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Leserbrief

Einfluss der Ernährung auf Ökosystem erklären

Leserbrief von Malte Rubach, Autor des Buches „Die Ökobilanz auf dem Teller“, in Reaktion auf die Veröffentlichung mit dem Titel „Achtung, kein Buch für Ökos“.

Inhaltsverzeichnis

Liebe Leserinnen und Leser,

ich möchte Ihnen zum Beitrag „Achtung, kein Buch für Ökos“ von Nicole Weinhold am 21. Oktober 2020 auf www.erneuerbareenergien.de ausführlich erklären, warum mein Buch „Die Ökobilanz auf dem Teller“, erschienen bei S. Hirzel Verlag, tatsächlich kein Buch nur für „Ökos“ ist, sondern für alle Menschen.

Ziel des Buches ist es, den Leserinnen und Lesern eine differenziertere Darstellung zum Einfluss der Ernährung auf unser Ökosystem speziell in Deutschland zu liefern. Populärmedien liefern oftmals weltweite Durchschnittszahlen, die für deutsche Verbraucher keine Orientierung bieten können, obwohl auch für Deutschland eine solide Datenbasis vorliegt.

Fleisch bei ausreichenden Niederschlägen kein „Wasserverschwender“

Für Deutschland gilt beispielsweise nicht der weltweite Wasserverbrauchswert von rund 15.000 Liter für ein Kilogramm Rindfleisch, sondern nur rund die Hälfte. Der Begriff „grünes Wasser“ bezeichnet dabei in der offiziellen Definition das Wasser, das als Regen vom Himmel fällt und das im Fall von Rindfleisch über 90 Prozent beträgt. In Regionen, wo die Grundwasserspiegel bereits auf niedrigem Niveau liegen, ist dies sicher ein ökologischer Negativfaktor, allerdings ist die Landwirtschaft in Deutschland laut Umweltbundesamt zu etwas mehr als einem Prozent an der Frischwasserentnahme beteiligt. Somit ist Fleisch bei ausreichenden Niederschlägen und aus regionaler Erzeugung kein „Wasserverschwender“. Ohnehin beträgt der Anteil von Rindfleisch am deutschen Fleischkonsum nur rund 15 Prozent. Die im Buch lau-tende Empfehlung auf regionale und saisonale Produkte zurückzugreifen, um die Umwelt zu schützen, ist daher auch bei tierischen Lebensmitteln genauso plausibel wie bei pflanzlichen Lebensmitteln.

Mindestens eine Halbierung des Fleischkonsums

Relevanter wäre es in der öffentlichen Diskussion zum Beispiel auch, anstatt Rindfleisch Geflügel- oder Schweinefleisch als Referenz zu diskutieren. Deren Wasserverbrauch liegt bei regionaler Produktion in Deutschland auf dem Niveau von Tofu, die Klimawirksamkeit ist allerdings etwa drei- bis viermal so groß. Deshalb ist mindestens eine Halbierung des Fleischkonsums auch eine klare Empfehlung des Buches. Allerdings leisten in Deutschland direkt nach Fleisch auch Lebensmittel wie Getränke und Getreideprodukte durch den hohen Konsum einen Beitrag zur Klimabelastung und ebenso zur Landnutzung, obwohl sie für sich genommen einen geringen Fußabdruck aufweisen. Milch und Milchprodukte folgen beispielsweise bei der Klimabelastung erst nach Getreideprodukten auf Platz vier und bei der Landnutzung noch nach Obst und Kartoffeln auf Platz sechs. Es ist also nicht allein entscheidend, ob es sich um tierische oder pflanzliche Lebensmittel handelt, die verzehrte Gesamtmenge macht am Ende den Unterschied in der Umweltwirkung. Ein gesundes und genussvolles Maß ist deshalb der richtige Weg, keine Verzichtsdogmatik.

300 bis 600 Gramm Fleisch pro Woche möglich

Als Orientierung dient in meinem Buch neben zahlreichen nationalen und weltweiten Datenquellen die von einer internationalen Expertenkommission, der EAT-Lancet Commission, 2019 veröffentlichte Ernährungsempfehlung, die als „Planeten-Ernährung“ bekannt geworden ist. Sie liefert einen Überblick, welche Lebensmittel in welchen Mengen täglich verzehrt werden können, um die Gesundheit der Menschen und des Planeten zu erhalten. Dabei sind zwischen 300 bis 600 Gramm Fleisch pro Woche möglich sowie bis zu einem halben Liter Milch am Tag. Ebenso zwei bis drei Eier pro Woche und Fisch. Der oftmals geforderte vollständige Verzicht auf tierische Lebensmit-tel zum Schutz des Klimas ist also auf wissenschaftlicher Basis nicht zu recht-fertigen. Gleichwohl ermöglicht die Planeten-Ernährung auch eine tierfreie Ernährung für Menschen, die aus ethischen Gründen darauf verzichten wollen.

Ausgewogene Ernährungsweise

Diese Fakten und viele weitere werden im Buch „Die Ökobilanz auf dem Teller – Wie wir mit unserem Essen das Klima schützen können“ differenziert dargestellt, ohne eine fleischlastige Ernährung zu propagieren, sondern eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährungsweise, die auch vegan oder vegetarisch sein kann.

Das Buch ist kein Buch „für Ökos“ und kein Buch für den zügellosen Konsum, sondern für alle Menschen, die sich einen Überblick über den Einfluss der Ernährung auf unsere Umwelt verschaffen wollen, um eine informierte Entscheidung für ihren Konsum treffen zu können. Auch meine weiteren Bücher beschäftigen sich mit Themen und Lebensmitteln, die durch populäre Meinungsbildner in ein schlechtes Licht gestellt werden, zum Beispiel Kaffee, Milch oder auch Reis. Aus meiner Sicht sind alle Lebensmittel „Mittel zum Leben“ und es ist unverantwortlich sowohl pflanzliche als auch tierische Grundnahrungsmittel unter fehlender wissenschaftlicher Evidenz in Verruf zu bringen. Einer fachlichen Diskussion stehe ich immer offen gegenüber, wenn die Argumente stichhaltig und sachlich vorgetragen werden. Im Übrigen handelt es sich bei meiner Autorenschaft um eine nebenberufliche Tätigkeit, die ich unabhängig ausübe, um Ernährungswissen einem breiteren Pub-likum zur Verfügung zu stellen. Denn wie mir immer wieder bestätigt wird, gibt es in diesem Feld noch sehr viel zu tun.

Anm. der Redaktion: Dies ist ein Leserbrief von Malte Rubach.