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Auszeichnung für kommunale Grünstromwende und Suche nach der guten Stromnetzpraxis

Mit 750 Teilnehmenden war der Stadtwerkekongress des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) im September in Berlin so gut besucht, wie keine andere der seit 25 Jahren stattfindenden Tagung. Mit 13 Stunden Programm und 70 Referierenden sowie einem Dutzend Workshops an zwei Tagen führten die kommunalen Vertreter zudem einmal mehr beeindruckend vor, dass kommunale Energieversorgung bedeutend ist.

Die Wärmewende als Bestandteil der Energiewende sowie der Ausbau der Stromverteilnetze sind in den Augen der kommunalen Unternehmen offenbar so wichtig, wie auch in den vergangenen Jahren. Wobei sich die Gewichte verschieben: So war der Ausbau von Wärmenetzen und die Nahwärmeversorgung über die Stadtwerke ein von der Politik jüngst noch durch massive politische Vorgaben ordentlich unter Dampfdruck gesetztes Topthema. Nun verliert es offenbar an Stellenwert bei den Akteuren selbst – zumindest an Dringlichkeit: Die Stadtwerkevertretenden ließen sich das vom VKU in einer Spätsommerstudie mit einer Umfrage ermittelte Stimmungsbild erklären, wonach drei von vier Stadtwerken bezweifeln, dass Klimaneutralität ohne noch zur Klimaerwärmung beitragende Emissionen in der Wärmeversorgung bis 2045 zu erreichen ist. Dennoch sind die Befragten dafür, weiterhin für dieses Ziel zu arbeiten. Zur Absicherung der Wärmenetze-Investitionen seien „jährlich rund 3,5 Milliarden Euro im Rahmen der Bundesförderung effiziente Wärmenetze erforderlich. Die Förderung sollte gesetzlich abgesichert werden“, sagte VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing.

Die Stromnetzversorgung der Verteilnetze gewinnt dagegen zunehmende vordringliche Bedeutung. Dazu tragen nicht zuletzt aktuelle Gesetzgebungen wie die Einrichtung von Netzengpassgebieten der Verteilnetze im sogenannten Netzpaket bei, die bei regionalen Netzengpässen die Anbindung neuer Regenerativ-Stromerzeugungskapazitäten einbremst oder die Kosten des Netzzugangs durch sie senkt. Aber auch das Regulierungsvorhaben Agnes zur Netzentgelt-Neuregulierung spielt in den Stadtwerken zumindest gedanklich schon eine Rolle. Geht es doch um nicht weniger, als das Ziel, durch dynamische Netzentgelte ein netzdienliches kluges Verhalten von Strom einspeisenden und Verbrauchenden zu erzielen.

Außer regulatorischen Vorgaben führten sich die Teilnehmenden einmal mehr die Mammutaufgabe einer Finanzierung der vielen notwendigen Investitionen insbesondere in die Wärme- und Stromnetze Augen. Seit einigen Jahren berichten Referenten aus den beim VKU-Kongress auftretenden Stadtwerken hierzu, wie sie durch neue kluge Beteiligungsmodelle oder flexible modulare Finanzierungsstrukturen auch Geld von Bürgerinnen und Bürgern, aus der privaten Wirtschaft oder von professionellen Infrastruktur-Kapital-Investoren einbinden.

Mit Best-Practice-Beispielen veranschaulichten die Referierenden wie gewohnt auch in kurzweiligen Frage-Antwort-Formaten, wie somit Modellvorhaben gelungen sind. Auffälligerweise erhielten aber die Stadtwerke im bayerischen Feuchtwangen den Hauptpreis der Jurorinnen und Juroren dafür, dass die Strom- und Wärmeversorgung in der Region bis 2035 weitgehend dekarbonisiert sein könnte. Das sieht das prämierte Konzept mit sehr konkreten Ausbaudaten für die Energiewende vor: Auf Basis einer mit der Hochschule Ansbach und Siemens geschriebenen Studie sollen Photovoltaik-Freiflächenanlagen mit 24 Megawatt (MW) ins Spiel kommen, ein 10-MW/20-Megawattstunden-Großbatteriespeicher, Flächen für 21 Windkraftanlagen und ein Elektrolyseur zur Herstellung des klimaneutralen und flexiblen Energieträgers Wasserstoff mittels Grünstrom mit 5 MW und mit Abwärmenutzung.

Den zweiten Platz des Awards erreichten passend zu der Ausrichtung dieser Tagung das Unternehmen Stadtwerke Saarbrücken Netz zusammen mit dem Fraunhofer-Spin-off Greenventory: Deren Innovationsprojekt eines digitalen Zwillings soll ermitteln, wo gerade vordringlich Netzverbesserungen mit den größten positiven Effekten gelingen sollten, um das Investment möglichst effizient zu nutzen.