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Umfrage: Erwartungen der Windbranche zu 2018

Kooperativer, innovativer, schneller: 23 Vorsätze für den neuen Wettbewerb

Die in Deutschland tätigen Windenergieunternehmen planen längst konkret für eine von hohem Wettbewerb geprägte Branchenwirtschaft: 2018 wollen sie neue Unternehmenskonzepte antesten, trotz Ausbaulimits im Heimatmarkt Deutschland weiterwachsen - und hoffen auf ausstehende unterlassene Hilfestellungen durch die Politik.

Umfrage Windbranche für 2018Guido VietenEcofinConcept

Guido Vieten, Geschäftsführer, Ecofin Concept GmbH: Der Markt für Wind- und Solarenergie in Deutschland durchläuft gerade einen fulminanten Wandel. Weg vom staatlich geförderten EEG hin zum freien Massenmarkt. Die Anforderungen an Planung, Finanzierung und Betrieb werden dadurch aber weiter steigen. Konnte man sich früher bei Beginn der Planung sicher sein, dass sich der Betrieb der Anlage auch lohnen würde, so hat sich dieses mittlerweile grundlegend geändert. Ein gutes Kostenmanagement und alternative Verkaufswege werden mehr und mehr über Erfolg oder Misserfolg der Projekte entscheiden. Hier erwarten wir bereits den Schwerpunkt unserer Beratungstätigkeit in 2018. Ecofin Concept ist davon überzeugt, dass sich schon bis 2020 andere Optionen für die Stromvermarktung ergeben werden. Power Purchase Agreements (PPAs) zwischen Anlagenbetreiber und Stromabnehmer wären dabei nur eine von mehreren Möglichkeiten. Vorausgesetzt, die Politik macht hierfür den Weg frei.

Umfrage Windbranche für 2018Philipp HeuckeVattenfall

Philipp Heucke, Leiter Projektentwicklung Wind Onshore Deutschland, Vattenfall: Deutschland bleibt ein Standort mit stabilen Bedingungen für Onshore-Wind und wir wollen in diesem Segment hierzulande wachsen. Hierfür setzen wir vor allem auf Partnerschaften mit regionalen Projektentwicklern und wollen mit diesen gemeinsam Projekte realisieren: auch Projekte in unterschiedlichsten Reifegraden. Unsere Expertise als Betreiber von derzeit 1.200 MW Onshore-Wind in den europäischen Märkten erstreckt sich dabei entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Zudem verfügen wir über die finanzielle Stabilität, um auch mal eine Durststrecke in einem Projekt überbrücken zu können. Für die Zukunft entscheidend: Wir sehen weiterhin eine hohe Dynamik bei technologischen Entwicklungen. Nur die Marktteilnehmer, die sich intensiv mit diesen Entwicklungen beschäftigen, können langfristig erfolgreich in engen Ausschreibungen sein. Der zweite Punkt ist für uns langfristige Unabhängigkeit von Fördersystemen. Unser Ziel ist es, die Stromgestehungskosten weiter zu senken. Und last but not least wollen wir neue Vermarktungswege etablieren. Der Zugang zu Endkunden und der Abschluss von langfristigen PPA wird von zentraler Bedeutung sein – auch in Deutschland. Als integriertes Unternehmen haben wir Direktvermarktung im Haus.

Umfrage Windbranche für 2018Andreas ReuterFraunhofer IWES

Andreas Reuter, Institutsleiter Fraunhofer IWES in Bremerhaven: Die Nutzung von Testständen nimmt in der Branche weiter zu. Allerdings sind viele Testaktivitäten noch getrieben durch allgemeine Norm- oder Zertifizierungsanforderungen oder ein akutes Flottenproblem. Untersuchungen auf Testständen als integralen Bestandteil des eigentlichen Entwicklungsprozesses zu betrachten, gehört nicht zur gängigen Praxis. Wir müssen auch feststellen, dass oft die wissenschaftliche Basis für eine solche Integration noch sehr dünn ist – welche Erkenntnisse aus einem Versuch nachweisbare und substantielle Verbesserung im Design ergeben, ist in vielen Bereichen noch nicht ausdiskutiert. Hier sehen wir aber für 2018 wichtige Entwicklungen: sichtbare Fortschritte wird es für die Optimierung der Netzeigenschaften auf der Basis von Prüfstandsergebnissen geben. Ebenso werden Bauteilversuche in der Auslegung von sehr großen Composite-Strukturen mehr relevante Erkenntnisse liefern.

Umfrage Windbranche für 2018Carlo Kallenenercity

Carlo Kallen, Sprecher Enercity: Eine große Investition in weitere Windparks steht 2018 für uns nicht an – weil wir diese Investitionen bereits 2017 sehr umfangreich vorgenommen haben. Im Vordergrund stehen jetzt, die erworbene Ventotec-Projektpipeline fertig zu entwickeln (nach Übernahme des Projektierungsunternehmens Ventotec im Herbst 2017) und daraus möglichst zügig Windparks erfolgreich durch die Ausschreibung zu bringen. Parallel werden wir unsere Kooperation mit einem Eigenkapitalpartner durch dessen Beteiligung an neuen Windparks umsetzen. Wir wollen unsere Windaktivitäten in Verbindung mit künftigen Angeboten zu einem attraktiven, zukunftsfähigen Produktangebot entwickeln. Aus unserer Strategie Enercity 4.0 wirken wir auf eine Energiezukunft hin, die über die reine erneuerbare Erzeugung hinausgeht. Wir entwickeln uns systematisch zum Energiedienstleister. Mit unserem Schwerpunkt E-Mobilität bieten sich Möglichkeiten, stärker erneuerbaren Strom für weitere Anwendungen zu nutzen.

Umfrage Windbranche für 2018Christian MarcksGLS Bank

Christian Marcks, Kompetenzcenter Erneuerbare Energien, GLS-Bank: In der Windenergie erwarten wir 2018 vor allem die Umsetzung von Projekten mit Übergangsstatus. Wir beobachten neue Entwicklungen, die sich aus der Sektorenkopplung, bei Speichern oder aus der Digitalisierung ergeben. Als GLS Bank tragen wir hier mit der richtigen Finanzierung bei. Ein Baustein ist unsere Crowdinvesting-Plattform, die GLS Crowd. Der Fortgang der Energiewende hängt auch von der nächsten Bundesregierung ab. Sie sollte die echte Bürgerenergie wieder stärken. Damit meine ich kleine Projekte lokaler Bürger-Gemeinschaften, die in den Ausschreibungen kaum Chancen haben. Wir setzen uns zudem dafür ein, dass die erzeugungsnahe Vermarktung von Ökostrom wirtschaftlich wird. Das erspart Netzausbau und senkt die EEG-Umlage. Dies durch eine angemessene CO2-Bepreisung zu flankieren, ist eine unserer zentralen politischen Forderungen.

Umfrage Windbranche für 2018Gunnar LiehrSiemens Gamesa

Gunnar Lier, Deutschlandverkaufschef, Siemens Gamesa: Wie haben noch im Oktober unsere erste SWT-3.15-142 in Deutschland installiert und in Betrieb genommen. Der große Rotor mit 142 Metern Durchmesser ist aus unserer Sicht für die kommenden Auktionsrunden in Deutschland ein wichtiges Argument. Auf der Husum Wind haben wir nun die Anlage mit einer Leistungssteigerung auf bis zu 3,9 Megawatt eingeführt. Darüber hinaus können wir sowohl beim Turmsortiment als auch bei der Leistung die notwendige Flexibilität anbieten, um Projekte optimal an die Bedingungen ihres Standorts anzupassen. Mit unseren aktuellen Produkten sind wir sehr gut für die neuen Herausforderungen im deutschen Onshore-Markt gerüstet. Mit den neuen Produkten haben wir erstmals die Chance, einen gut zweistelligen Marktanteil zurück zu erobern.

Umfrage Windbranche für 2018Dirk GüsewellEnBW

Dirk Güsewell, Leiter Erzeugung und Portfolioentwicklung, EnBW: Unsere Projektpipeline onshore ist gut gefüllt. Die Frage ist deshalb nicht, ob wir 2018 an Ausschreibungen teilnehmen, sondern inwiefern es einen Wettbewerb zu fairen Bedingungen geben wird. Mit EnBW Hohe See, Albatros und HeDreiht planen wir derzeit in Deutschland die Umsetzung von Offshoreprojekten mit 1500 MW. Darüber hinaus bietet der deutsche Offshoremarkt bis 2025 nur begrenzt Wachstumsperspektiven. Offshore-Windprojekte können bei guten Bedingungen bis Mitte des nächsten Jahrzehnts so niedrige Stromgestehungskosten realisieren, dass es keiner zusätzlichen Vergütungskomponente mehr bedarf. Noch ist die Branche nicht ganz so weit, dass jedes Projekt gänzlich ohne Förderung auskommen kann. Der Ausbau der Windenergie bleibt ein zentraler Baustein unserer strategischen Neupositionierung. Und wir wollen weiter wachsen. Wir richten deshalb den Blick auch auf die internationalen Märkte.

Umfrage Windbranche für 2018Eckhard Kuhnhenne-Krausmannenervis energy advisors

Eckhard Kuhnhenne-Krausmann, Geschäftsführer, Enervis: Drastisch gesunkene Gebotspreise einerseits und ein sich langsam erholender Großhandelsstrompreis mit viel Luft nach oben andererseits: 2018 wird sich die Windbranche auf den Weg in die „Post-EEG-Phase“ machen. Diese Transformation begleiten wir mit Beratungsangeboten. Denn wo ohne Strommarkterlöse nicht mehr auszukommen ist werden modellgestützte Strompreisprognosen immer wichtiger. An dieser Stelle kann enervis für jedes Projekt oder Portfolio eine standort- und technologiespezifische Marktwertprognose liefern. Wie im konventionellen Strommarkt wird dies für eine fundierte Projektbewertung zum Standard werden. Dazu müssen den Betreibern auch neue Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie EE-Strom beispielsweise über langfristige Stromabnahmeverträge (PPA) vermarktet werden kann. Daneben werden wir die Mehrerlöschancen des Strommarktes im Rahmen des Marktprämienmodells noch stärker in den Fokus rücken.

Umfrage Windbranche für 2018Torben MöllerEnergiekontor

Torben Möller, Vorstand, Energiekontor: An der grundsätzlichen Ausrichtung von Energiekontor, basierend auf unserem Leitbild, werden wir auch im Jahr 2018 festhalten. Hierzu zählt das Streben nach einer Pionierrolle, indem wir in der nahen Zukunft die Erzeugung von erneuerbarer Energie zu Marktpreisen anbieten möchten. Energiekontor hat in den vergangenen Jahren moderne Methoden und Tools aus unterschiedlichen Bereichen der Wirtschaft in einem Innovationsprozess adaptiert, um kontinuierlich die Effizienz der Projekte, Prozesse und des eigenen Windparkbestandes zu verbessern. Der weitere Ausbau unseres Bestandes an eigenen Windparks ist die Basis unserer finanziellen bis zur Erreichung dieses Ziels. In 2018 werden wir weiter an unserer Ausweitung der geschäftlichen Aktivitäten im In- und Ausland festhalten, wobei die regionale Präsenz für uns entscheidend ist.

Umfrage Windbranche für 2018Franziska GriebelHSH Nordbank

Franziska Griebel, Bereich Energie und Versorger, HSH Nordbank: Als Novum werden wir im nächsten Jahr auch die ersten technologieneutralen Ausschreibungen für Wind Onshore und Photovoltaik sehen. Mit den Auswirkungen von Ausschreibungen müssen sich Banken allerdings nicht nur in Deutschland auseinandersetzen, auch in anderen Ländern, wie Frankreich, dominieren mittlerweile Ausschreibungen als gewähltes Förderinstrument. Das bedeutet für die Branche eine zunehmende Konsolidierung entlang der gesamten Wertschöpfungsstufen, insbesondere im Bereich der Projektierer und Hersteller. Mittelfristig werden wir (bei Zuschlagssätzen in Höhe der Spotpreise) demzufolge auch in Deutschland PPAs als Alternative zu der gesetzlichen Einspeisevergütung sehen. Als Folge dieser veränderten Rahmenbedingungen, werden die finanzierenden Banken künftig geänderte Parameter in ihrer Risikobetrachtung erfassen müssen, um auf die Marktgegebenheiten einzugehen.

Umfrage Windbranche für 2018Georg HoeflerAllianz Capital Partners

Georg Hoefler, Director bei Allianz Capital Partners: Die Allianz hat es sich zum Ziel gesetzt, weiter stark und strategisch in erneuerbare Energien zu investieren – und dies unabhängig von sich verändernden finanziellen Einflussfaktoren wie der zugesagten Fördertarifhöhe. Sollten beispielsweise im Rahmen der vorgesehenen Ausschreibungen die Fördertarife weiter sinken und die Strompreiserwartung der Sponsoren in den Vordergrund treten, würden wir weiterhin in erneuerbare Energien, inklusive Windkraft, investieren wollen, wobei natürlich jede Veränderung des Risikoprofils Einfluss auf die Bewertung der einzelnen Projekte hat. Und diese Bewertungen müssen selbstverständlich langfristig wirtschaftlich sinnvoll sein. Wir investieren prinzipiell in alle Technologien im Bereich der Erneuerbaren Energien, mit einem klaren Fokus auf Wind- und Solarenergie.

Umfrage Windbranche für 2018Hartmut Brösamlewpd AG

Hartmut Brösamle, Vorstand, WPD AG: Die WPD geht fest davon aus, dass sie in den anstehenden Ausschreibungsrunden in 2018 Zuschläge für diverse baureif entwickelte Projekte erhält. Elementar für den weiteren geordneten Ausbau der Windenergie wird dabei sein, dass die Politik die Forderungen der Branche aufgreift und die Genehmigung grundsätzliche Zugangsvoraussetzung für die Teilnahme an allen weiteren Ausschreibung ist. WPD wird auch in den kommenden Jahren sowohl die eigene Entwicklung von Greenfield-Projekten verfolgen als auch mit einer Vielzahl von Kooperationspartnern zusammenarbeiten. Grundsätzlich sind wir dabei bezüglich der Struktur der Zusammenarbeit sehr flexibel. Wenn Deutschland seine Klimaschutzziele nur annähernd erreichen will, ist der weitere Ausbau der Windenergie unverzichtbar. Um diesen sicherzustellen und auch die ökonomischen Chancen in Deutschland zu erhalten, sind von der neuen Bundesregierung sehr zeitnah die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Jochen Magerfleisch, EVP Sales Europe, Senvion: Senvion hat bereits im Sommer 2017 seine 3,6 Megawatt Anlage mit 140 Meter Rotor installiert. Mit dieser Turbine hat Senvion auf den weiter steigenden Druck auf die Senkung des LCOE, der Stromgestehungskosten, reagiert und einen großen Schritt zur Wettbewerbsfähigkeit von Schwachwindstandorten getan. Gegenüber der Senvion 3.2M122 konnte der Energieertrag bei Windgeschwindigkeiten von 7,5 Meter pro Sekunde um bis zu 20 Prozent gesteigert werden. Die Senvion 3.6M140 kann dank der Konstruktion mit Einzelblattmontage und ihres besonders einfach zu errichtenden Designs schnell installiert werden. Bei der Produktion der Rotorblätter kommt die innovative RodPack-Technologie zum Einsatz, die ein optimiertes und leichteres Rotorblatt-Design sowie eine schnellere und hochwertige Herstellung der Rotorblätter ermöglicht.

Umfrage Windbranche für 2018Johannes LackmannWestfalenWIND

Johannes Lackmann, Geschäftsführung Technik, Westfalenwind: Wir werden weiter Windprojekte projektieren .., aber vermutlich nicht für Preise um 4,5 Cent pro Kilowattstunde (wie sie den Ergebnissen der ersten deutschen Windparkprojekt-Ausschreibungen entsprechen, Anmerkung der Redaktion) in unserer Region ernsthaft Windenergieanlagen aufstellen sondern eher die Entwicklung abwarten. Wir werden uns in nächster Zeit mehr für Aufbau und Betrieb von PV-Anlagen engagieren mit Schwerpunkt bei Gewerbebetrieben mit einem relevanten Eigenverbrauch. Im Bereich Windenergie werden wir uns mehr um Betriebsoptimierungen kümmern mit eigenem Service. Für Altanlagen nach Ende EEG ab 2021 gibt es derzeit noch keine brauchbare Gesamtlösung. Denn nach bisherigem Trend würden die Markterlöse für Altanlagen bei unter zwei Cent liegen. Für 3,5 bis 4 Cent wäre allerdings ein Weiterbetrieb möglich. Solange es die Politik nicht schafft, einen relevanten CO2-Preis einzuführen, der das Marktpreisniveau spürbar anhebt, bliebe als Alternative nur eine Reduzierung der EEG-Umlage für Strom aus Altanlagen. Für Teilstrommengen bleibt noch die Stromvermarktung aus Altanlagen über eigene Arealnetze zu Industrie- und Gewerbekunden. Die Planung solcher Arealnetze werden wir 2018 in Angriff nehmen.

Umfrage Windbranche für 2018Johannes PäffgenNext Kraftwerke

Johannes Päffgen, Leiter Energiehandel bei Next Kraftwerke: Wir sehen, dass Windkraftbetreiber verstärkt die Vermarktung über den Terminmarkt anfragen, um Preise für den langfristigen Weiterbetrieb ihrer Anlagen über das Auslaufen der EEG-Förderung hinaus zu fixieren. Im Hinblick auf die Risikostreuung bei der Vermarktung nicht-geförderter größerer Windparks ist aus unserer Sicht ein Tranchenmodell die optimale Lösung: Teile der zukünftigen Windstromproduktion sollten langfristig preislich am Terminmarkt fixiert werden, der andere Teil jedoch kurzfristig über Spotmärkte. Allerdings sprechen wir hier nicht über die international üblichen Stromlieferverträge der sogenannten PPA über die Laufzeit eines Windparks. Wir beziehen uns hier eher auf kurzfristigere Terminmarkvermarktungen von einem Jahr oder sogar quartalsweise und in Erzeugungstranchen. Zusätzlich wird verstärkt auch die Regelenergievermarktung von abzuregelnder Windstromproduktion angefragt.

Umfrage Windbranche für 2018Jürgen JoosMax Bögl

Jürgen Joos, kaufmännischer Leiter Max Bögl Wind AG: Für unser Pilotprojekt Naturstromspeicher Gaildorf, unsere „Wasserbatterie“, erwarten wir erste Erkenntnisse (vier mit je einem Speicher kombinierte Windenergieanlagen auf einem Berg pumpen mit überschüssigem Windstrom das Wasser eines Talspeichers hoch – bei Flaute nutzt die Anlage die gewonnene Höhenenergie, lässt das Wasser auf Turbinen im Tal ab und speist ein): Der künftige Strommarkt benötigt dezentrale Einheiten statt Großkraftwerke. Flexible Kurzzeitspeicher können den Bedarf des Netzes besser decken. Es sollte auf einen zellularen Ansatz gesetzt werden, mit einem hohen Grad an Selbstversorgung. Nächste Schritte: Verlegung der Druckrohrleitung im März, Bau des Pumpspeicherkraftwerks im Frühjahr oder Sommer, Inbetriebnahme der ersten Wasserbatterie im Herbst. Zum Windmarkt: Die Projekte gemäß EEG 2014 sind Anfang 2018 nahezu alle realisiert (die noch keinen Ausschreibungszuschlag brauchen, um eine gesicherte Vergütungshöhe zu erhalten, Anmerkung tw). Durch die aktuelle Marktverzerrung mit dem Ausschreibungsverfahren und der langen Realisierungszeit wird es in Deutschland 2018 und voraussichtlich 2019 zum massiven Einbruch im Ausbaukorridor kommen.

Umfrage Windbranche für 2018Marie-Luise PörtnerBayWa r.e.

Marie-Luise Pörtner, Geschäftsführerin Baywa RE Wind GmbH: Wir sind sehr zuversichtlich, mit weiteren Projekten in den Ausschreibungen erfolgreich zu sein und deutlich mehr Kooperationen einzugehen. Zum einen, um unsere Projekt-Pipeline in Deutschland auszubauen, zum anderen, um Akteursvielfalt und Glaubwürdigkeit bewahren zu helfen. Das erscheint – gerade in Anbetracht der massiven Ausnutzung der Privilegien für Bürgerenergiegesellschaften in 2017 - wichtiger denn je, wenn wir Akzeptanz für Windenergie wieder stärken wollen. Hierzu haben wir flexible Partnermodelle entwickelt, die Projektierern, Bürgergesellschaften oder Stadtwerken die Möglichkeit bieten, Baywa als „Chancengeber“ oder „Risikonehmer“ zu nutzen. Für das Erreichen der Klimaschutzziele ist ein weiterer deutlicher Zubau an Erneuerbaren unerlässlich. Wir gehen davon aus, dass es über kurz oder lang zur höheren CO2-Bepreisung, positiven Marktpreisentwicklung für Erneuerbare und interessanten Geschäftsmodellen kommen wird.

Umfrage Windbranche für 2018Martin GrundmannARGE Netz

Martin Grundmann, Geschäftsführer, Arge Netz: Digital, in Echtzeit und direkt zum Kunden – so sieht die künftige Energieversorgung durch Erneuerbare aus. Arge Netz hat im Juli 2017 die „ANE – ARGE Netz Energie GmbH amp; Co. KG“ gegründet. ANE ist für die Umsetzung des operativen Vermarktungsgeschäfts von Arge Netz verantwortlich. Sie ist die Vermarktungsgesellschaft, die sich im Eigentum der erneuerbaren Energieerzeuger selbst befindet. Damit können erneuerbare Energieerzeuger endlich direkt an der Wertschöpfung der Energieversorgung auf der Basis von erneuerbaren Energien teilhaben. Das ist wirkliche Marktintegration. ANE wird neben der klassischen Direktvermarktung den Zutritt in alle Energiemärkte mit unterschiedlichen Kunden für die erneuerbaren Energien durchführen. ANE macht mit dem Erneuerbaren-Kraftwerk Energievermarktung in Echtzeit. In der Nutzung dieser hochentwickelter digitalen Technologien liegt ein steigender Teil der Wertschöpfung. Dies wird ein Schwerpunkt im Jahr 2018 sein.

Umfrage Windbranche für 2018Michael RaschemannEnergiequelle

Michael Raschemann, Geschäftsführer, Energiequelle: 2017 haben wir Niederlassungen in Rostock, Erfurt und Dresden eingerichtet, zahlreiche neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angeworben und werden im nächsten Frühjahr unsere neuen, großzügig gestalteten Büroräume in Kallinchen beziehen. Das zeigt, dass wir mit allerhand Optimismus ins neue Jahr gehen. Wir sind fest davon überzeugt, dass der Gesetzgeber die Frage der Bürgerenergie neu regeln wird, in einer Weise, dass nicht das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird. Die Bürgerenergie ist wichtig für die Akzeptanz der Windkraft, gleichzeitig aber muss fairer Wettbewerb gewährleistet sein. Neben klassischer Projektarbeit kümmern wir uns auch um Innovationen zur Weiterentwicklung der Windenergienutzung. Wir beabsichtigen, in Mecklenburg-Vorpommern ein Wind-Wärme-Konzept zu testen. Damit wollen wir die Versorgungssicherheit von Windenergie erhöhen, einen Beitrag zur Kostensenkung leisten sowie die Sektorkopplung voranbringen.

Nils Lehming, Senior Product Manager der aktuellsten Produktreihe „Delta“, Nordex: Nordex hat bereits im Jahr 2016 zwei Anlagenvarianten mit 3,6MW auf den Markt gebracht. Die Windenergieanlage N117/3600 hat Ihre Leistungsfähigkeit bereits bei der Vermessung der Schall-, und Leistungswerte im Feld bestätigt. Die N131/3600 wurde Anfang 2017 im Windtestfeld Nord in Betrieb genommen wo zurzeit die Messkampagne läuft. Aufgrund des identischen elektrischen Systems und des bereits erprobten aerodynamischen Designs des N131-Rotors kann man von der Einhaltung der von Nordex garantierten Leistungswerte ausgehen. Die erste Anlage des Typs N131/3900 befindet sich aktuell (Aussage von Ende November 2017, Anmerkung tw)  in der Errichtungsphase. Wir erwarten die Bestätigung unserer Design-Parameter im Laufe des Jahres 2018.

Umfrage Windbranche für 2018Stefan Bockholteno energy

Stefan Bockholt, Head of Engineering, Eno Energy: Die Entwicklung geht eindeutig in Richtung größere Rotoren. Auch wir sind bei diesem Trend ganz vorn mit dabei – wie man an unserer 4,8-MW-Turbine klar erkennen kann. Was den Rotor betrifft, werden wir den Durchmesserbereich zwischen 130 und 140 Meter bewusst überspringen. Mit der Eno 126-4.8-MW haben wir hier nämlich bereits ein absolut konkurrenzfähiges Produkt im Programm. Wir bieten die Eno 114-4.8-MW und die Eno 126-4.8-MW je nach Nabenhöhe in unterschiedlichen Windklassen an. Die Eno 126 ist dabei die ertragsstärkste Anlage in diesem Rotorsegment und kann sich aufgrund der im Markt führenden Aerodynamik der Eno Blades auch mit Turbinen im Durchmesserbereich zwischen 130 und 140 Meter messen. Für jeden Standort lässt sich die maximal wirtschaftlichste Anlage konfigurieren, die Windklassen werden durch flexibel wählbare Stahlrohrtürme für Nabenhöhen bis 162 Meter abgedeckt.

Umfrage Windbranche für 2018Tim BakxDNV GL

Tim Bakx, Geschäftsführer DNV GL Deutschland und Head of Department Renewables Advisory:  Für 2018 erwarten wir weitere Konsolidierungen im Offshore-Windmarkt, insbesondere auf Seiten der Zulieferer. Nachdem wir Zusammenschlüsse großer und kleinerer Turbinenhersteller gesehen haben, ist 2018 eine Zusammenlegung von zum Beispiel Kabel- und Fundamentherstellern erwartbar. Zudem gibt es Spekulationen um mögliche Konsolidierungen europäischer Energieversorger, nachdem sich die Geschäftsbereiche der erneuerbaren und konventionellen Energieerzeugung aufgespalten haben und nun als kleinere Unternehmen weitergeführt werden. Solche Transaktionen werden stets von Sorgfältigkeitsprüfungen begleitet, weshalb von einer erhöhten Nachfrage nach solchen Prüfungen auszugehen ist. Darüber hinaus sehen wir den Ausbau wachsen. Entwickler planen vermehrt Projekte außerhalb Europas, wodurch wir 2018 einen Anstieg an internationalen Markteintrittsstudien erwarten.

Umfrage Windbranche für 2018Werner BebaHAW

Werner Beba, Professor am der HAW, Projektkoordinator von NEW 4.0: In unserem Verbundprojekt Norddeutsche Energiewende 4.0 (NEW 4.0) erproben 60 Partner die Machbarkeit der Energiewende: wie eine sichere, stabile Versorgung und wirksamer Klimaschutz in einem funktionierenden Markt vereint werden können. Ziel ist ein Energiesystem, das zu 100 Prozent auf erneuerbarer Energie und wesentlich auf Windkraft basiert und die stabilisierenden Systemaufgaben konventioneller Kraftwerke übernimmt. 2018 wird spannend: Nach einem guten Jahr Projektlaufzeit werden eine Reihe von Ergebnissen sichtbar und zahlreiche Demonstratoren in Betrieb genommen. Von der künftigen Bundesregierung erhoffen wir rasche wirkungsvolle Initiativen zur Änderung des Regulierungsrahmens: Für den systemstabilisierenden und klimaschonenden Einsatz neuer Technologien wie Power-to-Heat, Power-to-Gas und Demand Side Management sind die Hemmnisse zu beseitigen und der Rechtsrahmen marktwirtschaftlich auszurichten.

Lesen Sie auch die Titelgeschichte der aktuellen Ausgabe zur Jahresumfrage, ERNEUERBARE ENERGIEN, Heft 08/2017

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