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Saubere Stromversorgung - aber wie?

Mit Labels zu einem guten Ökostromtarif

In den vergangenen Jahren hat Ökostrom zunehmend an Popularität und Bedeutung gewonnen. Der Grund ist der Wunsch der Verbraucher nach sauberer, moderner und sicherer Energie und der Energiewende, die mit Ökostrom erreicht werden kann.

 - Öko-Labels
Öko-Labels
Energieinitiative

Neben den vier großen richtigen Ökostromanbietern Greenpeace Energy, Naturstrom, Lichtblick und EWS Schönau haben nun auch konventionelle Stromproduzenten entsprechende Ökostromtarife im Angebot, die einen zusätzlichen Umweltnutzen garantieren. Dieser entsteht dann, wenn neben der 100-prozentigen Ökostromproduktion weitere Beiträge zur Energiewende geleistet werden.

Zusatznutzen für die Umwelt. Was ist das genau?

Wenn der Ökostrom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen wie der Sonne, dem Wind oder der Wasserkraft gewonnen wird, ist das toll, doch bringt das noch lange keinen Zusatznutzen für die Umwelt. Dieser entsteht erst, wenn der Ausbau erneuerbarer Energien gefördert wird. Aus diesem Grund gibt es Ökostromlabels, die Auskunft darüber geben, ob ein zusätzlicher Umweltnutzen entsteht oder nicht. Doch nicht alle Labels garantieren einen zusätzlichen Umweltnutzen. Da der Begriff Ökostrom in Deutschland gesetzlich nicht definiert ist, steht es den Stromanbietern offen ihre Ökostromtarife mit ihren eigens entworfenen Labels zu bewerben. Deshalb ist es für Stromverbraucher äußerst wichtig, die seriösen Ökostromlabels zu kennen.

Welche Ökostromlabels sind seriös?

In Deutschland gibt es einige seriöse Ökostromlabels, welche die zertifizierten Stromanbieter zu Investitionen in erneuerbare Energien und zur Modernisierung ihrer Anlagen zur Ökostromerzeugung verpflichten. Die zwei Wichtigsten sind das OK-Power Label und das Grüner Strom Label. Da diese von zahlreichen gemeinnützigen Umwelt- und Naturschutzorganisationen sowie Verbraucherzentralen getragen werden, ist deren Aussagekraft besonders hoch.

Die Zertifikate vom TÜV Süd, TÜV Nord, dem TÜV Rheinland und der LGA Bayern hingegen werden von Unternehmen getragen, die unter anderem auch mit konventionellen Stromanbietern in anderen Bereichen kooperieren, weshalb die Aussagekraft nicht ganz so hoch ist. Aber auch diese Vergabestellen verpflichten die zertifizerten Stromanbieter zu Investitionen in erneuerbare Energien. Man kann ihnen also vertrauen.

Das Ziel der Investitionen ist die Steigerung des Ökostromanteils im Strommix. Derzeit liegt der Ökostrom bei knapp 26 Prozent und er wird täglich größer.

Achtung bei RECS-Zertifikaten

Neben den oben aufgeführten Labels und Zertifikaten gibt es die so genannten RECS-Zertifikate. Pro produzierter Megawattstunde wird dem Produzenten ein Zertifikat zugeteilt. Die Zertifikate sind europaweit gültig und können frei gehandelt werden. Grundsätzlich ist ein europäisches Label keine schlechte Idee, doch wird es häufig missbraucht, indem deutsche konventionelle Stromanbieter solche Zertifikate kaufen, ihren schmutzigen Strom umetikettieren und anschließend als Ökostrom verkaufen.

Das klappt deshalb so gut, weil es beispielsweise in Norwegen, wo hauptsächlich Ökostrom hergestellt wird, ein Überangebot existiert und der Preis für die Zertifikate äußerst gering ist. Durch einen Verkauf an deutsche Stromanbieter verpflichtet sich der norwegische Verkäufer die selbe Menge an schmutzigen Strom zu verkaufen. Dadurch wird der Ökostromanteil im Endeffekt reduziert, wodurch kein zusätzlicher Umweltnutzen entsteht. Bei der Wahl eines Ökostromtarifs sollte man RECS-zertifizierte Angebote deshalb besser meiden.

Die Energiewende mit einem Wechsel unterstützen

Als umweltbewusster Verbraucher kann man die Energiewende mit einem Wechsel zu einem Ökostromtarif oder zu einem Ökostromanbieter unterstützen, sofern er mit einem seriösen Label oder Zertifikat ausgezeichnet wurde. Am leichtesten findet man einen entsprechenden Tarif mit einem Vergleichsrechner im Internet. Bei den Suchoptionen sollte man allerdings festlegen, dass ausschließlich zertifizierte Ökostromtarife angezeigt werden. Darüber hinaus lohnt es sich, die geringsten Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen zu wählen, um dynamisch auf Preisänderungen reagieren zu können.

 - Ulf Kuhn
Ulf Kuhn
Foto: Energieinitiative

Fachartikel von Ulf Kuhn. Er macht zusammen mit Manfred Strecker die Website energieinitiative.org. Auf dem Portal Energieinitiative.org gibt es weitere Informationen zum Thema Ökostrom, Ökostromtarifen und zu den Ökostromlabels.