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Windmärkte international

Indien will 140 Gigawatt Windkraft - aber auch 40 neue Kohlegruben

Indien will seinen Energiehunger mit Windkraft decken - aber auch mit Kohle. Gleichzeitig wird das Land als Zulieferer für Windkomponenten interessanter.

Inhaltsverzeichnis

Nicole Weinhold

Der Energiebedarf Indiens wird sich während des kommenden Jahrzehnts voraussichtlich verdoppeln. Als Schwerpunktthema auf der Windernergy Hamburg vom 1. - 4. Dezember 2020 hat Indien eine rosige Perspektive, was den Windausbau anbelangt. Laut GWEC-Jahresbericht 2019 ist der Subkontinent der viertgrößte Onshore-Windmarkt der Welt mit einer installierten Gesamtleistung von 37,5 GW. Die indische Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, die installierte Gesamtleistung an Windenergie bis 2022 auf 60 GW zu steigern, und bis 2030 auf 140 GW. Während des Jahres 2019 war Indien mit 2,4 GW an neuer installierter Leistung Asiens zweitgrößter Windmarkt; auf dem Onshore-Markt erreichte das Land mit 3,9 Prozent aller Neuinstallationen weltweit den vierten Platz.

40 neue Kohlegruben

Das klingt erstmal gut. Doch es gibt auch eine Schattenseite. 40 neue Kohlegruben sind geplant. Die Elektrizitätsversorgung des Landes beruht zum größten Teil auf Kohle. Teil des von der Regierung aufgelegten Corona-Wiederaufbauprogramms sind gigantische Kohleprojekte im Zentrum und im Osten des Landes. Im Juni startete die Regierung die Versteigerung der geplanten Abbauflächen und öffnet damit den bisher staatlichen Kohlebergbau auch für die Privatwirtschaft. Kritiker werfen Premier Modi vor, den großen Umweltchampion zu spielen, aber dabei Umweltgesetze und -vorschriften komplett aufzuweichen. Indien ist nach China zweitgrößter Kohleverbraucher der Welt und importierte in Vor-Corona-Zeiten jährlich rund 250 Millionen Tonnen des klimaschädlichen Brennstoffs.

Gebremster Windausbau wegen Corona

Gleichzeitig setzt das Land aber wie China auf die immer günstiger werdenden Erneuerbaren. Im ersten Quartal 2020 sind aber nur 189 MW Windleistung neu ans Netz gegangen. Auch für den Rest des Jahres 2020 sind die Fachleute nicht sonderlich optimistisch, weil aufgrund der COVID-19-Ausgangssperren mindestens zwei für Windturbineninstallationen wichtige Monate verloren gegangen sind. Die beginnende Monsunzeit eignet sich nicht gut für die Umsetzung von Projekten.

Auf der positiven Seite sehen indische Insider derzeit einen Boom beim Export wichtiger Komponenten wie z.B. Getriebe zur Belieferung großer Windmärkte, insbesondere in den USA. Der Handelskonflikt zwischen den USA und China gilt als weiterer Faktor, der indischen Unternehmen zugute kommt.

Außerdem soll Konjunkturpaket nicht nur Kohle fördern.Darüber hinaus dürfte sich der angekündigte Wegfall von Angebotsobergrenzen bei künftigen Ausschreibungen des indischen Ministeriums für Neue und Erneuerbare Energien (MNRE) Bauträgern zufolge als Win-Win-Situation auswirken. Man geht davon aus, dass die Umorientierung weg von festgelegten Angebotsobergrenzen und hin zu reinen marktorientierten Ausschreibungsverfahren ohne künstliche Beschränkungen und mit mutmaßlich besseren Preisen eine weitere Stärkung der Bauträger-Nachfrage mit sich bringen wird.

Schwachwind-Turbinen

Der Subkontinent ist – abgesehen von windstärkeren Gebieten entlang der Ostküste sowie im Bundesstaat Gujarat – ein typischer Schwachwind-Markt gemäß IEC III und IV. Um eine wirtschaftlich vertretbare Energieerzeugung an Standorten mit ungünstigen Windbedingungen zu ermöglichen, setzen alle großen Anbieter auf Schwach- und Mittelwindmodelle mit Nennleistungen ab zwei bis drei MW, wobei der Trend hin zu höheren Leistungen und größeren Rotordurchmessern geht. Die Lokalisierung der Produktion ist ein wichtiges Thema und ein wesentlicher Erfolgsfaktor für Anbieter in Indien. Viele deutsche und ausländische Aussteller auf der Windenergy Hamburg – darunter auch einige aus Indien – sind aktive Mitglieder der rasch expandierenden Belieferungskette für Getriebe, Generatoren, Gussteile, Lager und Rotorblätter. In Indien gefertigte Komponenten werden zunehmend in alle Welt exportiert.

Siemens Gamesa betreibt in Indien vier Werke

“Siemens Gamesa betreibt in Indien vier Werke, die derzeit über ein Auftragsbuch mit einer Gesamtnennleistung von 6.500 MW verfügen, das sind 17 Prozent des Gesamtauftragsbestands in Indien. Die indischen Werke von SGRE widmen sich hauptsächlich der Deckung der zunehmenden Inlandsnachfrage. Darüber hinaus beliefert SGRE India aber auch andere Märkte der Welt, darunter Europa, Mexiko und Sri Lanka,“ betont Navin Dewaji, CEO von SGRE India.

ZF Wind Power und Winergy sind zwei Paradebeispiele für die Herstellung von Getrieben in Indien für lokale und globale Märkte. Winergy beliefert eigenen Angaben zufolge den indischen Markt seit 1994 von Deutschland aus. Seit 2005 werden vom Werk Chennai alle führenden Windturbinen-Anbieter mit Getrieben für den nationalen Markt versorgt. Mit der zunehmenden Nachfrage hat das Unternehmen seine Fertigungs- und Konstruktionskapazität seither kontinuierlich ausgebaut. Das nach wie vor hauptsächlich für die Zwei-MW-Windturbinenklasse bestimmte Getriebe-Portfolio von Winergy India wird teilweise auch exportiert.

. Gestaltet wird das umfassende Programm einschließlich der „Insight“-Bühnen „Power4Climate“ und „Empowering People“ von WindEurope, dem Co-Organisator der WindEnergy Hamburg. Das GWEC ist Global Partner und präsentiert „Global Business Insights“. Die WindEnergy Hamburg 2020 war ursprünglich vom 22. bis 25. September 2020 geplant und wurde wegen der COVID-19-Pandemie auf den 1. bis 4. Dezember 2020 verschoben.

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