Foto: stitute for Nature Research

Vogelschutz

72 Prozent weniger tote Vögel durch schwarz gestrichenes Rotorblatt

Ein schwarzes Rotorblatt könnte Vogelsterben in Windparks um bis zu 72 Prozent reduzieren, wie eine neue Studie zeigt.

Inhaltsverzeichnis

Nicole Weinhold

Norwegische Forscher des Institute for Nature Research haben im Windpark Smøla auf der gleichnamigen vogelreichen Insel an Norwegens Westküste vier Windkraftanlagen mit jeweils einem schwarzlackierten Rotorblatt ausgestattet. Siebeneinhalb Jahre lang vor dem Anstrich, seit 2006, und dreieinhalb Jahre danach haben sie die Anlagen in dem Statkraft-Windpark mit 152,4 MW beobachtet und die Ergebnisse analysiert. Fazit: 71,9 Prozent weniger Tiere sind an diesen Anlagen verendet, nachdem je ein Rotorblatt schwarz angestrichen worden war.

In der Studie, die in der Zeitschrift Ecology and Evolution veröffentlich worden ist, zeigen die Autoren, dass die Zahl der durch Rotoren verunglückten Vögel stark schwankt, weshalb sie die Studie auf einen längeren Zeitraum angesetzt haben.

Scheibenoptik wird aufgehoben

In der Studie erklären die Autoren, warum Vögel die Rotoren besser erkennen können, wenn ein einzelnes Rotorblatt schwarz angestrichen ist: Wenn wir vor unseren Augen mit eine Zeitung schnell auf- und abwedeln, sehen wir nur noch eine verwischte Fläche. Genauso geht es Vögeln beim Anblick drehender Windkraftrotoren. Sie nehmen sie nicht mehr als einzelne Flügel wahr, sondern als eine verwischte Scheibe. Daher erkennen sie die Gefahr nicht. Durch den einen schwarz gestrichenen Rotor wird die Scheibenoptik aufgelöst und die Tiere erkennen die Flügel. Dabei stellt sich allerdings die Frage, warum ein Tier gegen eine Scheibe fliegen will? Gleichwohl, die Zahlen sprechen erstmal für die Studie.

Die Wissenschaftler verweisen auf die geringe Datenmenge und empfehlen daher, diese Untersuchung zu wiederholen, um Sicherheit bei den Ergebnissen zu erlangen. Sie regen an, einzelne Anlagen in Windparks mit einem schwarzen Blatt auszustatten und zu monitoren. Wichtig wäre in dem Zusammenhang auch zu untersuchen, was an den nicht gestrichenen Anlagen passiert. Häufen sich dort die Vogelschlag-Ereignisse?

Kostengünstige Lösung

Fest steht: Die Studie könnte eine einfache und kostengünstige Lösung darstellen, wenn es um den Schutz von Vögeln in Windparks geht. Gleichwohl hat die Sache einen gewaltigen Haken: Die Flügelfarbe ist in der Vergangenheit bereits Thema vieler Tests von Herstellerseite aus gewesen. Dabei ging es aber vor allem um einen Aspekt: Den besten und daher unauffälligsten visuellen Eindruck. Dabei stellte sich ein helles Grau als ideale Rotorblattfarbe heraus. Diese "verschwindet" am ehesten vor dem Himmel. Wird nun ein Flügel schwarz gestrichen, dann hebt dieser sich massiv in der Sichtbarkeit hervor. Das würde so aussehen wie ein nervös drehender Zeiger einer zu schnellen Uhr. Es ist fraglich, ob die Menschen das wollen.

Akzeptanz und visueller Eindruck

Die Akzeptanz von Windkraftanlagen hängt stark vom visuellen Eindruck ab. Das wird dadurch deutlich, dass die Bedarfsgerechte Nachtkennzeichnung nun eingeführt wird, mit der das nächtliche Blinken der Windkraftanlagen ein Ende hat.

Vermeintliche Naturschützer, die eigentlich eher die Windkraft aus eigenem Wunsch verhindern wollten, würden sich ins eigene Bein schießen, wenn zum Schutz von Rotmilan und Co. die schwarzen Rotoren kommen würden.

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