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Foto: Gesche Jäger - GLS Bank
Das Projekte eFarm von GP Joule wurde von der GLS Bank finanziert. Hier eine Wasserstoff-Tankstelle als Teil des Projekts.

Akzeptanz

Für Bürgerbeteiligung: Mit dem Bus durch die Dörfer

Christian Marcks, Experte für erneuerbare Energien bei der GLS Bank, spricht über die Pflicht und die Chance, Anwohner an Wind- und Solarparks zu beteiligen.

Erneuerbare Energien gehören zu Ihrem Basisportfolio. Welche Erfahrung bringt die GLS Bank bei deren Finanzierung mit?

Christian Marcks: Die GLS Bank hat 1987 ihr erstes Windrad finanziert und 1991 einen der ersten Windenergie-Fonds in Deutschland aufgelegt – wir verfügen also über mehr als drei Jahrzehnte Finanzierungserfahrung. Hinzu kommt, dass wir – selten für eine Bank - durch den Betrieb von mehr als 250 MW an eigenen Wind- und Solarparks in unseren Tochtergesellschaften GLS Beteiligungs AG und GLS Energie AG auch über operatives Know-how verfügen. Das reicht von der kaufmännischen und technischen Betriebsführung bis hin zur Projektierung, da unsere GLS Energie AG inzwischen das vierte Repowering-Projekt plant.

Rund ein Drittel Ihrer Kredite gehen in den Bereich Erneuerbare. Was finanzieren Sie derzeit am häufigsten? Deutschland? Ausland?

Christian Marcks: Als gewachsene Genossenschaftsbank beschränken wir uns bislang auf Deutschland. Schwerpunkte sind nach wie vor Onshore-Wind- und Photovoltaik, wir begleiten aber auch Wärmenetze und Contractingvorhaben. Da reine Erzeugungskapazität für eine Energiewende nicht ausreicht, widmen wir uns zunehmend Zukunftsthemen wie Speicherung und Sektorenkopplung. Ein Beispiel hierfür ist unsere Finanzierung des Wasserstoffmobilitätsprojekts „eFarm“ in Nordfriesland.

Wie beurteilen Sie das EEG 2021 aus Finanziererperspektive?

Christian Marcks: Zu begrüßen ist, dass es immerhin noch rechtzeitig verabschiedet wurde und manche drohenden Verschärfungen zumindest abgemildert werden konnten. Positiv sind Punkte wie die generelle Anhebung der Ausschreibungsmengen oder die EEG-Umlagenbefreiung für die Wasserstoffproduktion. Negativ bewerten wir, dass die EEG-Vergütung jetzt bereits nach vier Stunden negativer Strompreise ausgesetzt wird. Diese Verschärfung des § 51, ohne parallele Änderungen der Rahmenbedingungen für Flexibilisierung und Speicherung, erschwert die Planung. Die mit dem § 51 a beschlossene, rein zeitliche Verlängerung am Ende des Vergütungszeitraums hilft aus Finanzierersicht wenig. Hier scheut die Politik die lange überfällige Anpassung des Marktdesigns. Kontraproduktiv ist auch die Verpflichtung der BNetzA, bei Unterzeichnung die Ausschreibungsmengen nach unten anzupassen und eine Nachholung erst ab 2024 zu erlauben. Wenn weniger Zuschläge erteilt werden, gibt es auch weniger zu finanzieren. Und durch die (gewollt) wettbewerblich geringeren Gebotspreise sinkt zudem die Wirtschaftlichkeit der Projekte. Das wird insbesondere kleinere Akteure betreffen und die Finanzierungsmöglichkeiten für alle einschränken.

Akzeptanz vor Ort ist ein wichtiges Thema. Was empfehlen Sie, damit der Bürger mitgenommen wird?

Christian Marcks: Ich hätte mir eine verbindliche Kommunalabgabe für Wind- und Solarparks gewünscht, damit alle Betroffenen sicher damit rechnen können. Da sie es nicht ist, plädiere ich umso stärker dafür dieses Instrument auf jeden Fall zu nutzen. Flankierend ist eine direkte Beteiligung der Bürger vor Ort wichtig, sowohl was transparente Informationen von Anfang an betrifft, als auch die direkte finanzielle Beteiligung für die, die das wünschen. So hat es zum Beispiel die GLS Beteiligungs AG schon 2010 beim Klimagenussrecht Bayern gemacht. Da fuhren unsere Azubis mit dem GLS Bus durch die umliegenden Dörfer, um Anwohnern eine Beteiligungsmöglichkeit an drei neuen GLS-Solarparks anzubieten. Auch das Repowering des Windparks Schleiden 2015 erfolgte unter Einbezug der Anrainer.

Welche Bedeutung hat hier Crowd Investing? Wie ist da Ihre Erfahrung?

Christian Marcks: „Crowd-Finanzierung bietet die Möglichkeit, Menschen direkt am wirtschaftlichen Erfolg des Projektes teilhaben zu lassen. Und das unkompliziert und schnell. Unsere GLS Crowd bietet das ab einem geringen Betrag (250 €) an und hat auch schon Bürgerbeteiligungen umgesetzt. Durch unsere sozial-ökologischen Kriterien, die auch für die Crowd-Finanzierung gelten, ist eine persönliche Identifikation mit dem Projekt ein weiterer wesentlicher Aspekt.

Finanzieren Sie auch Projekte, die über PPA mit zehn Jahren Laufzeit verfügen?

Christian Marcks: Ja, wir haben bereits erste PPA-Projekte mit zehnjährigen Stromabnahmeverträgen finanziert und weitere auf den Schreibtischen. Durch frühzeitige Beschäftigung mit Strommarktprognosen, Vertragsmodellen und Umsetzungsfragen im Haus sehen wir uns gut aufgestellt, Akteure auch jenseits einer EEG-Förderung zu begleiten.

Web-Wegweiser: www.gls.de

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Foto: GLS Bank Sieht Licht und Schatten im neuen EEG: Christian Marcks, Regenerativexperte der GLS Bank
Foto: Julia Nowak/Deutscher Bundestag

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