Foto: Agrarservice Lass

Neues Geschäftsmodell für Landwirte

Biogasanlagen werden Stromspeicher

Der Energieversorger baut zusammen mit dem Agrarservice Lass ein virtuelles Speicherkraftwerk aus Biogasanlagen auf. Die Betreiber profitieren von festen Prämien, wenn sie den Strom flexibel einspeisen.

Bisher galten Biogasanlagen als Kraftwerke, die Grundlast bieten können, da sie nicht wie die Photovoltaik und die Windkraft vom Wetter abhängig sind. Doch inzwischen hat sich herausgestellt, dass gerade durch die volatile Einspeisung der Windkraft und der Solarenergie nicht die Grundlast, sondern die Flexibilität die eigentliche Herausforderung im Rahmen der Energiewende ist. Deshalb hat die Deutschlandniederlassung des Schweizer Energieversorgers und Dienstleisters Alpiq ein neues Geschäftsmodell für die Betreiber von Biogasanlagen entwickelt.

Weg von der Grundlast

Alpiq zahlt ihnen für jede eingespeiste Kilowattstunde einen Festpreis. Die Biogasanlagen speisen dafür nicht mehr laufend ein, sondern produzieren nur Strom, wenn er im Netz auch gebraucht wird. Denn dann ist er an der Börse teuer und erwirtschaftet mehr Gewinne. Auf diese Weise können die Biogasanalgen auch flexibel als regeneratives Speicherkraftwerk gefahren werden, statt nur Grundlast zu liefern.

Kalkulierbare Einnahmen

Durch den Festpreis sind die Anlagenbetreiber – in der Mehrzahl Landwirte – auf der sicheren Seite, da sie mit vorher kalkulierbaren Einnahmen rechnen können. Dadurch bekommen sie auch bessere Finanzierungskonditionen von den Banken. „Denn aktuell sind viele Landwirte ernüchtert und enttäuscht. Stromhändler haben in der Vergangenheit Anlagenbetreibern hohe Entgelte für ihren Biogasstrom in Aussicht gestellt. Oft erhalten die Landwirte aber lediglich die Hälfte der prognostizierten Prämie”, weiß Martin Laß, Geschäftsführer von Agrarservice Lass (ASL).

Anlagen werden vorher qualifiziert

Das Unternehmen aus Tüttendorf in Schleswig-Holstein hat sich auf Servicedienstleistungen für Biogasanlagen spezialisiert. In Kooperation übernimmt es die Qualifizierung der Anlagen der interessierten Landwirte. „Dazu schauen wir uns die Performance und Speicherkapazität an“, erklärt Martin Lass. Erst danach baut ASL die Biogasanlagen zu Speicherkraftwerken um und fasst sie technisch zu einem virtuellen Großspeicher zusammen. Den Stromvertrieb wiederum übernimmt Alpiq.

Alpiq übernimmt die Vermarktung und Steuerung

Die Energiehändler des Schweizer Versorgers kümmern sich dabei um die Einsatzplanung der Biogasanlagen und starten die Motoren immer dann, wenn zu wenig Strom im Netz ist und die Strompreise entsprechend hoch sind. So werden Bedarfsspitzen im Stromnetz intelligent ausgeglichen. Alpiq übernimmt neben der Fernsteuerung der Biogasanalgen auch die Prognosen und die Vermarktung des Stroms und den gesamten Meldeprozesse mit den Netzbetreibern. „Wir bringen so die Flexibilität der Anlage an den Markt und garantieren vertraglich die Mehrerlöse”, erklärt Daniil Plotnikov, Geschäftsführer von Alpiq Deutschland. „Die Höhe des Festpreises wird zu Beginn anhand der technischen Möglichkeiten des jeweiligen Speicherkraftwerks vereinbart.” Einen zusätzlichen Anreiz für die Umrüstung der Biogasanlage auf den flexiblen Speicherbetrieb schafft auch die aktuelle EEG-Novelle. Denn diese will die Deckelung der Flexibilitätsprämie für Biogasanlagen abschaffen.

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