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Daniel Hannemann und Simon Schandert von Tesvolt

„Eine Energiewende kann nur sektorübergreifend gelingen“

Tesvolt hat in den vergangenen Jahren immer wieder neue Technologien entwickelt. In die neusten Entwicklungen lassen uns Daniel Hannemann und Simon Schandert, Geschäftsführer des Wittenberger Speicherherstellers, hinein schnuppern.

Tesvolt wird in der Branche eher als Anbieter von größeren gewerblichen Speicherlösungen wahrgenommen. Warum konzentrieren Sie sich auf dieses eher schwierige Segment und nicht auf die Homestorage-Lösungen?
Daniel Hannemann:
Die Vision von Tesvolt ist, bezahlbare, saubere Energie in jeden Winkel der Welt zu bringen. Auch dorthin, wo Menschen keinen Zugang zum Stromnetz haben. Da Gewerbe und Industrie in vielen Ländern den höchsten Energiebedarf haben, konzentrierte sich Tesvolt von Anfang an auf Speicher mit hoher Kapazität und hat hier besonders effiziente, langlebige Speichersysteme entwickelt. Durch die intelligente aktive Batteriesteuerung rechnen sich unsere Speicher gerade für Gewerbe und Industrie oft schon nach wenigen Jahren.

Sie haben eine ganze Reihe von eindrucksvollen Projekten realisiert. Welche Geschäftsmodelle verfolgen Sie dabei?
Daniel Hannemann:
Projekte mit Tesvoltspeichern in Deutschland rechnen sich vor allem über den optimierten Eigenverbrauch und die Kappung teurer Lastspitzen, die zum Beispiel beim Beladen von Elektroautos entstehen. Manche Projekte mit Tesvoltspeichern setzen auch auf ein Halbinselnetz. Mit unserer neuen Speicherlösung, die wir Anfang 2021 auf den Markt bringen, wird auch Ersatzstrom ein wichtiges Geschäftsmodell sein. International spielen vor allem Offgrid- und Microgridlösungen eine wichtige Rolle.

Welche dieser Geschäftsmodelle sind in näherer Zukunft die erfolgversprechendsten?
Daniel Hannemann:
In Deutschland Eigenverbrauch und Lastspitzenkappung, international Off- und Microgrid.

Sie sind Teil des Projekts eines Ladesparks am Autobahnkreuz Hilden. Welche Rolle spielt die Sektorenkopplung für Ihr Geschäft und für die Energiewende?
Simon Schandert:
Bisher wurde die Energiewende oft betrachtet, indem erneuerbare Energien, wie Photovoltaik oder Windenergie in das Stromnetz integriert werden sollen, um so den Anteil von erneuerbarer Energien im Strommix zu erhöhen. Allerdings sollte nie ein Bereich, wie in dem Fall Strom, isoliert betrachtet werden. Denn nicht zuletzt die Elektromobilität zeigt auf, dass eine Energiewende nur sektorübergreifend gelingen kann. Im Sektor Strom ist der Anteil der Erneuerbaren schon auf 42 Prozent gestiegen, allerdings beträgt der Anteil der Erneuerbaren Energien im Sektor Verkehr laut Umweltbundesamt lediglich 5,6 Prozent. Auch der Wärmebereich wird zunehmender durch Wärmepumpen abdeckt, welche mit Strom betrieben werden. Im Vergleich zur Mobilität liegt der Anteil erneuerbarer Energien hier bereits bei 14,5 Prozent, aber immer noch weit abgeschlagen gegenüber dem Strom Sektor.

Welchen Beitrag kann Tesvolt zur Sektorenkopplung leisten?
Simon Schandert:
Das Produktportfolio von Tesvolt ist nicht nur für die Optimierung des Strompreises oder der Eigenverbrauchsoptimierung ausgelegt. Das Beispiel von Hilden zeigt sehr gut auf, dass unser Produktportfolio auch ideal für Anwendungsbereiche wie die Unterstützung der Elektromobilität und Ladeinfrastruktur konzipiert ist. Sämtliche Produkte wie den TS HV 70 gibt es für solche Anwendungen als Outdoorlösung als TS HV 70 Outdoor, der bereits oft Ladesäulen stützt oder für größere Lösungen der TPS flex, wie er auch beim Ladepark Hilden eingesetzt wird. Darüber hinaus entwickeln wir aktuell unser eigenes Energiemanagementsystem, welches sehr flexibel ist in der Anbindung und Steuerung von Verbrauchern wie Ladesäulen oder Wärmepumpen aber auch die Einbindung von Erzeugern wie Photovoltaik, Windenergie, Biomasse, BHKW und anderen ermöglicht. Um so die Energie optimal im System zu verteilen und Erzeuger und Verbraucher optimal aufeinander abzustimmen.

Welche Rolle spielt die Digitalisierung im Bereich der Stromspeicher und welche technologischen Ansätze verfolgen Sie in diesem Bereich?
Simon Schandert:
Wie bereits erwähnt verfolgen wir die Entwicklung eines sehr intelligenten und flexiblen Energiemanagementsystems, welches ein Höchstmaß an Transparenz der eingebundenen Komponenten in dem System ermöglicht. Für uns ist es wichtig, Aussagen der Zustände der Komponenten über das System zu erhalten, um so die Betriebsführung zu optimieren und dem Techniker die Möglichkeit zu geben, nicht erst vor Ort den Zustand der Anlage gut bewerten zu können. Ansonsten bewerten wir auch Lösungen im Systemverbundbereich, wie Blockchain-Technologien oder Schwarmspeicherkonzepte. Allerdings sind aufgrund verschiedener Faktoren solche Konzepte noch nicht wirtschaftlich umzusetzen. Wir arbeiten aber intensiv, Voraussetzungen zu schaffen, um solche Lösungen nicht nur im Portfolio zu haben, sondern auch einen wirtschaftlichen Nutzen dem Kunden zu geben.

Das Interview führte Sven Ullrich.