies entspräche einer Auslastung der Anlage von mehr als 3.200 Volllaststunden beziehungsweise rund 36 Prozent. Die Auslastung entspräche damit den inzwischen üblichen erhöhten Werten der spätestens seit Mitte des vergangenen Jahrzehnts bundesweit installierten Binnenland-Turbinen mit besonders großen Rotorflächen. Mit 158 Meter Rotordurchmesser ist die GE-Anlage diejenige mit der derzeit größten Rotorfläche bundesweit. Wettbewerber unter den Turbinenbauern haben neue Anlagen mit bis zu 170 Meter Rotordurchmesser allerdings bereits angekündigt. Einige der GE-Anlagentypen desselben Typs mit 158 Meter Rotordurchmesser sind im Bundesgebiet bereits 2019 errichtet worden.

Für Gemeinde idealer Standort

In der jüngeren Vergangenheit hatte sich Oyten zwar bereits vehement gegen Turbinenerrichtungen an der westlichen Grenze des Gemeindegebiets gewehrt, wo die benachbarte Hansestadt Bremen eine Errichtungsgenehmigung vorsah. Die dort geplante Anlage konnte die Gemeinde nicht verhindern – sie entstand zwei Kilometer von der Ortsgrenze in Hauptwindrichtung. Den neuen Windpark plant Oyten an der Ostgrenze des Gemeindegebiets, jenseits der Autobahn, am Standort der kleinen Außensiedlung Tüchten – zudem deutlich weiter vom Ort entfernt. Geräuschübertragungen des Anlagenbetriebs durch Luftströmungen in Richtung Oytens sind damit wohl so gut wie ausgeschlossen oder eine absolute Seltenheit.

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