Foto: Feydzhet Shabanov - stock.adobe.com

Fachaufsatz

3 Dinge, die Unternehmen aus der Coronakrise für ihre Nachhaltigkeitstransformation lernen können

Covid-19 stellt Humanität über Wirtschaftlichkeit. Mathias Lelievre erklärt, wie sich Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz vereinbaren lassen.

Inhaltsverzeichnis

Der Klimawandel war das mit Abstand am meisten diskutierte, umstrittene und analysierte Risiko unserer Zeit. Und dann kam Covid-19. Auch wenn sich die Corona-Pandemie hoffentlich in Auswirkung und Langlebigkeit von der Klimakrise unterscheidet, hinterlässt auch sie ihre Spuren in der Geschäftswelt. So ist im zweiten Quartal dieses Jahres das BIP in Deutschland um 10,1 Prozent gefallen – der stärkste Rückgang seit Beginn der Berechnungen.

Dies sind eindeutig keine einfachen Zeiten. Trotzdem haben zahlreiche Unternehmen schnell und gewissenhaft auf Covid-19 reagiert. Sie haben ihre Prozesse umgestellt und das allgemeine Wohl und die Gesundheit ihrer Mitarbeiter und Kunden vorangestellt. Trotzdem dürfen Maßnahmen zum Klimaschutz jetzt nicht ausgesetzt werden. Auch hier stehen das Wohl und die Gesundheit der Mitarbeiter und Kunden weit vorne. Denn die Klimakrise bleibt trotz Covid-19 das dringlichste globale Problem. Auffallend ist, dass ein Großteil der Unternehmen, die schnell auf die Coronakrise reagiert haben, auch führend in der Nachhaltigkeitstransformation sind. So hat beispielsweise IKEA, der für seinen Umweltschutz bekannte Möbelkonzern, Krankenhäuser mit Sachspenden von Möbeln und Schutzausrüstung unterstützt. Microsoft war eines der ersten großen US-Unternehmen, das seine Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt und auch bei reduzierter Arbeitszeit weiter den vollen Lohn gezahlt hat. Zusätzlich unterstützt das Unternehmen seine Mitarbeiter und Kunden mit zahlreichen Angeboten für Homeoffice oder Remote Learning. Im Januar hat das Technologieunternehmen sein Ziel bekannt gegeben, bis 2030 CO2-negativ zu werden. Eine Krise verlangt von Unternehmen schnelle Innovationen, Investment und Mut. Unternehmen, die diese Erfahrungen schon mit ihrer Nachhaltigkeitsstrategie gemacht haben, konnten auch jetzt schneller reagieren.

Von der Coronakrise zur Klimakrise

Die Reaktionen auf Covid-19 haben gezeigt, dass es möglich ist, Humanität über Wirtschaftlichkeit zu stellen. Angesichts der unmittelbaren Bedrohung ist die Welt in einer noch nie dagewesenen Weise zusammengekommen, bis vor wenigen Monaten ein noch unvorstellbares Szenario.

Genauso wie Covid-19 verlangt auch die Klimakrise drastische und sofortige Maßnahmen. Allerdings sind die Auswirkungen häufig nicht greifbar. Das Ausmaß der Bedrohung durch den Klimawandel erscheint deshalb möglicherweise nicht so groß oder unmittelbar. Die Folgen der Pandemie hat jeder direkt gespürt und viele Unternehmen leiden noch immer unter den wirtschaftlichen Auswirkungen. Der Umsatz ist zurückgegangen, Lieferketten sind unterbrochen und Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Die Klimakatastrophe dagegen ist schwerer zu erfassen und wird dadurch oft unterschätzt. Die Folgen sind noch nicht so präsent wie die von Covid-19 und werden häufig unterschätzt. Dadurch wurden Klimaschutzmaßnahmen bereits oft aufgeschoben. Doch sind die Kosten für entstandenen Schaden meist höher als Investitionen zur Vorsorge oder Eindämmung. Klimaschutz muss jetzt auf der Agenda der Unternehmen stehen und bei künftigen Entscheidungen und Lösungen mit einbezogen werden. Mit der richtigen Strategie lassen sich Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz durch kosteneffiziente neue Technologien und digitale Lösungen miteinander vereinbaren.

Die Nachhaltigkeitstransformation angehen

Veränderungen sind langwierige Prozesse und Unternehmen müssen ihre Nachhaltigkeitstransformation ganzheitlich angehen, um langfristige Fortschritte zu verzeichnen. Covid-19 hat bewiesen, dass Unternehmen drei Dinge schnell umsetzen können, die auch für erfolgreichen Klimaschutz als essenziell sind.

1. Partnerschaften und Kooperationen:

Knüpfen Unternehmen neue Partnerschaften oder gehen neue Kooperationen ein, können sie gemeinsam einen großflächigen Wandel vorantreiben. Während Corona haben solche Partnerschaften die die Durchführung von Tests und die Entwicklung eines Impfstoffes vorangetrieben. Ein anderes Beispiel ist die Kooperation von McDonald’s und Aldi: In der Krise hat das Fastfood-Unternehmen die Supermarktkette mit Personal unterstützt. Viele Filialen der Fastfood-Kette brauchten weniger Mitarbeiter als üblich und diese haben kurzerhand im Discounter ausgeholfen. Auch kooperierten Pharmakonzerne mit Apotheken, so dass diese ausreichend Desinfektionsmittel herstellen konnten. Auch für den Klimaschutz zahlen sich Partnerschaften aus. Der Industriekonzern Thyssenkrupp kooperiert beispielsweise mit zahlreichen Partnern aus Industrie und Wissenschaft, um seine Emissionen zu reduzieren. Bis 2030 plant der Stahlhersteller, seine Emissionen um 30 Prozent zu reduzieren und bis 2050 soll die gesamte Produktion klimaneutral ablaufen. Um dies möglich zu machen, zählen zu den Partnern Unternehmen wie Siemens, Evonik, Linde oder das Fraunhofer-Institut. Die Kooperationen ermöglichen unter anderem schnellere Forschung und Entwicklung, um so langfristig die Stahlproduktion nachhaltiger zu gestalten.

2. Wissenschaft und Technologie:

Ein besseres Verständnis der Bevölkerung fördert ein schnelles Handeln. Wissenschaftler haben früh über die möglichen Folgen von Covid-19 aufgeklärt und diese anhand von Visualisierungen leicht verständlich gemacht. Simulationen, die zeigen, wie sich das Virus ausbreitet und welchen Einfluss jeder einzelne haben kann, wenn er zuhause bleibt, haben dazu beigetragen, dass die Menschen die Dringlichkeit der politischen Maßnahmen verstehen und akzeptieren. Für die Klimakrise und ihre Auswirkungen gibt es bereits zahlreiche wissenschaftliche Belege. Meist scheitert es an der großflächigen Umsetzung. Hier können innovative Technologien helfen, die Lösungen, Analysen und neue Ansätze für Klimaschutzmaßnahmen bieten.

3. Finanzielle Unterstützung:

Die unmittelbare Katastrophe machte zahlreiche Finanzierungen möglich. So werden betroffene Unternehmen staatlich unterstützt, es gibt Hilfen für Start-ups und auch betroffene Arbeitnehmer werden finanziell entlastet. Das Corona-Hilfspaket ist das größte in der Geschichte Deutschlands. Mithilfe von 130 Milliarden Euro soll die Wirtschaft wieder aufgebaut werden und die Menschen gestärkt aus der Krise hervorgehen. Die Herausforderung besteht nun darin, diese Mittel weiterhin verantwortungsbewusst einzusetzen. Mit der Summe soll sowohl die aktuelle Krise bewältigt, aber auch die wirtschaftliche und ökologische Belastung für zukünftige Generationen minimiert werden. Etwa dadurch, dass eine finanzielle Unterstützung an klimaschützende Aktionen geknüpft ist.

Fazit

Unternehmen müssen sich gegen den Klimawandel genauso aktiv einsetzen wie gegen Covid-19. Denn wenn keine zusätzlichen Klimaschutzmaßnahmen ergriffen werden, ist ein wirtschaftlicher Einbruch von bis zu 20 Prozent zu erwarten. Stakeholder und Verbraucher fordern von Unternehmen mehr denn je ein nachhaltiges Verhalten. Höchste Zeit, darauf einzugehen und sich nachhaltig aufzustellen.

Viele Unternehmen konnten durch vorbildliches Handeln in der Krise das Vertrauen der Verbraucher gewinnen. Um dieses aufrecht zu halten, sollten sie ihre finanziellen Mittel nutzen, um Nachhaltigkeitsinitiativen zu beschleunigen. Die Krise hat eine Veränderung bewirkt. Jetzt ist es an den Unternehmen diesen Wandel zu Gunsten des Klimaschutzes weiterzuführen.

Autor: Mathias Lelievre, CEO von ENGIE Impact

Wollen Sie neue Erkenntnisse zur Energiewende im Blick behalten? Dann abonnieren Sie doch unseren kostenlosen Newsletter! Hier können Sie sich anmelden.