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Off-Grid-Solaranlagen

Kubanische Dörfer mit Strom versorgt

Zwei Dörfer in Kuba werden wieder mit Strom versorgt, nachdem sie vom Netz der Insel abgeschnitten wurden. Dabei haben die Planer viel Arbeit in die Konfiguration der Inselanlagen gesteckt. Denn ein Stromnetz gibt es immer noch nicht.

Inselanlage Kuba Off Grid
 - Installiert sind die Anlagen schnell. Der eigentlcihe Aufwand steckt in der Planung.
Installiert sind die Anlagen schnell. Der eigentlcihe Aufwand steckt in der Planung.
Phaesun

Nachdem im Jahr 2008 über den Westen Kubas ein Orkan fegte, waren zwei Bergdörfer von der Stromversorgung abgeschnitten. Da die Regierung in Havanna es ablehnte, die Stromversorgung wieder herzustellen, haben die Bürger die Gelegenheit ergriffen und zusammen mit dem gemeinnützigen Verein Karen e.V. aus Berlin und dem Memminger Anbieter von Off-Grid-Solaranlagen Phaesun ein neues Energiekonzept erstellt. Jetzt haben die Bewohner von El Toro und El Brujito in den Bergen der Provinz Artemisa endlich wieder Strom. Dazu hat der Karen e.V. zusammen mit Phaesun insgesamt 50 Solaranlagen aufgebaut. Die Systeme versorgen neben den Wohnhäusern auch zwei Grundschulen und einige Ärztehäuser mit sauberen Solarstrom.

Zwei Jahre Planung und Installation

Insgesamt zwei Jahre hat es von der Planung bis zur Fertigstellung der letzten Anlage gedauert. Zuerst haben die Techniker von Phaesun im Februar 2014 die Ärztehäuser, Grundschulen und einige Wohnhäuser in El Toro mit Solarsystemen ausgestattet. Den Strom nutzen die Bewohner jetzt für Beleuchtung und Kühlung. Der Phaesun-Techniker Jürgen Grosser hat dabei die Installationsarbeiten nicht nur beaufsichtigte, sondern auch die lokalen Techniker ausgebildet, sodass diese weitere Installationen für zwei Waschstützpunkte, eine Tienda und einen Dorfclub selbständig durchführen konnten. „Es war eine echte Gemeinschaftsarbeit von vier lokalen Ingenieuren, drei Mitgliedern von Karen, dem Techniker der Lieferfirma Phaesun, unserer Dolmetscherin Irsula und vor allem der Mehrheit der Bewohner der Dörfer“, berichtet Gerda Daenecke, Projektkoordinatorin beim Karen e.V. „Das hat uns Mut gemacht, die zweite Phase zur Elektrifizierung von El Brujito noch in diesem Jahr durchzuführen.“ Der Berliner Verein hat sich auf die Förderung von alternativen Energien in der Karibik spezialisiert.

El Brujito hat wieder Strom

Damit haben die einheimischen Techniker im Juni dieses Jahres begonnen. „Trotz der erschwerten Bedingungen aufgrund des frühen Beginns der Regenzeit konnten bereits die ersten 13 von 39 geplanten Systemen unter Anleitung des Phaesun-Technikers Großer bis Ende Juni fertig gestellt werden“, berichten die Projektpartner. Jetzt fließt auch der Strom in El Brujito wieder. Mit den autarken Solaranlagen wird das Gemeindezentrum mit einem Gemeinschafts- und Fernsehraum und einem Dorfladen sowie Privathaushalte versorgt. Die restlichen Systeme wurden nun in völliger Eigenverantwortung vom lokalen Team fertig gestellt. „Es gibt immer unvorhersehbare Ereignisse wie frühe Regenfälle oder Probleme bei der Einfuhr!“, weiß Jürgen Großer. „Doch mit der Flexibilität und Erfahrung des gesamten Teams konnten wir diese Probleme überwinden. Nun freuen sich die Dorfbewohner über den Strom, der den Alltag erleichtert.“

Jedes Gebäude einzeln geplant

Die Projektpartner haben bei der Elektrifizierung der beiden Dörfer für jedes Gebäude einzeln einen Elektrifizierungsplan erarbeitet. Das ist zwar viel Aufwand, lohnt sich aber bei der Planung von Inselanlagen. Schließlich haben die Dorfbewohner kein Stromnetz, auf das sie zurückgreifen können, wenn die Solaranlagen nicht richtig ausgelegt sind. Wie die Planer dabei vorgehen, können Sie in einem Bericht in der kommenden Ausgabe von Erneuerbare Energien lesen.

Sven Ullrich